Fernsehanwalt: Jetzt will er »Bürgeranwalt« werden

TV-Star als Bundestagskandidat der SPD für Wahlkreis München-Süd nominiert

München Vor sechs Jahren hat Christian Vorländer die Fernsehmacher überzeugt: Seither ist der Münchner Rechtsanwalt als Strafverteidiger bei „Richter Alexander Hold“ auf Sat1 zu sehen – ein Erfolg, den Vorländer selbst seinem authentischen Auftreten zuschreibt: „Ich verstelle mich nicht“, betont er. Authentizität ist auch bei seinem nächsten, noch weitaus größeren Vorhaben gefragt. Denn der 34-Jährige wurde für den Wahlkreis München-Süd als Bundestagskandidat der SPD nominiert. Ein Fernsehanwalt als „Bürgeranwalt“? Vorländer sieht seine juristische Herkunft nicht als Nachteil für seine politische Laufbahn – im Gegenteil: „Strafverteidigung hat viel mit Bildungspolitik zu tun. Bei meiner täglichen Arbeit sehe ich, wie wichtig gute Bildung für junge Menschen ist.“ Und mit dem Wissen, wie es draußen wirklich zugeht, will er sich auf den Weg nach Berlin machen. Sollte er den Einstieg in die große Politik schaffen, will er nicht vergessen, welche Menschen er vertritt: „Politik aus dem Elfenbeinturm funktioniert nicht“, sagt er. Zu wissen, was die Menschen im Münchner Süden bewegt und was sie ärgert, ist dem Münchner wichtig – zumal er mit dem Stadtteil seit früher Jugend an verbunden ist: Aufgewachsen in Beirut, zog er im Alter von drei Jahren mit seinen Eltern nach Deutschland. Vorländer lebt seit 1981 in München, mittlerweile im Lehel. Die Familie musste aus ihrer Heimat fliehen, weil dort der Bürgerkrieg tobte – ein Erlebnis, an das sich der Anwalt heute noch erinnern kann und das ihn entscheidend geprägt hat: „Frieden und soziale Gerechtigkeit sind meine obersten Gebote.“ Mehr soziale Gerechtigkeit will er auch in München schaffen – vor allem die Entwicklung auf dem Wohnungsmarkt verfolgt er mit Unbehagen: „Meine Eltern hatten eine Dienstwohnung am Mariannenplatz. Es war eine bunte Mischung an Menschen. Heute herrscht dort eine ganz andere Bevölkerungsstruktur“, bedauert er. Um das bunte Flair zu wahren, dürften die Mietpreise nicht weiter steigen, findet er. Bevor es jedoch an die brisanten politischen Themen geht, will der „Bürgeranwalt“ zunächst seine „Mandanten“ besser kennen lernen: „Ich will in jedem Stadtviertel Mitglied eines Vereins werden“, so sein Vorhaben. Die Sendlinger Feuerwehr hat ihn bereits willkommen geheißen. Und in Solln, wo er ab sofort im Ortsverein tätig ist, liebäugelt er mit dem Sportverein. Bleibt noch eine Frage: Was hat er Peter Gauweiler von der CSU entgegen zu setzen? „Einen unkonventionellen Wahlkampf ganz nah am Bürger.“ Daniela Schmitt

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