Handwerk-Spezial

Fassbauer: Mit Tradition und Zukunft

Westend: Vor 15 Jahren steckte die Fassmacherei in einer echten Krise – heute haben die Schäffler ihre Nische gefunden.

Es braucht nicht viel Fantasie, um herauszufinden, in welchem Handwerk Wilhelm Schmid arbeitet. Sein Büro betreten die Besucher – durch ein Fass! Das Gewicht, durch das die Tür selbständig schließt – ein Fass. Seine Kugelschreiber stecken – genau. Wilhelm Schmid (60) ist Fassbauer. Oder Schäfflermeister, wie der Beruf ursprünglich hieß. Und er ist froh, seit einiger Zeit wieder vor allem das zu produzieren, worum es eigentlich geht.

„Es gab eine Zeit, da lief es richtig schlecht. Da haben wir vor allem Möbel und Krüge produziert. Aber seit 15 Jahren geht es wieder aufwärts“, erzählt Schmid. Neben Fässern für die beliebten Barrique-Weine geht es kurz vor der Wiesn vor allem ums Bier: Mit Augustiner gibt es eine Brauerei, die voll auf Holzfässer aus der Fassfabrik Schmid setzt. Dabei gibt es große Unterschiede. Sollen die Fässer beim Wein den Geschmack mitprägen, ist das beim Bier ein absolutes Tabu.

1000 Fässer aus Eichenholz stellen die Mitarbeiter jedes Jahr her, 500 weitere werden in dieser Zeit repariert und 7000 „gepicht“, also mit einer Harzschicht von innen überzogen. „Wir sind heute natürlich ein Nischenberuf. Vor 100 oder 150 Jahren hatten Schäffler eine ganz andere Bedeutung – da gab es ja kaum andere Materialien als Holz“, erklärt Schmid.

Doch auch um die Zukunft muss sich der seit 1914 bestehende Familienbetrieb keine Sorgen machen. Die nächste Generation, Wilhelm Schmids Sohn Peter (28), ist bereits voll in den Arbeitsprozess integriert. Er soll die Firma mit aktuell acht Mitarbeitern irgendwann übernehmen. Ein Lehrling wird momentan nicht ausgebildet. Aber wenn das Geschäft weiter anzieht, kann sich das auch wieder ändern.
Marco Heinrich

Schäfflertänze

Vor 500 Jahren versank München nach einer Pestepidemie in Lethargie. Niemand traute sich nach draußen. Bis ein paar Schäffler der Legende nach tanzend durch die Stadt zogen, um den Münchnern zu zeigen, dass die Gefahr vorüber war. Eine Tradition war geboren. Alle sieben Jahre tanzen sie auch heute noch für jeweils sechs Wochen. Die Richtlinien dafür sind stark gelockert. Einst war der Tanz nur ledigen Schäfflern vorbehalten, die seit mindestens zwei Jahren in München wohnten. Heute darf jeder mittanzen.

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