50 000 Euro für neue Jugend-Projekte

Schwanthalerhöhe/Ludwigsvorstadt

Stella und Patrick eilen geschäftig ins Sekretariat. Kurz vor den Ferien gibt es noch einiges zu tun für die Schülersprecher der Marie-Luise-Fleißer-Realschule – und künftig soll es noch mehr werden. Denn die beiden Neuntklässler sind zwei von insgesamt 18 kürzlich gewählten schulartübergreifenden Stadtschülervertretern. Etwa 300 Schülersprecher aus ganz München und von sechs verschiedenen Schultypen haben entschieden, wer zukünftig ihre Anliegen und Interessen nach außen tragen soll. Und das ist das Einzigartige an dem Konzept, erklärt Stella: „Wir vertreten zum ersten Mal die Interessen aller Schüler.“ Gymnasiasten, Realschüler, Haupt-, Berufsober-, Fachober-, und Förderschüler ziehen an einem Strang, tauschen sich aus und helfen sich gegenseitig: „Man lernt sich viel besser kennen. Es gibt wahnsinnige Unterschiede. Manche Schulen haben nur drei Leute in der Schülermitverwaltung, andere 60!“, hat Patrick erfahren. Deshalb ist die Aufwertung der Schülermitverwaltung an den Hauptschulen ein erklärtes Ziel des engagierten 14-Jährigen. Aber auch der Spaß soll nicht zu kurz kommen: „Eine Schulparty von allen Schulen zusammen wäre toll“, findet Stella. Große Pläne sind es also, die das junge Gremium in seinem Büro an der Rupprechtstraße schmiedet. Und erstmals haben sie auch die Chance auf Verwirklichung: „Wir haben ein Budget von 50 000 Euro im Jahr“, freut sich Patrick. Konkrete Projekte, in die das Geld fließen soll, werden jetzt besprochen. Eines zeigt das Budget schon jetzt: „Damit können wir wirklich was bewegen“, sagt Stella. Auch die wichtigen Kontakte zur Politik haben die beiden bereits geknüpft: „Unser Antrag auf Anhörungsrecht wurde im Bezirksausschuss einstimmig angenommen“ – nun erfahren sie aus erster Hand, was in ihrem Stadtteil vor sich geht. Und umgekehrt: Die Mitglieder des Bezirksausschusses rund um Alexander Miklosy haben ein offenes Ohr für die Anliegen der Jugendlichen in ihrem Stadtviertel. Die neuen Stadtschülervertreter freuen sich auf ihre neue Verantwortung: „Als erster Jahrgang haben wir wenig Vorgaben. Wir können ganz viele neue Ideen umsetzen“, hofft Stella. Aber Motivation brauche man schon, sonst könne man das nicht machen, fügt Patrick hinzu. Interessierte Schülerinnen und Schüler könnten zudem jeder Zeit mitmachen, versichern die beiden. Treffpunkt ist dienstags, um 17 Uhr, im Büro der Stadtschülervertretung, an der Rupprechtstraße 29. Daniela Schmitt »Die ganze Arbeit hat sich gelohnt!« Anahita Bidjanbeg (19) aus der Isarvorstadt war maßgeblich an der Entwicklung der Stadtschülervertretung (ssv) beteiligt. Wie kam es zu dem Projekt? Die ssv ist ein Gemeinschaftsprojekt vom Schülerbüro und vom Jugendrat. Erste Überlegungen für ein Schülerparlament gibt es schon seit 2000. Als ich dann 2005 ins Schülerbüro eingetreten bin, waren die Pläne schon konkreter. Wir haben Arbeitsgruppen gegründet und viele Gespräche geführt. Im Januar diesen Jahres hat der Stadtrat dann die Gründung einer Stadtschülervertretung beschlossen. Die ganze Arbeit hat sich gelohnt! Was kann die Stadtschülervertretung Ihrer Meinung nach erreichen? Sie kann sehr viel erreichen, sowohl schulpolitisch als auch ganz allgemein. Die Voraussetzung ist, dass sie legitimiert ist. Sie hat ein Budget zur Verfügung und Anhörungsrechte im Jugendhilfe- und Schulausschuss. Sie sind nun nicht mehr aktiv am Projekt beteiligt. Finden Sie es schade, dass nun andere die Geschicke übernehmen? Nein, gar nicht. Die Initiatoren laufen nun langsam aus und übergeben das Projekt an die Nachkömmlinge. Das ist auch eine große Chance, weil neue Leute auch neue Ideen haben.

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