Wohnen in LKWs, Zirkuswagen oder Tiny Houses

Eine Wagenburg im Westend?

Wohnen im Wagen: Der Verein „Rad und Tat“ will das Gelände „MK 2“ an der Ganghoferstraße zwischennutzen.
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Wohnen im Wagen: Der Verein „Rad und Tat“ will das brache Gelände „MK 2“ an der Ganghoferstraße zwischennutzen.

Der Verein „Rad und Tat“ will ein freies Gelände im Westend als Wagenburg zwischennutzen und so der Wohnungsnot kreativ entgegentreten. Wie das genau funktioniert

Sie wohnen lieber im umgebauten Lkw, in Bau- und Zirkuswagen oder Tiny Houses: Ein Bekanntenkreis will auf einer Brachfläche im Westend eine Wagenburg gründen – und mit dieser alternativen Wohnform (weitere siehe unten) der Münchner Wohnungsnot kreativ entgegenwirken.

Mitglieder des Vereins "Rad und Tat"

„Uns treibt die Frage um: Was braucht man wirklich und wie viel“, erklärt Florian Holy (38), Sprecher der Gruppe. Im Januar hat die Gruppe einen Verein gegründet. Er nennt sich „Rad und Tat“ und umfasst etwa 20 Mitglieder. Auf der Brachfläche „MK 2“ an der Ganghoferstraße will der Verein seine Wagen aufstellen. Das Grundstück ist Teil des alten Messegeländes und seit 2008 ungenutzt. 

Der Haken: Ab 2020 will die Stadt dort eine neue Schule bauen. Doch das schreckt die Gruppe nicht ab: „Uns ist bewusst, dass es sich dabei lediglich um eine Zwischennutzung handelt und wir werden das Gelände räumen, wenn es soweit ist“, sagt Holy. Die Mitglieder des Vereins sind eine „bunte Mischung“ aus Physiker, Sonderpädagogin, IT-Fachmann oder Künstler. Sie wollen ökologisch möglichst sinnvoll leben, Solarenergie nutzen, Regenwasser sammeln und Gemeinschaftsbeete anlegen. „Und vor allem wollen wir Zeit und Raum schaffen, für menschlichen Kontakt und nachbarschaftliche Begegnungen“, betont Holy. 

Für die Gruppe sei ein Wagenplatz die einzige Möglichkeit, in München in einer Umgebung zu wohnen, die Gestaltungsspielraum und größtmögliche Freiheit biete. Die Unterstützung des Bezirks­ausschusses hat der Verein bereits und auch im Planungs- sowie Kommunalreferat reagierte man positiv. „Die Stadt steht solchen Wagenburgen offen gegenüber“, sagt Bernhard Plank vom Kommunalreferat, welches für die Vermietung der Fläche zuständig ist. Wie lange die Prüfung der möglichen Zwischennutzung dauert, könne er allerdings noch nicht sagen.

Daniela Borsutzky

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