„Die Stadt vernichtet Gärten, anstatt dass sie diese erhält!“

Eine Siedlung am Ende ihrer Zeit – Gartenstadt oder Erhalt von NS-Bau?

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Das Haus von Robert Voringer ist „am Ende seiner Zeit“, im Keller schimmelt es.

Laim – Die Reichsheimsiedlung in Laim ist Testgebiet – doch Bürger und Stadt sind sich in Hinblick auf die Umsetzung der geplanten Baumaßnahmen mehr als uneinig

Robert Voringer (41) wohnt seit über zehn Jahren mit seiner Frau und der fünf Monate alten Tocher in der 80 Quadratmeter großen Doppelhaushälfte seiner Oma in der Rechpacherstraße. Diese gehört zu der sogenannten Reichsheimsiedlung, erbaut von der Heimag in der Hitler-Zeit um 1936. „Die 80 Jahre alten Häuser sind am Ende ihrer Zeit, viele Keller sind nun feucht und schimmeln, die Wände kann man quasi mit dem Daumen eindrücken“, beklagt sich Voringer. Sein Vorwurf: Die Stadt blockiere mit ihrer aktuellen Rahmenplanung eine sinnvolle bauliche Entwicklung.

„Die 80 Jahre alten Häuser sind am Ende ihrer Zeit, viele Keller sind nun feucht und schimmeln, die Wände kann man quasi mit dem Daumen eindrücken“, beklagt Robert Voringer.

Die Rahmenpläne sollen die vom Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gestützte Gartenstadtsatzung der Landeshauptstadt ersetzen. Als eines von drei Testgebieten wurde nun ein Teil des 25 Stadtbezirks auserkoren: westlich der Rushaimerstraße, nördlich der Senftenauer Straße, östlich der Willibaldstraße und südlich der Hartelstraße/Camerloherstraße. Ziel sei eine moderate Wohnflächenerweiterung zur Anpassung an heutige Wohnbedürfnisse von Familien und die Sicherung und Vernetzung der zusammenhängenden Grünräume.

Doch: Voringer hat jetzt bei der Bürgerversammlung den Antrag gestellt, dass die Rahmenplanung überarbeitet werden soll. Seine Kernforderungen: Keine Teilung von Grundstücken, wie es in der Siedlung bereits mehrmals geschehen ist, und kein „sklavisches Festhalten am Baustil der NS-Zeit“. Außerdem sollen die Eigentümer miteinbezogen werden. Sein Antrag wurde von den Laimern angenommen.

Im März 2015 stellte Voringer seinen ersten Bauantrag für einen Neubau mit zwei Vollgeschossen, zuvor hatte er sich von der Lokalbaukommision beraten lassen. Im Juni 2017 wurde der Antrag abgelehnt – bis heute wurde kein Kompromiss gefunden. Laut Voringer sind die Grundlagen der Rahmenplanung falsch dargestellt: „Sie geht quasi nur von Anbauten an den Altbesand aus. Aber dieser schimmelt und zerfällt gerade!“ Ingo Trömer, Sprecher des Planungsreferats erklärt hierzu: „Die Rahmenplanung schlägt eine Wohnraumerweiterung der bestehenden Gebäude durch eine Anbauzone vor.“ Dass Neubauten generell nicht erlaubt seien, verneint er.

Voringers Vorschlag: „Man muss eine Entwicklung nach oben zulassen. Um adäquaten Wohnraum für Familien zu schaffen, und gleichzeitig die Gärten zu erhalten.“ Das bedeutet: Die sogenannten Traufhöhen müssten deutlich angehoben werden und gegebenenfalls die Dachneigungen geändert werden. Das aber sieht die Rahmenplanung nicht vor, wie Trömer erklärt: „Eine Erhöhung der Geschosszahl ist meist nach § 34 BauGB dort nicht zulässig und wird im Rahmenplan nicht vorgeschlagen. Zur Straße soll die Ensemblewirkung ohne wesentliche Aufstockungen oder Veränderungen der Dachformen erhalten bleiben. Wohnraumerweiterungen sollen im rückwärtigen Bereich erfolgen.“ Für Voringer bedeutet das: „Die Stadt vernichtet Gärten, anstatt dass sie diese erhält!“

Die Stadtplanung stellte in der nach Redaktionsschluss gelaufenen Sitzung dem Bezirks­ausschuss die Ergebnisse der Rahmenplanung Gartenstadt vor.

Daniela Borsutzky

Gartenstädte – Erhalt des Charakters und bauliche Entwicklung

Am 29. April 2015 hatte der Stadtrat beschlossen, den Charakter der Gartenstädte zu erhalten und die bauliche Entwicklung zu steuern. „Ziel ist also nicht die Beibehaltung des Status quo, sondern eine bauliche Entwicklung unter Erhalt der spezifischen Qualitäten der Gartenstadt gemäß der Definition“, erklärt Ingo Trömer, Sprecher des Planungsreferats. 

Der Begriff „Gartenstadt“ umfasse ein weites Spektrum gebietsspezifischer räumlich, sozial, kulturell und historisch begründeter Qualitäten. „Gebiete, in denen die Gartenstadtsatzung erlassen wurde, zeichnen sich durch einen hohen Grad der Durchgrünung, eine lockere meist solitäre Bebauung und unterschiedliche städtebauliche Dichte aus.“ Demnach seien in München circa 6000 Hektar als Gartenstädte zu bezeichnen, was in etwa 20 Prozent des Stadtgebiets entspricht. Die Beschlussvorlage mit den neuen Rahmenplanungen wird voraussichtlich im Februar/März 2019 dem Stadtrat vorgelegt.

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