Bürger kritisieren die massive Nachverdichtung auf dem Areal

Ehemalige Glockengießerei: Für dieses Bauvorhaben hagelt es Kritik

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13 Anträge auf der Bürgerversammlung, 248 Unterschriften und 57 Unterstützer auf dem Gruppenfoto: Dass auf der Fläche an der Mitterhoferstraße 7 Wohnraum für Geflüchtete entstehen soll, passt vielen Laimern nicht.

Laim – Der Unmut bei den Anwohnern ist groß: Dort, wo Anfang 2017 die alte Fabrikantenvilla abgerissen wurde, plant die Stadt jetzt den Neubau eines Wohnheims für Flüchtlinge

Die bereitgestellten Plätze in der Turnhalle der Georg-Büchner-Realschule für die Bürgerversammlung Laim waren nicht genug, weitere Stühle mussten herangeschafft werden, die Versammlung begann mit fast 15 Minuten Verspätung. Der Grund: die Zukunft des Geländes der ehemaligen Glockengießerei an der Mittehoferstraße Ecke Schäufeleinstraße. 13 Anträge wurden von den Anwohnern gestellt, alle wurden mehrheitlich angenommen. Denn: Auf dem Areal, wo einst das Glockenspiel des alten Rathauses gefertigt wurde, soll gebaut werden – die Stadt plant hier Wohnraum für Geflüchtete.

2016 hatte eine Anwohnerin bei der Bürgerversammlung den Antrag gestellt, das Ensemble bestehend aus Gießerei und Fabrikantenvilla unter Denkmalschutz zu stellen – ohne Erfolg.

Doch der Unmut bei den Anwohnern ist groß, sie wollen eine weitere Verdichtung in ihrem Viertel nicht weiter hinnehmen. 2016 hatte Anwohnerin Ulrike Brauerhoch bei der Bürgerversammlung den Antrag gestellt, das Ensemble bestehend aus Gießerei und Fabrikantenvilla unter Denkmalschutz zu stellen. „Für die Glockengießerei ist uns das gerade noch rechtzeitig gelungen (Hallo berichtete)“, erzählte Brauerhoch heuer, die Villa wurde 2017 abgerissen (Hallo berichtete). Mit einem neuen Antrag plädiert die Laimerin jetzt für eine Einstellung des Bauvorhabens.

Die Vorbehalte der Anwohner sind vielschichtig: „Laim ist im Viertelvergleich mit Grünflächen stark benachteiligt“, beschwert sich Beate Drechsler. Während stadtweit 427 Personen auf einen Hektar Grünfläche kommen, seien es im 25. Bezirk 3579 Personen. Ein weiterer Kritikpunkt der Anwohner sei die „ungerechte“ Verteilung von Geflüchteten auf die Stadtviertel. Die Stadt solle aktuelle Bedarfszahlen für Flüchtlingsunterkünfte ermitteln. Die Forderungen der Anwohner sind vielschichtig, sie erstreckten sich von Schaffung einer Grünanlage über moderate Bebauung bis hin zu dem Vorschlag, dass dort ein Glockenmuseum ermöglicht werden solle.

Was die Situation besonders schwierig macht: Durch einen Erbfall wurde das Gelände drei privaten Investoren zuteil, die sich, laut Viertel-Chef Josef Möglele (SPD) „beinahe spinnefeind“ sind. „Die Glockengießerei steht unter Denkmlaschutz, aber alle tun so, als würde sie das nichts angehen“, fasste Mögele zusammen. Der vorgelegte Bauplan sei aus Sicht des BA so nicht umsetzbar, da alle für das Denkmal notwendigen Schutzmaßnahmen unterlassen wurden. „Da wird praktisch ein Anbau an die Glockengießerei gemacht“, regte sich Mögele auf. Er erwarte ein „klares Commitment der Stadtspitze“ und einen runden Tisch.

Noch bevor die Anträge auf der Versammlung zur Abstimmung standen, ergriff Sebastian Ehnes vom Sozialreferat das Wort: „Alle Flüchtlingsunterkünfte sind nach wie vor ausgelastet, es kommen noch immer neue Menschen hinzu und Überbrückungsstandorte wurden geschlossen.“ An der Mitterhoferstraße 7 sei ein „Mischobjekt“ mit zwei Zielgruppen geplant: 28 Wohungen seien für sogenannte Resettlement-Familien vorgesehen, dazu kommen 36 Appartments für 18- bis 25-Jährige. Gegen einen „Runden Tisch“ sei seitens des Sozialreferats nichts einzuwenden – sofern die Eigentümer mitspielen. Auch das Planungsreferat sei hierfür offen und werde auf den BA zukommen, so Sprecher Thorsten Vogel.

Daniela Borsutzky

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