Auf dem weitläufigen Waldfriedhof

Mit dem E-Bus ans Grab: Stadt plant neues Projekt am Waldfriedhof

Der Waldfriedhof ist der größte Friedhof in München, das Gelände umfasst eine Fläche von knapp 162 Hektar. Um den Besuch zu erleichtern, will die Stadt ab Mitte 2019 eine Elektro-Kleinbuslinie einführen, die über die Hauptwege fährt.
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Der Waldfriedhof ist der größte Friedhof in München, das Gelände umfasst eine Fläche von knapp 162 Hektar. Um den Besuch zu erleichtern, will die Stadt ab Mitte 2019 eine Elektro-Kleinbuslinie einführen, die über die Hauptwege fährt.

Hadern: Der Waldfriedhof ist mit gut 162 Hektar die größte Begräbnissstätte in München, die Wege sind lang. Um den Grabbesuch zu erleichtern, prüft die Stadt gerade den Einsatz eines Elektro-Busses.

Ein Friedhofsbesuch soll für jeden möglich sein. „Insbesondere auch für ältere und mobilitätseingeschränkte Menschen“, erklärt Münchens Gesundheitsreferentin Stephanie Jacobs. Die Stadt möchte ihre Friedhöfe weiter barrierefrei ausbauen. Spektakulärste Konsequenz: In Zukunft soll eine Elektro-Kleinbuslinie über den Waldfriedhof in Hadern fahren.

Noch handelt es sich um eine „Planungsidee“, doch das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) rechnet bereits Mitte 2019 mit der Umsetzung. Der Kleinbus soll nach einem festen Fahrplan auf den Hauptrouten fahren und so den Friedhofsbesuch erleichtern. Ob dieser Service etwas kosten soll, steht noch nicht fest.

„Gerade auf dem Waldfriedhof sind zum Teil weite Strecken zurückzulegen“, erklärt Alois Maderspacher vom RGU. Mit einer Fläche von 131,32 Hektar ist er Münchens größter Friedhof. „Welches Modell letztlich für die Elektrobuslinie eingesetzt wird, muss man prüfen. Es sind viele Faktoren ausschlaggebend – wie Kurvenradius, Anzahl der Sitzplätze, niedriger Einstieg, Transportmöglichkeiten für Grabutensilien“, erklärt Maderspacher. Hat man diese Hürden gemeistert, soll das Pilotprojekt auch auf anderen Friedhöfen umgesetzt werden.

Bis 2020 soll ein neues Leit- und Orientierungssystem eingeführt werden. Die Auftragsvergabe für den Waldfriedhof ist für das Frühjahr 2018 geplant, umgesetzt ist das System bereits seit April diesen Jahres auf dem Westfriedhof. Um eine leichte und schnelle Orientierung zu ermöglichen, wird der Friedhof dabei in verschiedene Bereiche unterteilt. „Das neue System umfasst mehrere Module, bestehend aus verschiedenen Stelentypen und Schaukästen. Wir haben bisher äußerst positive Rückmeldungen erhalten“, erklärt Maderspacher.

Erhöht werden soll auch die Zahl der Bänke. Aktuell gibt es auf den 29 städtischen Friedhöfen etwa 2500. Diese sollen künftig aufgestockt beziehungsweise ersetzt werden –mit einem neuen Modell mit einer breiteren Sitzfläche sowie Armlehnen.

Außerdem wolle man die Ausleihmöglichkeiten von E-Scootern beziehungsweise E-Trikes prüfen. „Derzeit läuft ein Pilotprojekt im Umfeld des Marienplatzes. Die Eignung für Friedhöfe muss noch getestet werden“, sagt Maderspacher. Daniela Borsutzky

Umfrage – das sagen Münchner zu dem Vorhaben

Georg Baak (stellv. Verwalter Waldfriedhof): „Freilich wäre das eine Erleichterung für manche. Aber diese Busse sind leise, was Gefahren mit sich bringt. Vor allem für die vielen Radler, die trotz des Verbots über den Friedhof fahren.“ 

Brigitte Bauer: „Ich finde die Idee toll. Wegen der Umwelt und vor allem wegen der Sicherheit. Dann sind die älteren Herrschaften nicht alleine auf den Wegen unterwegs. Es kann ja schließlich immer mal was passieren.“ 

Hermann Stöck: „Bezüglich der Lautlosigkeit der Busse habe ich keine Bedenken. Auch ein Elektrobus kann hupen. Und man kann elektronisch ein leises Motorgeräusch erzeugen. Ich glaube, das ist eine gute Sache.“

Mit der Elektro-Rikscha in die City

Keinen Bus, sondern Elektro-Rikschas fordert nun Petra Jakobi (Grüne) vom Bezirksausschuss 18 für Senioren. Weil sie selbst oft am Münchenstift Seniorenheim in der Grünwalder Straße vorbeifährt und dort immer wieder ältere Menschen sitzen sieht, ist sie auf die Idee gekommen: „Da wären doch Elektro-Rikschas super – dann können die Bewohner unkompliziert Ausflüge machen.“ Weil es das in Berlin und Kopenhagen schon längst gibt, hat sie nun im BA einen Antrag gestellt – der vorerst zurückgestellt wurde. Zunächst wolle man erst mal vom Altenheim wissen, ob Bedarf besteht. „Tatsächlich denken wir immer wieder über eine Anschaffung nach“, sagt Siegfried Benker, Geschäftsführer von Münchenstift. Vor allem wegen der hohen Kosten, die zwischen 5000 und 7000 Euro pro Rikscha liegen, habe er bislang keine angeschafft. hki

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