„Döner-macht-schöner-Haus"

Dönerhaus: Bürger fordern Enteignung

Das „Döner-macht-schöner-Haus“ auf der Schwanthalerhöhe steht seit langem leer.
+
Das „Döner-macht-schöner-Haus“ auf der Schwanthalerhöhe steht seit langem leer.

Schwanthalerhöhe: Seit Jahren steht das sogenannte „Döner-macht-schöner-Haus“ leer und verfällt immer weiter. In der Bürgerversammlung hat Anwohner York Runte jetzt einen radikalen Antrag gestellt.

Enteignung. Eine harte Maßnahme, für die es in der Bevölkerung normal wenig Verständnis gibt. Bei der Bürgerversammlung in der Schwanthalerhöhe dagegen war es anders. Dort forderten die Viertelbewohner eine Enteignung – mit nur eine Gegenstimme.

York Runte fordert deshalb eine Enteignung.

York Runte, Bewohner des linken alternativen Hausprojekts „Ligsalz 8“, hatte beantragt, dass der Besitzer des so genanten „Döner-macht-Schöner-Hauses“ von der Stadt enteignet werden soll. Das Gebäude in der Schwanthalerstraße 119, in dem früher einmal eine Dönerbude war, gilt als Problemhaus im Viertel. Wie auch das benachbarte Schnitzelhaus steht es seit Jahren leer, sehr zum Ärger von Anwohnern und Viertelpolitikern. „Wir stoßen da auch als Bezirksausschuss immer an unsere Grenzen“, erklärte BA-Vorsitzende Sibylle Stöhr den Bürgern in der Versammlung. Beim Schnitzelhaus hat der Eigentümer vor kurzem den Baubeginn von Umbaumaßnahmen angezeigt, beim Döner-Haus gibt es noch keine Neuigkeiten. Dessen Besitzer hätte zwar schon seit langem eine Baugenehmigung für den Neubau eines Wohnhauses mit Hotel, Gastronomie und Tiefgarage – doch er macht nichts. Das Döner-Haus stand bereits mehrmals zur Zwangsversteigerung, die Termine wurden aber immer wieder abgesetzt. 

Jetzt soll die Stadt radikal durchgreifen, forderte Runte. „Wir beantragen die Enteignung wegen fortwährender Fehlnutzung“, erklärte er. Durch den Verfall der Immobilie entstünde zudem eine Gefährdung der öffentlichen Sicherheit sowie eine Einschränkung der Verkehrswege. Die Stadt musste bereits Sicherungsarbeiten an dem maroden Gebäude vornehmen, um die Unfallgefahr für Passanten zu verringern. „Wenn jemand sein Eigentum über längere Zeit so missbraucht, dass sich sogar die Stadt um Schäden kümmern muss, muss man etwas machen“, so Runte.

Sein Ziel wäre, dass in dem Gebäude ein genossenschaftliches oder gemeinwohlorientiertes Wohnprojekt entsteht. Seinen Kalkulationen nach könnten es insgesamt 1100 Quadratmeter Wohnfläche werden, der Mietpreis dafür soll rund zehn Euro warm pro Quadratmeter betragen. „Es geht nicht darum, jemanden etwas zu stehlen, sondern es einer sinnvollen Nutzung zu überführen“, sagte Runte – und erntete damit breite Zustimmung.
Claudia Schuri

So kann enteignet werden

Für Enteignungen ist in München das Kommunalreferat zuständig. „Es ist das absolut letzte Mittel“, sagt Pressesprecher Bernd Plank. „Eigentum ist gesetzlich sehr stark geschützt.“ Ein Leerstand ist deswegen grundsätzlich noch kein Grund, der eine derartige Maßnahme rechtfertigt. „Wenn jemanden ein Gebäude gehört und er lässt es stehen, ist es grundsätzlich sein gutes Recht“, so Plank. Enteignungen kommen dagegen in Frage, wenn ein übergeordneter Bebauungsplan umgesetzt werden soll und die Stadt sich dazu nicht mit den Grundstücksbesitzern einigen konnte. „Meist geht es da um Grundstücke, die nicht oder nur geringfügig gebaut sind“, so Planck. Für die Flächen bekommt der ehemalige Besitzer nach der Enteignung eine Entschädigung.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Großbrand in München: Schwarze Rauchwolke über der Stadt – Neue Details der Feuerwehr – Schaden von einer halben Million
Großbrand in München: Schwarze Rauchwolke über der Stadt – Neue Details der Feuerwehr – Schaden von einer halben Million
Kulturcafé fürs Viertel: Schwestern erhalten Absage – warum Sie dennoch nicht aufgeben
Kulturcafé fürs Viertel: Schwestern erhalten Absage – warum Sie dennoch nicht aufgeben

Kommentare