Nach tödlichem Raser-Unfall in München

Unter Alkohol und bereits früher auffällig: Alle Details zur tödlichen Horrorfahrt in München

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Zwei Jugendliche von Auto angefahren

Betrunken und unter Drogen: Die schlimmen Details zum tödlichen Raserunfall in München. Unbeteiligter hat Unfall gefilmt.

Update Montag, 15 Uhr

Es waren erschütternde Szenen, die Polizei und Staatsanwaltschaft sich auf einem Video anschauen mussten: Ein Auto rast auf einer Straße in München in falscher Fahrtrichtung. Es schießt auf vier Jugendliche zu, erfasst einen 14-Jährigen und katapultiert ihn mehrere Meter weit durch die Luft. Der Geisterfahrer rauscht weiter - auf der Flucht vor der Polizei. Sekunden später stoppt ein Streifenwagen, Beamte springen raus und versuchen, den Bub wiederzubeleben.

Ein Unbeteiligter hat den Unfall am Freitagabend in München gefilmt, den der 14-Jährige nicht überlebte und bei dem eine 16-Jährige schwer verletzt wurde. Die Filmsequenz ist für die Ermittler ein wichtiges Beweismittel. Sie erließen Haftbefehl gegen den 34 Jahre alten Geisterfahrer wegen Mordes und wegen Mordversuchs.

„Polizei und Staatsanwaltschaft sind sehr froh, dass es diese Aufzeichnung gibt“, sagte die Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft München I, Anne Leiding, am Montag. Sie stammt von einer so genannten Dashcam - einer Videokamera, die Fahrer in ihren Autos installieren und damit das Geschehen auf der Straße filmen. Eigentlich eine Ordnungswidrigkeit. Der Film könne aber trotzdem als Beweismittel in den Ermittlungen und in einem Strafprozess eingeführt werden, erklärte Leiding. Auch andere Zeugen werden nun gesucht.

Im Raum stehen Mordmerkmale wie Heimtücke, niedrige Beweggründe und Verdeckungsabsicht einer Straftat. „Er fährt ungebremst auf diese Jugendlichen zu“, sagt Leiding. Diese seien sich keines Angriffs bewusst gewesen - schließlich zeigte ihre Fußgängerampel grün. Dazu das hohe Tempo: Ein Auto in dieser Geschwindigkeit könne man als Geschoss bezeichnen, meint die Behördensprecherin. Zudem habe der 34-Jährige aus „krassem Eigennutz“ gehandelt, weil er sich einer Polizeikontrolle entziehen wollte.

Die Beamten waren auf ihn aufmerksam geworden, weil er im nächtlichen München verbotswidrig mit seinem Wagen wenden wollte. Als ihn die Polizisten zur Rede stellen wollten, gab der 34-Jährige Gas und begann seine wilde Fahrt. Auch er selbst wurde durch den Aufprall verletzt, zudem kollidierte er kurz danach noch mit einem entgegenkommenden Auto, dessen zwei Insassen ebenfalls verletzt wurden. Der 34-Jährige sprang aus dem Auto, humpelte zu Fuß weiter und konnte in einem nahen Park schließlich gefasst werden. Zu seinem Schutz war der Deutsche kurze Zeit in der Psychiatrie, sagte ein Polizeisprecher.

Doch warum so eine heftige Reaktion wegen einer Verkehrswidrigkeit? Das könnte an dem Drogenproblem liegen, das der Angestellte eines Logistikbetriebes offenbar hatte, vermuten die Ermittler. Im Mai 2016 war er laut Polizei wegen Drogenhandels zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt worden - und immer noch auf Bewährung. Als er am Freitagabend in München unterwegs war, hatte er laut Polizei eine geringe Menge Marihuana dabei, zudem roch es im Auto nach Alkohol. Ein Schnelltest ergab zudem Hinweise auf Drogenkonsum.

Oberstaatsanwältin Leiding sprach der Familie des Toten ihr Beileid aus. Jeder mitfühlende Mensch könne verstehen, wie furchtbar das sei, wenn das eigene Kind nicht mehr nach Hause komme. Der 14-Jährige hatte einen großen Freundeskreis, auch seine Mitschüler trauerten. Sie hatten Kerzen, Kuscheltiere und Blumen am Unfallort niedergelegt.

Umso fassungsloser ist man bei der Polizei von den Reaktionen in den sozialen Netzwerken, wo manche den Beamten Mitschuld an dem Unfall geben. Hättet ihr euch keine Verfolgungsjagd mit dem 34-Jährigen geliefert, wäre der Unfall nicht passiert, so der Tenor. Mit Bestürzung habe er gelesen, dass da immer wieder von einer Hetzjagd die Rede sei, sagte der Pressesprecher des Polizeipräsidiums München, Marcus da Gloria Martins. „Wir sind hier nicht im amerikanischen Krimi.“ Es gebe Regeln. So müssten Polizeiautos an roten Ampeln fast bis zum Stillstand abbremsen. Josef Wimmer, Leiter der Mordkommission, pflichtet ihm bei: Wenn sich ein Autofahrer „mehr als auffällig“ verhalte, müsse die Polizei dem nachgehen.

Der 34-Jährige war als Autofahrer kein unbeschriebenes Blatt. Es habe polizeiliche Ermittlungen gegeben, erklärte Leiding. So sei gegen ihn früher schon mal unter anderem wegen Gefährdung und Nötigung im Straßenverkehr ermittelt worden.

Cordula Dieckmann, dpa

Update Montag, 12.15 Uhr

Die Polizei hat auf einer eigens angesetzten Pressekonferenz weitere Details zum tödlichen Raserunfall vom Wochenende bekannt gegeben. Nicht unwichtiges Detail: Im Auto des Verursachers wurden Drogen gefunden. Der Fahrer war laut Polizei "schwerst alkoholisiert" und stand unter Drogen.

Zum Tatbestand sagt die Polizei, dass man von Mord an dem 14-Jährigen und an versuchtem Mord an dem 16-Jährigen ausgehen. Auch zwei weitere Mordversuche bestätigte die Polizei. 

Heimtücke liege vor, da der Mann ungebremst auf die Jugendlichen zugefahren ist. Auch die Verdeckungsabsicht spielt eine Rolle beim Strafmaß. 

Als möglicher Hintergrund ist möglicherweise eine frühere Verurteilung zu sehen: Der Mann ist zu einer Freiheitsstrafe zu Bewährung verurteilt worden. Er war auf Bewährung. Der Drogentest im Krankenhaus fiel erneut positiv aus.

Die Pressekonferenz im Ticker gibt es bei den Kollegen der tz.

Update Montag, 9.30 Uhr

Der 34-jährige Fahrer des BMW wird in eine Psychiatrie eingewiesen. Das bestätigte die Polizei auf Nachfrage. Weitere Hintergründe sind allerdings noch nicht bekannt. 

Auch, ob der Fahrer unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand ist unklar. Die Staatsanwaltschaft hat für den heutigen Montag weitere Details angekündigt.

Update Sonntag, 14.30 Uhr

Gegen den 34-jährigen Fahrer des BMW ist mittlerweile Haftbefehl wegen Mordes erlassen worden. Das bestätigte mittlerweile die Polizei auf entsprechende Nachfragen. 

Ob der Fahrer unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stand ist aktuell noch nicht bekannt. 

14-Jähriger ist seinen Verletzungen erlegen

München - Noch immer ist die Stadt geschockt von dem tödlichen Unfall, der sich in der Nacht auf Samstag auf der Fürstenrieder Straße ereignet hat. Mittlerweile werden immer mehr Details bekannt.

Gegen 23.10 Uhr fuhr ein 34-Jähriger aus dem Landkreis Bad Tölz- Wolfratshausen mit einem BMW Pkw auf der Landsberger Straße. Dort wendete er verbotswidrig. Dies fiel einer Streifenwagenbesatzung der Polizeiinspektion 41 (Laim) auf, die den Pkw darauf anhalten wollten. 

Bei dem Anhalteversuch entfernte sich der BMW so schnell, dass die Streife innerhalb kürzester Zeit den Sichtkontakt zu dem Fahrzeug verlor. Sie forderte Unterstützungskräfte an. Nach dem jetzigen Ermittlungsstand setzte der BMW seine Fahrt auf der Fürstenrieder Straße in südliche Richtung fort, wo er mehrere rote Ampeln missachtete und auf der entgegengesetzten Fahrspur fuhr. 

An der Kreuzung zur Aindorferstraße wollten mehrere Jugendliche die Fahrbahn an der dortigen Fußgängerampel überqueren. In diesem Moment näherte sich der flüchtende Pkw und kollidierte dabei mit einem 14-Jährigen und einer 16-Jährigen (beide mit Wohnsitzen in München). Beide Fußgänger wurden schwer verletzt. 

Der BMW setzte danach seine Fahrt fort. 

Eine weitere Streifenbesatzung, die im Rahmen der Funkfahndung alarmiert war, sah die Verletzten auf der Fahrbahn und die Beamten begannen sofort mit intensiven Erste Hilfe Maßnahmen. Da die sie bei dem 14-Jährigen keine Vitalfunktionen feststellen konnten, starteten sie eine Reanimation, die vom Rettungsdienst fortgesetzt wurde. Beide Verletzten wurden in Münchner Krankenhäuser gebracht, wo der 14-Jährige gegen 00.40 Uhr verstarb. 

Auf der weiteren Flucht verursachte der BMW Fahrer noch einen Verkehrsunfall, bei dem ein Pkw Fahrer leicht verletzt wurde. Der BMW wurde von einer Streifenwagenbesatzung an der Kreuzung Inderstorfer Straße und Fürstenrieder Straße bemerkt, wo er langsam ohne Fahrer ausrollte. Die Streife konnte den Pkw stoppen. 

Sofort wurden umfangreiche Fahndungsmaßnahmen nach dem flüchtigen Fahrer eingeleitet, an denen über 15 Streifen beteiligt waren. Der 34-Jährige wurde gegen 00.30 Uhr im Bereich des Westparks festgenommen. Dabei leistete er Widerstand. Durch den Unfall war zuvor er verletzt worden und er musste in ein Krankenhaus gebracht werden, wo er nach wie vor behandelt wird. Während der Unfallaufnahme war der Unfallbereich bis ca. 04.00 Uhr gesperrt. 

Die Münchner Verkehrspolizei hat die Ermittlungen zur Klärung des genauen Unfallhergangs übernommen. Der Schwerpunkt der nun intensiv geführten Ermittlungen liegt auf der Rekonstruktion des Tatgeschehens sowie einer Überprüfung einer möglichen Beeinflussung des Fahrers durch berauschende Mittel.

Quelle: Polizei/lit

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