»Das ist ja zum Fürchten!«

Attacke gegen Taxler in Laim – 64-jähriger Fahrer fordert Videoüberwachung

LAIM Wie sicher ist dieser Beruf noch? Diese Frage stellt sich Donato Gilio (Foto): Der Münchner Taxler wurde innerhalb eines Monats zweimal von Fahrgästen angegriffen und geschlagen. „Das ist ja langsam zum Fürchten“, sagt der 64-Jährige. Der letzte Vorfall passierte in Laim: Eigentlich war für Donato schon fast Feierabend, als der letzte Fahrgast um sechs Uhr morgens in sein Taxi stieg. „Ich hatte mit meinem Kollegen gerade den Schichtwechsel abgesprochen, freute mich schon auf daheim.“ Der Milbertshofener bringt den Mann an die gewünschte Adresse in der Gotthardstraße – doch die 20 Euro, die der Fahrgast schuldig ist, will er nicht zahlen. Schnell springt er aus dem Auto, Donato hinterher. „So geht das doch nicht“, ruft der Taxler, „wenn ich jetzt die Polizei rufe, wird alles nur noch schlimmer und teurer für Sie!“ Doch der dreiste Kerl lässt sich nicht beirren – er greift sogar nach dem Geldbeutel des Taxifahrers, will die Tageseinnahmen klauen! Donato Gilio will sich mit seiner Börse noch ins Taxi retten, als ihm der rabiate Fahrgast die Fahrertür mit voller Wuch gegen den Kopf schlägt. Verletzt rettet sich der Taxler ins Auto, ruft die Polizei – der Täter flüchtet unerkannt. Erst einige Wochen zuvor war Donato Gilio Opfer einer Gewalttat geworden: Zwei Betrunkene randalierten in seinem Auto, schlugen von innen Dellen in die Tür. Als Gilio sie bat, mit dem Unsinn aufzuhören, und die Polizei alarmieren wollte, bekam er einen Faustschlag ins Gesicht. „Das ist schon hart“, sagt Donato Gilio. „Aber was soll man machen?“ Über Funksprüche könne man zwar andere Taxifahrer bei einem Überfall zu Hilfe rufen, doch da sei es meistens schon zu spät – „im Taxi ist der Fahrer auf sich selbst gestellt“, so Gilio. „Wir haben ja nicht mal Zeugen wie in der U-Bahn oder im Bus. Wenn ich drei Personen transportiere und es kommt zu einem Zwischenfall, halten die natürlich zusammen“, klagt er. „Da steht dann das Wort von Dreien gegen meins.“ Deshalb wünscht er sich eine Videoüberwachung im Taxi: Was die Münchner U-Bahn nach den Gewaltakten in ihren Abteilen bereits eingeführt hat, solle auch den Taxlern mehr Sicherheit bei der Ausübung ihrer Tätigkeit geben. „Nur sowas kann weitere Übergriffe verhindern“, meint Gilio – die Gewaltbereitschaft der Fahrgäste sei enorm gestiegen. „In den letzten vier bis fünf Monaten nehmen die Übergriffe auf uns Taxifahrer zu – ich höre fast täglich irgendwelche Geschichten“, so Gilio. „In den meisten Fällen geht es darum, dass der Fahrpreis von den Fahrgästen nicht bezahlt wird.“ Hans Meißner, Chef der Taxizentrale in München, will von einem signifikanten Anstieg der Kriminalität nicht sprechen – er bestätigt aber, dass der Versuch, die Fahrtkosten nicht zu begleichen, immer öfter vorkommt. „Jeder Übergriff ist natürlich zuviel, aber ich glaube nicht, dass es heute als Taxifahrer gefährlicher ist als früher“, sagt er. Eine Einführung von Videoüberwachung in den Taxis sieht er skeptisch. „In Bremen sind Kameras im Auto an der Tagesordnung, und auch in München haben das einige Mitarbeiter bereits ausprobiert“, erklärt Meißner. „Sie gaben dieses Vorhaben aber bald auf, da sich einige Fahrgäste bei den überwachten Fahrten unwohl fühlten oder gar nicht erst in das Taxi einsteigen wollten“, so der Taxi-Chef. So oder so – Donato Gilio will seinen Beruf auf alle Fälle weiter ausführen. Und in Zukunft noch besser aufpassen und notfalls gleich durchgreifen. „Wenn mir was komisch vorkommt, ruf ich jetzt sofort die Polizei.“ Martin Jüstel

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