Schwanthalerhöhe

Chancen für Menschen mit Handicap

Sehr zufrieden war Integrationsmanagerin Jana Schulz (Mitte) mit den Bewerbungsunterlagen von Lensen Arkalios (l.) und Anja Giechau (r.). Jetzt haben beide einen neuen Job gefunden.
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Sehr zufrieden war Integrationsmanagerin Jana Schulz (Mitte) mit den Bewerbungsunterlagen von Lensen Arkalios (l.) und Anja Giechau (r.). Jetzt haben beide einen neuen Job gefunden.

Schwanthalerhöhe: Ein Projekt unterstützt Schwerbehinderte bei der schwierigen Jobsuche.

Seit kurzem arbeitet Lensen Arkalios (57) wieder: Er sitzt an der Kasse einer Tankstelle, bei ihm bezahlen die Autoahrer, er verkauft Zeitungen und Snacks, immer mit einem Lächeln. „Es ist echt traumhaft für mich“, sagt er. Dass Arkalios einen Job gefunden hat, ist nicht selbstverständlich. Er ist schwerbehindert, seitdem er als Kind an Kinderlähmung erkrankt war. Nachdem er 2014 noch einen Fahrradunfall hatte, konnte er in seinem Beruf als Betreuungsassistent nicht mehr arbeiten. Unzählige Bewerbungen hat er geschrieben – und immer wieder kamen Absagen zurück.

Bis Arkalios Hilfe von „Chance für München“ vom Berufsbildungswerk in der Ridlerstraße bekommen hat. Bei dem Projekt werden Schwerbehinderte bei der Wiedereingliederung ins Berufsleben begleitet – egal ob sie körperlich behindert sind, eine Lernschwäche haben oder an schweren psychischen Erkrankungen leiden. „Schwerbehinderte profitieren oft nicht von dem guten Arbeitsmarkt in München“, erklärt Projektleiter David Riedel. Viele Arbeitgeber hätten keine Erfahrung und Bedenken. „Es gibt Rechtsmythen, zum Beispiel, dass Schwerbehinderte unkündbar seien“, sagt Riedel. Dabei greift der besondere Kündigungsschutz erst nach sechs Monaten und bei Fehlverhalten können Mitarbeiter mit Handicap genauso belangt werden wie andere. „Chance für München“ klärt auf, bespricht Bewerbungen mit den Arbeitslosen, begleitet sie zu Vorstellungsgesprächen und sucht neue Perspektiven.

Die hat jetzt auch Anja Giechau. Nach einem schweren Unfall ist der Rücken der gelernten Hotelkauffrau geschädigt, außerdem hat sie eine Hörschwäche. Jahrelang schlug sie sich mit verschiedenen Tätigkeiten durch. „Ich war ausgemustert am Arbeitsmarkt“, sagt sie. Jetzt hat Giechau eine Jobzusage: Als Busfahrerin bringt sie künftig Kinder mit besonderem Förderbedarf zur Schule. „Das Vorstellungsgespräch verlief locker, mein Chef weiß, dass ich schwerbehindert bin“, sagt sie. Sie ist sich sicher, dass ihr die Arbeit Spaß machen wird. „Ich bin schon immer gerne Auto gefahren.“ Auch Arkalios Chefin weiß Bescheid über sein Handicap. „Man sieht es ja, wenn ich laufe“, sagt er. Ein Problem war das nicht: „Beim Probearbeiten hat gleich alles gepasst.“Claudia Schuri

Eine erste Bilanz

Das Projekt „Chance für München“ ist im August 2015 gestartet und endet im Jahr 2018. Gespräche über eine Fortführung laufen. Bis jetzt haben die fünf Mitarbeiter insgesamt 80 Arbeitssuchende mit Handicap betreut. Davon fanden 27 eine Anstellung auf dem ersten Arbeitsmarkt und fünf einen Job auf dem zweiten Arbeitsmarkt. Aktuell gibt es 27 Teilnehmer. Eine Betreuung dauert im Durchschnitt acht Monate.

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