Ende Juni sollte Schluss sein

Kündigung der „Büchergalerie“: Kirche gewährt Gnadenfrist

München, Westend: 30 Quadratmeter ist die „Büchergalerie Westend“ an der Ligsalzstraße 25 klein.
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München, Westend: 30 Quadratmeter ist die „Büchergalerie Westend“ an der Ligsalzstraße 25 klein.

München, Westend: Kirche kündigt der letzten Buchhandlung im Viertel. Nach Protesten hat die Diözese nun eingelenkt

  • "Büchergalerie" an der Ligsalzstraße gibt es seit 35 Jahren. Die Kirche kündigte zum 30. Juni.
  • 900 Unterschriften für Erhalt der Buchhandlung gesammelt
  • Diözese hat eingelenkt
  • Update, 8. Juni 2020, 15.30 Uhr

    München, Westend - Die „Büchergalerie“, die letzte Buchhandlung ihrer Art im Westend, darf bis Ende Januar 2021 in den Räumlichkeiten an der Ligsalzstraße 25 bleiben. Darauf haben sich Inhaberin Inge Kindermann und Vertreter der Erzdiözese jetzt bei einem Gespräch geeinigt. 

    Büchergalerie Westend: Erleichterung bei der Inhaberin

    Die Kirche hatte der Buchhändlerin ursprünglich zum 30. Juni diesen Jahres gekündigt, da das Haus abgerissen und nach dem „Münchner Modell“ wieder aufgebaut werden soll. Da ein Bauantrag noch nicht vorliegt, wurde befürchtet, dass die Räume lange leer stehen würden (Hallo berichtete). Nach einer Unterschriftenaktion zum Erhalt der „Büchergalerie“, Presseberichten und Druck vom Bezirksausschuss hat die Diözese nun eine Gnadenfrist gewährt. „Ich bin sehr erleichtert“, so Kindermann.


    Update, 25. Juni 2020, 13 Uhr:

    München, Westend - Knapp 900 Unterschriften hat Inge Kindermann an Uwe Heller vom Erzbischöflichen Ordinariat in der Sitzung des BA übergeben. 900 Stimmen, die Kindermann innerhalb von drei Wochen gesammelt hat, um einen Erhalt ihrer „Büchergalerie“ Westend  zumindest bis Ende des Jahres zu ermöglichen.

    Büchergalerie Westend wurde zum 30. Juni von der Kirche gekündigt

    Die Erzdiözese hatte der Buchhändlerin zum 30. Juni gekündigt, da das Haus an der Ligsalzstraße 25 abgerissen werden soll (Hallo berichtete).

    Da die Lokalpolitiker des Bezirksausschusses Schwanthalerhöhe die Notwendigkeit eines Abrisses skeptisch sahen, wurden zwei Vertreter der Erzdiözese in die Sitzung geladen und ins Verhör genommen.

    München, Westend: Seit mehr als drei Jahrzehnten betreibt Inge Kindermann die „Büchergalerie Westend“.

    Der Hintergrund: Ursprünglich hatte die Caritas das um 1890 errichtete Haus geerbt, konnte es allerdings nicht halten und daher vor fünf Jahren an die Kirche verkauft.

    Ligsalzstraße Westend: Diözese sei sich über den Objektzustand nicht im Klaren gewesen

    „Die Diözese war sich zum Kaufzeitpunkt nicht annähernd über den Objektzustand im Klaren“, gestand Heller. Sein Kollege Christof Bosch betonte, dass durch den Erwerb die soziale Ausrichtung der Mietverhältnisse  dauerhaft gesichert werden sollte.

    Eine sukzessive Sanierung habe immer im Fokus gestanden. Nachdem man Fachplaner hinzugezogen habe, sei jedoch klar geworden, dass man um einen Abriss nicht herumkomme.

    Westend: Dominik Lehmann (Linke) wirft Kirche "diverse Ungereimtheiten" vor

    „Diverse Ungereimtheiten“ warf Dominik Lehmann (Linke) der Diözese vor und auch SPD-Fraktionssprecher Willy Mundigl, der zugleich Vorstand im Münchner Mieterbeirat ist, zweifelte den schlechten Zustand des Gebäudes an. Bei einem „intensiven Besuch“ konnte er keine Mängel  feststellen, die einen Abriss  rechtfertigen würden.

    Hingegen seien die neuen Feuerschutztüren „völlig falsch“ eingesetzt und würden Rettungswege versperren. Mundigl beantragte, dass die Lokalbaukommission  die präventiven Brandschutzmaßnahmen prüfen solle. Außerdem forderte Mundigl, dass das Amt für Wohnen und Migrationen ein Verfahren wegen Zweckentfremdung von Wohnraum einleiten solle.

    Mieter über Büchergalerie Westend haben noch keine Kündigung erhalten

    Während die Büchergalerie zum Ende des Monats ausziehen muss, haben die Mieter der darüberliegenden Wohnungen bisher lediglich eine Ankündigung der Kündigung erhalten.

    Cenk Genc (FDP) wollte wissen, woher „jetzt plötzlich nach fünf Jahren der Druck“ komme. Bosch erwiderte, dass mit Inge Kindermann bereits ein Termin anberaumt sei und man „sicher  eine Lösung hinbekommen werde, die über den 30. Juni hinausgeht.“ 

    Neubau an der Ligsalzstraße 25 wird nach dem München Modell errichtet

    Der Neubau ist nach dem „München Modell“ vorgesehen. Für die noch verbleibenden Mieter sei ein Makler eingeschaltet worden, um bei der Wohnungssuche zu helfen.

    Fünf Jahre lang soll für diese auch in der neuen Wohnung das bisherige Mietniveau gelten. Außerdem erhalten sie ein Rückzugsrecht für den künftigen Neubau.

    BA-Chefin Stöhr: Großer Wunsch des Viertels, die Büchergalerie im Westend zu erhalten

    Einen gemäßigteren Ton als ihre BA-Kollegen schlug Viertel-Chefin Sibylle Stöhr   (Grüne) an, als sie sich abschließend an die Herren wandte: Es sei der „große Wunsch des Viertels, dass die Buchhandlung  bleiben kann“ und man habe die „große Bitte, zu prüfen, ob das Haus stehen bleiben kann.“

    Bis auf das Dönerhaus, habe es der BA immer geschafft, alte Häuser im Viertel zu sanieren. Kindermann setzt ihre Hoffnung nun in das angekündigte Entgegenkommen der Kirche.

    Am Donnerstag, 2. Juli, treffen sich beide Parteien. Räumen werde sie ihre Buchhandlung daher vorerst nicht.

    Ursprungsmeldung: vom 5. Juni 2020:

    „Büchergalerie“ im Westend vor dem Aus

    Westend - Sie ist die letzte ihrer Art im Viertel: Die „Büchergalerie Westend“ gibt es seit 35 Jahren an der Ligsalzstraße 25. Doch am 30. Juni muss sie schließen, vermutlich für immer.

    Westend: Haus an der Ligsalzstraße soll abgerissen werden

    Der Inhaberin Inge Kindermann wurde von der Hauseigentümerin, der Erzdiözese München, gekündigt, in der Zukunft sollen die Bagger anrollen. Vor fünf Jahren habe die Kirche das Haus von der Caritas gekauft, so Kindermann. „Im Herbst vergangenen Jahres hieß es, dass das Gebäude kernsaniert oder abgerissen werden muss.“ Im Dezember erhielt sie dann die Kündigung für ihren Buchladen.

    Buchhändlerin geht davon aus, dass Haus im Westend lange leer stehen wird

    Doch: „Momentan leben in dem Haus noch sechs Parteien, darunter ich selbst. Die Wohnungen wurden aber noch nicht gekündigt.“ Was die Buchhändlerin ärgert: „Es ist also davon auszugehen, dass die Ladenräumlichkeiten lange leer stehenwerden.“ Daher bittet sie um Aufschub – zumindest bis das Haus tatsächlich abgerissen wird.

     „Es geht hier um meine Existenz“, so Kindermann. Dass die Viertelbewohner bereit sind, für ihre Buchhandlung zu kämpfen, zeigt eine Unterstützungsaktion: Innerhalb weniger Tage hat Kindermann mehr als 4 00 Unterschriften  für einen Erhalt gesammelt.

    München, Westend: Erzdiözese plant, das Haus nach München Modell neu zu errichten

    Auf Nachfrage bei der Erzdiözese heißt es, dass geplant sei, das Haus abzureißen und nach dem München Modell – ein kommunales Förderprogramm, welches Haushalten mit mittleren Einkommen sowie Familien mit Kindern die Möglichkeit bietet, vergünstigt zur Miete zu wohnen – wieder aufzubauen.

     Es habe sich herausgestellt, dass das Gebäude in einem „äußerst maroden Zustand“ sei. Laut Gutachten sei eine „sukzessive Sanierung technisch nicht möglich“. Diözese-Sprecherin Ursula Hinterberger macht Kindermann wenig Hoffnung: „Dass wir der Betreiberin der Buchhandlung jetzt schon gekündigt haben, liegt an der Gefährdungslage. Die Gefahr, die von dem Haus ausgeht, lässt eine Verlängerung des Mietverhältnis nicht zu.“

    Büchergalerie Westend: Keine Ausweichfläche in Aussicht

    Eine Ausweichfläche für die Buchhandlung anzubieten, sei schwierig, da man nicht über viel Gewerbefläche verfüge. „Dass wir den Mietern noch nicht gekündigt haben, hängt mit dem Mietrecht zusammen. Eine Verwertungskündigung kann nur ausgesprochen werden, wenn auch das Vorhaben für die künftige Nutzung konkretisiert wird. Und dazu brauchen wir erst noch behördliche Genehmigungen, zum Beispiel die Erlaubnis zum Abriss“, erklärt Hinterberger. Man befinde sich in der Phase der Planungserstellung. Ein Bauantrag  wurde noch nicht eingereicht.

    dbo

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