Das Ball-Sterben

Fasching auf Sparflamme: Großer "Kehraus" im Deutschen Theater

München Der Münchner Fasching lebt von seiner Tradition – doch immer mehr Ball-Klassiker sterben. Die neuesten Opfer: Der Ball der Silbernen Rose und der Ball der 1000 Torten. „Wir bedauern das sehr“, erklärt der Geschäftsführer der Konditoren-Innung Alfons Seitz. Als Hauptgrund nennt er den Umzug des Deutschen Theaters: „Wir hatten Bedenken, ob wir unsere Gäste nach Fröttmaning rausbringen – zu uns kommen viele junge Leute und mit dem Taxi ist es von da draußen teurer als von der Schwanthaler Straße.“ Doch noch ein anderer Aspekt habe dem Vorstand die Motivation genommen: „In den letzten Jahren sind immer weniger Kollegen gekommen – da stellt sich die Frage, ob das den Aufwand wert ist.“ „Vielen Bällen mangelt es an ehrenamtlichen Mitarbeitern oder an Geld“, sagt dazu Werner Steer, Geschäftsführer des Deutschen Theaters. Der Umzug nach Fröttmaning spiele nur „eine Nebenrolle“. So hatte das Münchner Rote Kreuz bereits für 2008 beschlossen, den traditionsreichen Margueritenball bis auf Weiteres auszusetzen. „Finanzieller und organisatorischer Aufwand standen nicht mehr in Relation zum Erlös der Wohltätigkeitsgala“, so Sprecher Gisbert Frühauf. Auch der Münchner Presseball verlor in den vergangenen Jahren immer mehr Besucher und Einnahmen. „Deswegen gehen wir dieses Jahr aus der Faschingssaison weg – da sind ja so viele andere Bälle“, erklärt Sprecher Bernd Aumiller. Der neu konzeptionierte Münchner Medienball wird am 19. Juni im Postpalast stattfinden. „Einige Veranstalter haben sich einen neuen Standort gesucht“, so Steer. „Auch wir wussten nicht, wie die Zelte in Fröttmaning angenommen worden – deswegen haben wir eine Ballsaison auf Sparflamme geplant. Normalerweise haben wir so 30 Veranstaltungen, dieses Jahres gibt es nur 13.“ Doch eine Absage nimmt Steer persönlich: „Besonders schmerzt der Wegfall des Ball der Silbernen Rose – das war unser Flagschiff.“ Von Veranstalter Heiko Plapperer-Lüttgarth, dem ehemaligen Intendanten des Deutschen Theaters, hätte er sich erwartet, dass er die Institution unterstützt: „Aber er war der Erste, der abgesprungen ist.“ Plapperer-Lüttgarth dagegen betont: „Eine so teure Veranstaltung tut sich schwer, in einem Experimentierjahr dabei zu sein.“ Man habe das Publikum befragt, das erstmal aussetzen wollte: „Der Kunde entscheidet.“ Jetzt werde er beobachten, wie sich die Situation entwickelt. Die Vorverkaufszahlen stimmen zumindest Steer zuversichtlich: „2010 wird die Ballsaison wieder aufleben." Maren Heußler So tanzen Sie durch den Fasching 16. Januar, 20 Uhr: Narrhalla-Soirée im Deutschen Theater 18. Januar, 19 Uhr: Grand Ballroom Night Galaball im Deutschen Theater 29. Januar, 20 Uhr: Magnolienball im Bayerischen Hof 30. Januar, 20 Uhr: Münchner Soirée Wohltätigkeitsball im Bayerischen Hof 6. Februar, 19 Uhr: Kaiserball im Ballsaal des Internationalen Congress Center 7. Februar, 19 Uhr: Schwarz-Weißball der CSU München im Löwenbräukeller 8. Februar, 16 Uhr: Karneval wie dazumal im Deutschen Theater 14. Februar, 20 Uhr: Ballnacht mit Hugo Strasser im Deutschen Theater 19. Februar, 20 Uhr: Rosenball im Bayerischen Hof 20. Februar, 20 Uhr: Damische Ritterball im Löwenbräukeller

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