Anlieger am Bahnhof Mittersendling ärgern sich über Lärm

Schlaflos in Sendling

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Vor allem nachts am Wochenende ärgern sich die Bewohner am Distelhofweg über den Lärm.

Jedes Wochenende ist es wieder so weit: Es rattert und pfeift am Bahnhof Mittersendling. Dort nutzt die Bahn ein Abstellgleis für ihre S-Bahnen – und deren Generatoren- und Dampfgeräusche sorgen bei den Nachbarn am Distlhofweg für schlaflose Nächte. Mehr zum Krach ums Gleis lesen Sie hier.

ut: Die Bewohner am Distlhofweg haben sich beim Bezirksausschuss (BA) Sendling-Westpark wegen Lärmbelästigung durch den Bahnhof Mittersendling beschwert. Die Neubau-Wohnungen sind zum Teil nur rund 30 Meter von den Bahngleisen entfernt, gleich hinter einem Gitterzaun fahren die S-Bahnen ein. „Aber dass Züge vorbeifahren, stört uns nicht“, sagt Anwohnerin Madlen Rentsch, „das wussten wir ja, bevor wir hier eingezogen sind.“ Verschwiegen hätte man ihnen aber, dass der Bahnhof am Wochenende als

Abstellgleis genutzt wird – was nicht bedeutet, dass die S-Bahnen einfach nur dort stehen bleiben. 

„Die Züge geben Generatoren- und Dampfgeräusche ab“, sagt Simon Noggler. Von Freitagabend gegen 19 Uhr bis Sonntagabend gegen 21.30 Uhr sei das fast durchgängig der Fall. Es würde dauerhaft ein Generator für die Kühlung beziehungsweise für die Heizung laufen und zudem würden Pfeifgeräusche vom Luftkessel der Brennanlage ausgehen, beklagt Noggler. Früher sei außerdem häufig ein lauter Schienenschleifzug im Einsatz gewesen. Immerhin das sei in letzter Zeit nicht mehr vorgekommen. „Aber das Fenster nachts aufzumachen ist immer noch nahezu unmöglich“, so Noggler. Sogar seine beiden kleinen Töchter wären schon durch den Lärm aufgewacht. Auch auf den Balkonen und im Garten sei am Wochenende kaum Erholung möglich. „Manche Nachbarn sind deshalb schon wieder weggezogen“, ergänzt Anwohner Ernst Bohr. 

Er hat den Lärm teilweise mit Video dokumentiert, andere Bewohner haben sich mit Beschwerdebriefen an die Bahn gewandt. Eine annehmbare Lösung sei ihnen nicht vorgeschlagen worden, so Madlen Rentsch.

Noggler und sein Nachbar Bohr baten den BA um Hilfe und stoßen auf Verständnis für ihr Anliegen. Vorsitzender Günter Keller hat bereits einen Brief an das Eisenbahn-Bundesamt geschrieben, aber noch keine Rückmeldung bekommen. Das Gremium möchte sich auch bei der Stadt für Verbesserungen einsetzen. Außerdem soll bei der geplanten neuen Bebauung am Bauernbräuweg, ganz in der Nähe des Distlhofwegs, ein Lärmschutz-Zaun errichtet werden.

Die Bahn erklärt, nach Beschwerden an anderen Bahnhöfen bereits bauliche Verbesserungen an den S-Bahnen umgesetzt zu haben. „In Mittersendling werden keinerlei Wartungs- oder Reparaturarbeiten ausgeführt“, betont ein Bahnsprecher. Er räumt ein, dass Klimaanlagen, Lüfter und Kompressoren Geräusche verursachen würden. „Die technischen Systeme laufen einerseits am Ende des Betriebs noch nach“, erklärt er. „Andererseits springen sie per Programmierung morgens im Vorbereitungsdienst schon einige Minuten vor dem Betriebsstart an, unter anderem, damit die Fahrzeuge vorgewärmt sind.“ Die Aggregate stehen bei den kälteren Temperaturen dauerhaft unter Strom. „Sie schützen das Fahrzeug vor dem Einfrieren, in dem sie den Fahrgastraum leicht lüften und eventuell erwärmen “, so der Bahnsprecher. Sie würden nicht dauerhaft laufen, sondern sich nur beim Unterschreiten einer bestimmten Temperatur immer wieder einschalten.

Als Lösung schlug die Bahn den Anwohnern vor, mit einer interkommunalen Lärmschutzinitiative zusammenzuarbeiten oder sich selbst zu Lärmschutzmeldern schulen zu lassen. Die Bewohner sind skeptisch: Sie wünschen sich vor allem eine schnelle und unkomplizierte Lösung.

Claudia Schuri

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