Albtraum in der Notaufnahme

Großhadern: Münchnerin wartete sechs Stunden auf Behandlung – vergeblich

Großhadern Der Albtraum eines jeden Patienten: Einen ganzen Nachmittag lang saß Susanne K. (34) mit einer Thrombose, verursacht durch einen schmerzhaften Abszess, in der Notaufnahme des Münchner Klinikums Großhadern – ohne behandelt zu werden! Nach sechs qualvollen Stunden gab die Münchner Buchhalterin auf und ließ sich von ihrem Freund wieder unverrichteter Dinge heimfahren. “ Eine Schweinerei, dass mit Patienten so umgegangen wird”, schimpft Stefan R. Erst am nächsten Tag wurde seiner Freundin geholfen – in einer anderen Klinik. Der größte Schmerz ist jetzt weg – das Unverständnis und die Wut aber nicht: “Es kann doch nicht sein, dass man in eine Notaufnahme eines großen und namhaften Klinikums geht, und nicht behandelt wird”, ärgert sich der 39-jährige Internnet-Fachmann. Im konkreten Fall fuhr Stefan R. am Sonntagmittag mit seiner Lebensgefährtin Susanne ins Klinikum Großhadern, weil die Frau an einer Thrombose – einem schmerzhaften, allerdings nicht lebensbedrohlichen Knoten – litt. “Ich fahre doch nicht in eine Notaufnahme, wenn es nicht wirklich dringend ist”, sagt der 39-Jährige als Begründung. Nach der Aufnahme der persönlichen Daten und der Meldung in der Notaufnahme folgte: nichts. “Wir saßen mit sieben bis zehn anderen Patienten – einer hatte ein gebrochenes Handgelenk, der andere litt wohl an den Folgen einer Schlägerei – im Wartebereich”, schildert Susanne K. den Vorfall. “Die Schwestern waren sehr freundlich und haben sich sehr nett und liebevoll um uns gekümmert, aber erst gegen 15 Uhr wurde ich von einem Assistenzarzt untersucht”, berichtet die 34-Jährige. Aber der Mediziner wollte sich sicherheitshalber mit dem diensthabenden Chirurgen absprechen – der kam zehn Minuten später. Aber auch er konnte noch keine Behandlung veranlassen, weil er immer wieder am Telefon zu anderen Patienten gerufen wurde. “Ich bin dann mit einer Schmerzsalbe Marke Voltaren 100 wieder ins Wartezimmer zurück gegangen”, berichtet die Patientin, die mittlerweile weder sitzen noch liegen konnte. Von den Schwestern hieß es in den kommenden Minuten und Stunden für die immer zahlreicher in der Notaufnahme wartenden Patienten: Mit einem Lächeln verkünden, das es noch dauern kann, bis ein Arzt kommt. “Alle haben nur noch gelacht, wenn sie das verkündeten”, sagt Stefan R. “Die Schwestern und Pfleger können ja nichts dafür. Der große Hammer kam aber gegen 18 Uhr, rund sechs Stunden, nachdem Stefan R. und Susanne K. in die Notaufnahme gekommen waren. “Plötzlich sagte eine Schwester, dass alle Ärzte derzeit nicht abkömmlich seien”, so der Münchner. “Und um 18 Uhr sei Übergabe an den Nachtdienst, so dass es sicher noch über eine Stunde dauern könne.” Zu viel für seine Lebensgefährtin: “Mit zahlreichen anderen Patienten haben wir dann das Klinikum Großhadern verlassen.” Die große Erleichterung am nächsten Tag: “Wir sind in eine andere Klinik gefahren, in der wir ohne Termin sofort aufgenommen und behandelt worden sind”, sagt der 39-Jährige. “Nach nur wenigen Minuten lag Susanne auf dem OP-Tisch, am Nachmittag konnte sie das Krankenhaus wieder verlassen.” Jochen Schröder Und das sagt das Klinikum Großhadern dazu: Das Patientenaufkommen an diesem Wochenende (28./29. Juni 2008) war aufgrund des schönen Wetters und der damit verbundenen vielfältigen Freizeitaktivitäten der Menschen ausgesprochen hoch. Am Sonntag wurde eine große Anzahl an Patienten von der Notaufnahme der Chirurgie in Großhadern betreut; darunter waren neue Patienten und jene, die bereits in Großhadern stationär aufgenommen worden waren und chirurgisch als Notfall behandelt werden mussten. Darunter waren auch 4 schwerwiegende Fälle, die vorrangig zu behandeln waren. Insbesondere eine komplizierte beidseitige Lungentransplantation am Sonntag, 29. Juni, dauerte 12 Stunden und erforderte die Anwesenheit mehrerer Ärzte – hierzu wurde auch schon die Bereitschaft einbestellt. Bereits zuvor musste ein Intensivpatient als Notfall in den OP. Am Nachmittag wurden dann noch ein verunfallter Fahrradfahrer nach Reanimation mit Polytrauma eingeliefert und ca. 2 Stunden lang akut versorgt sowie eine Patientin mit Hirnblutung. Beide Personen mussten vordringlich behandelt werden. Dennoch konnte die Patientin während ihres Aufenthaltes leitliniengerecht versorgt werden. Die bei ihr vorliegende Erkrankung hat keine akuten bedrohlichen Komplikationen zur Folge und kann auch zu einem späteren, geplanten Zeitpunkt operativ behandelt werden. Generell sind 4 Chirurgen vor Ort und ein Arzt in Rufbereitschaft verfügbar. Zugleich betreuen diese Ärzte noch Patienten auf Station. Sofern schwerwiegende akute Fälle, wie an diesem Tag, gehäuft auftreten, ist der Großteil des medizinischen Personals für längere Zeit gebunden. Für Patienten mit gesundheitlich nicht bedrohlichen Erkrankungen bedeutet dies mitunter eine unerfreulich lange Wartezeit, weil potenziell oder tatsächlich lebensbedrohliche Fälle verständlicherweise vorrangig behandelt werden müssen. Dennoch bedauern wir die Unannehmlichkeiten und hoffen auf das Verständnis der betroffenen Patienten.

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