Asylantragsdes 33-Jährigen wurde abgelehnt

Ist Pouyas letzter Ton verklungen?

Bei der Aufführung der Oper Zaide spielte Pouya (vorne knieend) eine Hauptrolle.

Ein afghanischer Sänger kämpft gemeinsam mit Münchner Künstlern gegen die Abschiebung

Auf der Opernbühne hat er vor ein paar Tagen von einer Abschiebung gesungen. Davon, wie es ist, ein sicheres Land verlassen zu müssen – obwohl man doch genau weiß, dass man eigentlich gar nicht zurück in die Heimat kann.

Gut ging es den Künstler Ahmad Shakib Pouya dabei wahrlich nicht. Denn in wenigen Tagen muss er wahrscheinlich selbst in den Flieger steigen – zurück in seine Heimat Afghanistan. Der Auftritt bei der Friedensoper „Zaide“ in der Schwanthalerhöhe war vermutlich sein letzter in Deutschland. Der Asylantragsdes 33-Jährigen wurde abgelehnt. Sollte sich nichts mehr ändern, reist er am Freitag freiwillig aus – um einer Zwangsabschiebung und der damit verbundenen Wiedereinreisesperre zu entgehen. Doch Pouya wird nicht alleine reisen: Albert Ginthör, Geiger am Gärtnerplatztheater, steigt mit ihm in den Flieger. Die beiden kennen sich von dem Zaide-Projekt, Ginthör hat die Oper nach München gebracht. Jetzt riskiert er sein Leben für seinen Musikerkollegen. Er hat sich ebenfalls ein Ticket nach Kabul gekauft, um ein Statement zu setzen. „Schließlich heißt es ja immer, Afghanistan sei ein sicheres Herkunftsland“, sagt er. Also müssten seine Sicherheit dort ja gewährleistet sein, meint er – mit viel Sarkasmus. Denn Ginthör weiß genau wie gefährlich es in Afghanistan ist und was Ahmad Shakib Pouya dort erwarten wird. Der 33-Jährige befürchtet dort Repressionen.

In seiner Heimat hatte er als Krankenpfleger und Zahnarzt mit internationalen Organisationen zusammengearbeitet und zog so den Unmut der Taliban auf sich. Außerdem sang er kritische Lieder. Lebensgefährliche Lieder. Vor rund sechs Jahren ist Pouya nach Deutschland gekommen. Dort hat er sich schnell eingelebt: Er spricht deutsch, hat geheiratet, arbeitet ehrenamtlich in einer Beratungsstelle für Flüchtlinge und engagiert sich als Künstler. Bei der Flüchtlings-Oper Zaide, hatte er eine der Hauptrollen. Seine Geschichte ist eine Geschichte über Integration, über Hoffnung und Enttäuschung, aber vor allem eine Geschichte über Freundschaft.

Denn nicht nur Geiger Albert Ginthör sonden auch viele weitere Menschen kämpfen für ihn – mit unendlich viel Engagement. Der Verein „Zuflucht Kultur“, der das Opernprojekt Zaide ins Leben gerufen hat, die Studenten der Ludwig-Maximilians-Universität, die daran mitwirken, die deutsche Orchestervereinigung, Pouyas Heimatstadt Augsburg, Flüchtlingsorganisationen und viele weitere Menschen setzen sich für ihn ein. Sie haben einen Brief an Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, an Innenminister Joachim Herrmann und an hohe Geistliche geschrieben.

Zur Zeit liegt der Fall noch bei der Härtefallkommission, eine Entscheidung ist noch nicht gefallen. Eigentlich hätte Pouydas schon vor Weihnachten ausreisen müssen. Doch eine Intervention des ehemaligen Staatsministers Thomas Goppel verschaffte ihm Aufschub. Auch Claudia Roth setzt sich für den Künstler ein. Pouya gibt das Hoffnung, dass sich doch noch etwas tut.

Er hat an Deutschland nur eine Bitte: „Ich möchte Steuern zahlen und Teil dieser Gesellschaft sein“, sagt er. Nach Kabul reisen dagegen möchten weder er noch sein Begleiter Albert Ginthör. Alle hoffen, dass Ahmad Shakib Pouyas letzter Ton in Deutschland noch nicht verklungen ist.
Claudia Schuri

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