"X30-Bahnhof"

„Schluss mit dem Bus"

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Ernst Logdeser und andere Anwohner ärgern sich über die Express-Busse und die Endhaltestelle vor ihrer Haustür.

SENDLING-WESTPARK Anwohner ärgern sich über "X30-Bahnhof" direkt vor ihrer Haustür an der Sachsenkamstraße.

Ernst Logdeser ist genervt: „Seit es den Express-Bus X30 gibt, komme ich nicht mehr zur Ruhe“, sagt der 63-Jährige. Der Bus hat seine Endhaltestelle an der Sachsenkamstraße – dort, wo auch Logdeser wohnt. „Alle paar Minuten rauscht einer der Busse in der schmalen Straße an uns vorbei.“

Seit Mitte Dezember 2013 ist der X30 im Einsatz – die einzige Expressbus-Linie Münchens. Sein Ziel: eine schnelle Querverbindung zwischen Sendling, Giesing und Haidhausen zu ermöglichen. Schließlich führt sein Weg nicht über die Innenstadt, wie man es von S- und U-Bahn kennt.

Derzeit befindet sich der Bus in einer mindestens zweijährigen Testphase, erklärt Matthias Korte, Pressesprecher der MVG. Danach werde entschieden, wie es mit ihm weitergeht. Geht es nach Logdeser und anderen Anwohnern, soll der Bus weg. Lieber früher als später. „Auf jeden Fall ist die derzeitige Lösung mit dem Lärm und Schmutz nicht tragbar.“

Was genau den 63-Jährigen so stört: „Die Busse machen einen solchen Lärm, dass ich seitdem meinen Balkon nicht mehr nutzen kann. Auch in der Wohnung ist es laut, sobald ein Fenster offen ist. Außerdem versperren immer wieder stehende Busse die Ausfahrt unserer Tiefgarage.“

Ein weiteres Problem, das Logdeser sieht: „In unserer Straße gibt es keine Radwege. Um den Bussen zu entkommen, weichen viele Radler auf den Fußweg aus. Deshalb wurde ich schon öfter von Radfahrern angerempelt.“

Auch Günter Keller, Vorsitzender des Bezirksausschusses (BA) Sendling-Westpark, empfindet die aktuelle Situation nicht als „ideal“: „Der BA wird sich deshalb dafür einsetzen, dass diese Situation keine Permanentlösung ist“, so Keller. „Und ich weiß von der Münchner Verkehrsgesellschaft, dass sie bereits an einer anderen Lösung arbeitet.“

Teilweise stehen an der Sachsenkamstraße bis zu drei Fahrzeuge gleichzeitig.

Der Weg über die Passauer-, Johann-Clanze- und Sachsenkamstraße sei überhaupt erst nötig, da es an der Albert-Roßhaupter-Straße keine geeignete Wendemöglichkeit gebe, bestätigt Korte von der MVG. Der „X30“ werde gut angenommen und finde immer mehr Zuspruch. Was aber nach dem mindestens zweijährigen Praxistest passiere, sei von dessen Ergebnis abhängig. „Die genaue Linienführung ist grundsätzlich nicht in Stein gemeißelt.“

Um den Anwohnern den Bus wenigstens etwas schmackhafter zu machen, hatte die SPD-Fraktion im Bezirksausschuss den Antrag gestellt, eine zusätzliche Haltestelle an der Kreuzung Johann-Clanze-/ Sachsenkamstraße einzurichten. Somit hätten die Anwohner wenigstens einen Nutzen vom Bus.

Hierzu wird es aber laut MVG nicht kommen. Eine zusätzliche Haltestelle würde das Expressbus- Konzept konterkarieren. „Nur wenn der Expressbus schnell bleibt, ist er als Alternative zur U-Bahn für die Fahrgäste attraktiv“, so Korte. rfe

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