Abgefahren – jeder 3. Prüfling fällt durch

100 Jahre Führerschein

München Die strengsten Prüfer, die peinlichsten Missgeschicke – mit „Führerscheingeschichten“ könnte man Bücher füllen. Die spannendsten erzählt jetzt eine Ausstellung im Münchner Verkehrszentrum (Theresienhöhe 14a): „100 Jahre Führerschein“ nimmt die Besucher noch bis 7. Februar mit in die Zeit von Emaille-Straßenschildern und Zeiger-Ampeln. Als der Führerschein im Jahre 1909 für ganz Deutschland eingeführt wurde, war der Run auf den „Lappen“ groß – ebenso die Durchfallquote: Die neuen Regelungen machten den Fahrschülern das Leben schwer. Daran hat sich bis heute nichts geändert, wie die Erfahrungen von Experten zeigen: „Die Durchfallquote in der Praxisprüfung ist gestiegen“, sagt Max Häge, der 46 Jahre lang Fahrlehrer in München war (siehe Interview). Das bestätigt Günter Schmid, Niederlassungsleiter vom TÜV Süd Autoservice mit Sitz im Westend: „Die Durchfallquote liegt im Großraum München bei 30 Prozent, im Stadtgebiet vielleicht sogar noch etwas höher.“ Durch den Großstadtverkehr mit dem Prüfer auf der Rückbank – die Angstvorstellung vieler Fahrschüler. Für Hermine Schmid war es „ein Kinderspiel“, wie die 80-Jährige sagt. Sie hat vor 60 Jahren Führerschein gemacht – eine Ausnahme: „In der Fahrschule waren viele Soldaten, die nie gelernt haben, auf normalen Straßen zu fahren. Viele von denen sind durchgefallen, ich habe es gleich beim ersten Mal geschafft“, so die Rentnerin. Gekostet hat der Schein 180 DM – „mein Chef hat ihn finanziert und teilweise noch mit Naturalien bezahlt – einem Kanister Benzin oder sonst was fürs Auto, das war damals üblich“. Davon kann Sebastian Raab nur träumen – 35 Euro hat ihn allein eine Fahrstunde gekostet. Fahren darf er jetzt allerdings nur mit Begleitperson: Sebastian hat den Führerschein mit 17 gemacht, so wie mittlerweile jeder zweite Jugendliche in München. „Ich brauche ein Auto, um zum Training nach Unterhaching zu kommen“, sagt er. Etwas später ist Melanie Traube dran: Die 32-Jährige nimmt gerade Fahrstunden. „Am Anfang war es schon eine Überwindung, mit den ganzen Jungen.“ Umso überraschter war die Münchnerin, wie freundlich sie aufgenommen wurde: „Da hat keiner komisch geschaut. Ich gehe jetzt richtig gern zur Fahrstunde!“ Daniela Schmitt Interview mit Experten: Max Häge war 46 Jahre Fahrlehrer in München "30, 40 Praxisstunden – ganz normal" 46 Jahre lang war der ehemalige Fahrlehrer Max Häge mit seinen Schützlingen auf Münchens Straßen unterwegs. Im Interview erzählt der 73-Jährige unter anderem, warum Fahrschüler früher oft „auf Anhieb“ Autofahren konnten. Hallo München: Herr Häge, was hat sich im Laufe der Jahre in der Fahrausbildung verändert? Max Häge: Die Prüfung ist auf jeden Fall schwerer geworden. Heute sind 45 Minuten Pflicht, und es gibt zwei Grundfahraufgaben, wie zum Beispiel die Gefahrenbremsung, die jeder Prüfling meistern muss. Früher ist man manchmal nur zehn bis 20 Minuten gefahren. Es gab außerdem keine Theoriestunden und auch keine Sonderfahrten. Ist die Durchfallquote deshalb gestiegen? In der Praxisprüfung schon. Der Durchschnittsschüler braucht heute normalerweise rund 30, 40 Fahrstunden, damit er für die Prüfung gewappnet ist. Vor 20 Jahren hat er oft nur 15 gebraucht. Den Theorieteil bestehen mittlerweile allerdings 85 Prozent – auch dank der Computerprüfungen, in denen die Schüler jede Frage gesondert anschauen können, ohne von einem umfangreichen Fragenkatalog abgelenkt zu werden. Gibt es Unterschiede zwischen den heutigen und den damaligen Fahrschülern? Früher konnten mehr Jugendliche schon Auto fahren, bevor sie den Führerschein angefangen haben – damit meine ich die Bedienung des Wagens. Das liegt daran, dass viel mehr schwarz gefahren sind. Außerdem gab es mehr ältere Fahrschüler, die auch oft länger gebraucht haben – 80 Stunden waren keine Seltenheit.

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