Ziegelei Deck: Teilerhalt ist möglich

Das alte Maschinenhaus und einer der Trockenstadel der ehemaligen Ziegelei Deck können laut Bebauungsplan erhalten werden. Dies gab das Planungsreferat bei der Öffentlichen Erörterung in der vergangenen Woche bekannt. Nicht geklärt ist bisher allerdings, wer die Renovierungs- und Betriebskosten für die beiden Gebäude übernimmt.

Einen Teilerfolg im Kampf um die Bewahrung historischer Zeugnisse des ehemaligen Ziegellandes im Münchner Osten können der Verein Nordost-Kultur und seine Mitstreiter verbuchen (HALLO berichtete). Bei der Überplanung des Areals der ehemaligen Ziegelei Deck an der Oberföhringer Straße, auf dem rund 350 Wohnungen entstehen sollen, sind das Maschinenhaus und ein Trockenstadel berücksichtigt worden. Laut Bebauungsplanentwurf können beide Gebäude erhalten werden, wenn jemand die Kosten dafür übernimmt. Während das Maschinenhaus in die Bebauung integriert und am derzeitigen Standort belassen werden soll, ist für den Trockenstadel eine Fläche im südlichen Bereich der künftigen Grünfläche reserviert. Zu klein? Das erfuhren rund 40 Bogenhauser Bürger und Mitglieder des Bezirksausschusses 13 bei der Öffentlichen Erörterung des Bebauungsplans, die vergangene Woche in der Knappertsbuschschule stattfand. Dem Vorsitzenden des Vereins Nordost-Kultur, Roland Krack, kam die Sache dennoch spanisch vor: „ Die im Plan eingezeichnete Fläche für den Trockenstadel erscheint mir sehr klein!“ Es habe schon ein Sportverein angefragt, der eine Boulebahn dort errichten wolle. Grünplanerin Göttlinger klärte auf, man habe an die Versetzung eines Teils des Trockenstadels gedacht. Bezirksausschuss-Planungssprecher Frank Otto (SPD) meldete sich zu Wort: „ Eingezeichnet sind 30 mal 15 Meter, der Stadel misst aber 63 mal 17 Meter. Das Gebäude wirkt nur bei diesem Ausmaß!“ Theo Bauernschmidt vom Planungsreferat forderte Bürger und BA auf, der Behörde die gewünschten Abmessungen zu melden. ogenhausens Bezirksausschuss-Vorsitzende Angelika Pilz-Straßer (Grüne) lobte Stadtplaner und Investor in den höchsten Tönen. „Es ist toll vom Investor und vom Planungsreferat, dass Trockenstadel und Maschinenhaus nun im Bebauungsplan drin sind!“ Auch Roland Krack zeigte sich zufrieden. Das Kernziel habe man erreicht, nun hoffe man darauf, dass auch andere Referate aufgeschlossen seien, damit die Finanzierung zu Stande komme. 350 Wohneinheiten, eine Kindertageseinrichtung mit zwei Kindergarten-, zwei Krippen- und einer Hortgruppe sollen auf den 7,17 Hektar der ehemaligen Ziegelei Deck unterkommen. Geplant sind 26 locker im Planungsgebiet verteilte Blöcke und ein Schallschutzriegel entlang der Effnerstraße. Während dieser Riegel vier bis fünf Geschosse haben wird, soll die Höhe der Gebäude im Innenbereich und im Anschluss zur Altbebauung niedriger werden. Erschließung Weil das Baugebiet in der Senke des ehemaligen Lehm-Abbaugebiets liegt, wird der Bereich für die Neubauten und das zugehörige Grün aufgeschüttet, während die öffentlichen Grünflächen auf bisherigem Niveau angepflanzt werden. Tiefgaragen unter dem Quartier werden von der Johanneskirchner Straße erschlossen, eine alleeartige Straße mit Parkbuchen ist ebenfalls von dort anfahrbar. Fuß- und Radwege sollen das Gebiet nach allen Seiten durchgängig machen. Aufgestellt wurde der Bebauungsplan nach Vorschlägen der Architekturbüros Uetz/Prof. Schmidt. Laut Baudirektor Theo Bauernschmidt hat nach dem Aufstellungsbeschluss des Stadtrats im Juli 2006 ein Planungsworkshop eine einvernehmliche Lösung ergeben. Tatsächlich aber hatte die Jury damals mit neun gegen zwei Stimmen für den Entwurf der Architekten Ebe + Ebe gestimmt. Nach einem Investorenwechsel allerdings bekam nicht der Preisträger, sondern das zweitplatzierte Büro Uetz den Zuschlag. Sorge haben einige Nachbarn der künftigen Siedlung vor dem Mehrverkehr. „Man sollte nicht alles über die Johanneskirchner Straße abwickeln, sondern den Verkehr so teilen, dass er auch über die alte Cosimastraße fließt“, forderte ein Anwohner. Schon jetzt sei die Johanneskirchner Straße stark belastet, man müsse den Verkehr verteilen. „Das ist ein großer und wichtiger Punkt“, monierte eine Anliegerin. Die Stadtplaner erklärten, eine andere Erschließung als aus Norden sei nicht vorgesehen gewesen, Angelika Pilz-Straßer versprach, der BA werde die Bedenken aufnehmen. Die Bürger erfuhren auch, dass die Schallschutzstange an der Cosimastraße für Sozialwohnungen vorgesehen ist und 45 Baumfällungen durch 190 Neupflanzungen ausgeglichen werden. Eine Frau kritisierte, 26 Wohnblöcke seien eine „massive Angelegenheit, die nicht hier reinpasst“. Letztlich fragte eine Bürgerin nach der „spirituellen Mitte“ der neuen Siedlung – von einer solchen hatte vor einigen Monaten ein Architekt bei der Vorstellung der Planungsentwürfe für das Areal der Prinz-Eugen-Kaserne gesprochen. Die Bogenhauserin meinte, Maschinenhaus und Trockenstadel und die Verbindungswege über die Dämme des ehemaligen Lehmabbau-Gebiets seien bestens dazu geeignet, sich zur spirituellen Mitte des Quartiers zu entwickeln. Einsprüche Der Bebauungsplan mit Grünordnung Nr. 1987, ehemalige Ziegelei Deck ist noch bis 25. Januar öffentlich ausgelegt im Planungsreferat, Blumenstraße 28 b, und in der Stadtbücherei am Rosenkavalierplatz. Einsprüche und Anregungen können ebenfalls bis 25. Januar beim Planungsreferat eingereicht werden. Gabriele Mühlthaler

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