Eishockey-Star Yannic Seidenberg im Gespräch mit Hallo München

„Neue Hierarchie? Frei ist nur der DJ-Posten“

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Gemeinsames Mittagessen nach dem Training: Yannic Seidenberg und Hallo-Redaktionsleiter Marco Litzl­bauer.

Yannic Seidenberg blickt auf eine hervorragende Saison zurück: Wir haben mit dem Eishockey-Star darüber gesprochen, wie er diese Erfolge noch toppen will

Der 34-Jährige hat mit den Red Bulls den Titel-Hattrick geschafft, ist zum Verteidiger des Jahres gewählt worden und hat bei Olympia Silber geholt. Warum er trotzdem noch nicht „satt“ ist, wie groß die Chancen sind, dass sein Bruder zum EHC wechselt und welche Lücke Steve Pinizzotto tatsächlich hinterlässt, verrät der Großhaderner hier. von MARCO LITZLBAUER

Herr Seidenberg, wie froh sind Sie bei den heißen Temperaturen der letzten Wochen über Ihren Arbeitsplatz?
In voller Montur und bei dem Trainingspensum merkt man von der kühlen Eishalle nicht mehr viel. Grade jetzt am Anfang ist es brutal anstrengend, da das Eistraining nochmal eine ganz andere Belastung als das Sommertraining ist. Da freue ich mich auf eine Abkühlung mit meiner Familie im Starnberger See.

Den Sommer haben Sie traditionell bei Ihrem älteren Bruder Dennis an der Ostküste der USA verbracht.
Wir waren aber kürzer da als sonst. Die Zwillinge sollten noch die letzten Tage im Kindergarten erleben, weil sie dort ihre Schultüten gebastelt haben und sich vor dem Beginn ihrer Schulzeit von alten Freunden verabschieden wollten.

Aktuell wartet Ihr Bruder noch auf seinen neuen NHL-Vertrag. Wie stehen die Chancen, dass er vielleicht doch noch in die DEL, eventuell sogar nach München kommt?
Noch lebt die NHL-Hoffnung. Wenn sie ihn dort nicht mehr wollen, wäre es natürlich schön, wenn er zu uns kommt. Aber es gab noch keine Gespräche mit München, von daher stellt sich diese Frage nicht.

Aber Sie würden ihn mit offenen Armen empfangen? Oder würde dann die Bruder-Rivalität zu groß werden?
Im Urlaub verstehen wir uns super. Wenn wir jeden Tag zusammen wären – vielleicht würde die Rivalität wieder aufblitzen. Als Kinder haben wir uns schon oft gestritten. Bei der gemeinsamen WM wollte er mir auch Tipps geben, wie ich zu verteidigen habe. Das lasse ich mir aber vom Bruder nicht so gerne sagen (lacht).

Er hat einen DEL-Titel, einen NHL- und einen AHL-Titel, Sie drei DEL-Titel und eine Olympia-Silbermedaille. Wer gewinnt das Bruder-Duell?
Jeder Profi will natürlich die NHL gewinnen. Insgesamt hat er also vielleicht ein bisschen mehr erreicht. Aber meine Karriere war bisher auch nicht so schlecht und er wäre definitiv gerne bei der Silbermedaille dabei gewesen.

Wie der Gegner auch heißt: Wir wollen in jedem Spiel punkten.

Wie schwer fällt es Ihnen und den Red Bulls, sich nach dem Titel-Hattrick jetzt aufs Neue zu motivieren?
Gar nicht schwer. Jeder von uns will den Titel wieder holen, weil es einfach das schönste Gefühl der Welt ist (Hallo verlost EHC Jahreskarten). Außerdem haben wir frischen Wind in der Kabine mit den neuen Jungs – und Don, Matt und das restliche Trainerteam, die uns auf die schwere Aufgabe Titelverteidigung vorbereiten.

Muss sich da auch erst eine neue Hierarchie in der Kabine entwickeln? Zum Beispiel, wer den DJ spielen darf?
Das war bisher ja meist Pinner (Steve Pinizzotto, Anm. d. Red.). Aktuell läuft bei uns aber eh nur Radio, weil wir alle nach dem Training zu platt sind. Aber langfristig ist dieser Job tatsächlich neu zu vergeben.

Durch den Wechsel von Steve Pinizzotto nach Köln wäre ja quasi auch der Posten des „Aggressive Leader“ auf dem Eis neu zu besetzen. Oder braucht es gar kein Raubein?
Es ist schon wichtig, jemanden zu haben, der mal zulangt, wenn der Gegner üble Sachen auspackt. Aber ich glaube, dass wir beispielsweise mit Keith Aulie schon einen haben, der das kann (seine „Schlagfertigkeit“ brachte Aulie in der NHL einst den Spitznamen „Muhammad Aulie“ ein, Anmerkung der Redaktion).

Am 31. August startet die Champions Hockey League. Was muss sich ändern, dass dieser Wettbewerb auch so hoch angesehen wird, wie beispielsweise im Fußball?
Seit wirklich fast nur noch die Meister und Hauptrunden-Sieger dabei sind, ist es schon deutlich besser geworden. Aber der Erfolg eines deutschen Teams ist für das Fan-Interesse nicht unerheblich. Es ist mein Ziel, dass wir das Team sind, das diesen Erfolg schafft und das Interesse noch weiter steigert.

In der DEL heißt der erste Gegner Berlin – die Wiederauflage des Finales. Heißer kann eine Saison nicht starten, oder?
Wie der Gegner auch heißt: Wir wollen in jedem Spiel punkten. Für mich ist es aber besonders, weil es gegen Florian Kettemer (wechselte im Sommer von München nach Berlin, Anmerkung der Redaktion) geht: meinen Freund und bis vor kurzem ja Zimmerkollegen. Aber egal wie es ausgeht: Die Saison ist kein Sprint, wichtig ist, dass man am Ende die richtigen Entscheidungen trifft. Unser Ziel ist der Titel!

Sie wollen bis Sie 40 sind Eishockey spielen. Welcher Verein ist für Sie künftig die richtige Entscheidung?
Wenn ein NHL-Team anklopft, könnte vermutlich keiner widerstehen. Aber ich spiele beim Top-Verein der Liga, meine Familie fühlt sich in München wohl und wir bekommen womöglich eine neue Eishalle. Es wäre verdammt schön, in dieser für München aufzulaufen.

ZUR PERSON:
Yannic Seidenberg ist ein Familienmensch: „Im Sommer gibt es nichts besseres, als mit meinen drei Töchtern und meiner Frau an einen See oder in den Englischen Garten zu gehen.“ Nur beim Sport gewinnt schnell der Ehrgeiz die Überhand. Das wiederum ist quasi auch familiär bedingt. Sein Bruder Dennis ist drei Jahre älter. Erst wetteiferten sie auf dem Tennisplatz, dann mit noch größerem Erfolg auf dem Eis. Beide spielten in der Jugend in Schwenningen – übrigens zusammen mit den nicht minder bekannten Goc-Brüdern. Zum Tennisspielen kam Yannic indes schon länger nicht mehr. „Seit meiner Knieverletzung brauche ich jemanden, der gut genug ist, dass er mir zuspielt“, witzelt der 34-Jährige. Sollte er doch mal wieder zum Schläger greifen, könnte das gegen seinen Ex-Teamkollegen Dominik Kahun sein: „Ich habe seit drei Jahren eine Wette mit ihm laufen. Dominik meinte, er würde mich schlagen. Nie im Leben!“ Und schon ist er wieder da, der Ehrgeiz aus Kindheitstagen. „Aber ohne den schaffst du es als Profi auch nicht“, ist sich Seidenberg sicher. Nur vor dem Wetteinsatz graut ihn seit kurzem: „Da kann ich mir sicher nicht so viel leisten wie der neue NHL-Profi“, mutmaßt Seidenberg augenzwinkernd.

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