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Mae West nimmt langsam Gestalt an

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Ein weithin sichtbares Kunstwerk wird bis Ende des Jahres am Effnerplatz aufgestellt – die 52 Meter hohe Karbonrohr-Skulptur „Mae West“ der Künstlerin Rita McBride ist im Entstehen. Das Fundament wird schon betoniert und im Werk der Firma Carbon Großbauteile GmbH (CGB) in Wallersbach ist die Fertigung der Karbonfaserrohre für das hyperbolische Paraboloid angelaufen.

Eine bautechnische Europapremiere hat der Münchner Stadtrat mit seinem 2004 gefassten Grundsatzbeschluss für das Projekt Mae West am Effnerplatz eingeleitet. Betonbau, Holzbau und Stahlbau sind gängige Verfahren mit gültigen, vielfach erprobten Normen. Anders ist das bei Bauwerken aus dem Werkstoff Karbon – hier ist eine Einzelfallgenehmigung notwendig. Aufwändige Prüfverfahren müssen durchlaufen werden, ehe die Mae West am Effnerplatz errichtet werden kann. Erstes OK Das Okay für das untere Drittel bis zu 15 Metern Höhe ist schon erteilt, die Anforderungen für diesen Bereich sind besonders hoch. Immerhin wird künftig die Trambahn unter der Skulptur hindurch fahren und die müsste auch einer Entgleisung standhalten. „Drei Stützen könnten ausfallen und das Bauwerk wäre immer noch stabil“, sagt Geschäftsführer Franz Weißgerber von der CGB. Als Aufprallschutz und um Vandalismus keine Chance zu geben, werden die Rohre bis 15 Meter Höhe aus karbonummanteltem Stahl bestehen. Der Hersteller CGB in Wallersdorf hat das Verfahren für die vollautomatische Fertigung entwickelt. CGB ist erfahren in der Herstellung von Karbonteilen für Luft- und Raumfahrt, Schiffs- oder Autobau. Mit Bauwerken aus dem Werkstoff Karbon befassen sich die Spezialisten nun erstmals für die Mae West. Moderne Maschinen Die hochmoderne Wickelmaschine im Wallersbacher Werk zieht in schier endloser Folge Faserstrang für Faserstrang um das Stahlrohr. Bis die etwa 20 Millimeter breiten Karbonstränge das Bauteil mit einem Durchmesser von rund 275 Millimetern komplett ummanteln, sind fünf Stunden vergangen. Dann ziert das Stahlrohr ein von Rita McBride ausgewähltes Rhombenmuster in differenzierenden Schwarz-Grau-Tönen. Viel länger dürfte der Vorgang laut Franz Weißgerber auch nicht dauern, weil sonst das Epoxidharz, mit dem die Karbonstränge getränkt sind, austrocknen würde. Nun fährt ein riesiger „Backofen“ von der Decke auf das Bauteil herab und beschleunigt den Aushärtungsvorgang mittels Wärme aus der firmeneigenen Biogasanlage. Anders als die Streben im Fundamentbereich sind die oberen Stangen aus reinem Karbon. CGB hat ein eigenes Verfahren entwickelt, um diese 40 Meter langen Rohre ohne festen Kern fertigen zu können. Zwei horizontale Stützringe der Skulptur werden aus karbonummanteltem Stahl bestehen. Auch hier hat CGB spezielle Steckverbindungen kreiert, mit welchen Ringe und Rohre verbunden werden. Gewichtsvorteil Ein 40 Meter langes Karbonrohr, wie es für die Mae West verwendet wird, wiegt rund 550 Kilo. Ein vergleichbares Stahlrohr wäre 3,5 Tonnen und damit mehr als sechsmal so schwer. Bei der 52 Meter hohen Skulptur Mae West, mit einem Fußdurchmesser von 32 und einem Spitzendurchmesser von 19,5 Metern, erleichtert der Werkstoff Karbon nicht nur die Montage, er ist auch wegen der Platzierung über dem Ringtunnel die richtige Wahl. Würde das Kunstwerk aus Stahl erstellt, könnten die oberen zwei Drittel nicht über Nacht von einem Kran an ihren Platz gehievt werden. Laut Johann Wittmann vom städtischen Baureferat, der für das Projekt verantwortlich zeichnet, hätte bei einer Stahlkonstruktion die Tunneldecke wohl extra verstärkt werden müssen, für die Montage wären mehrtägige Straßensperren notwendig geworden. Die Karbon-Mae-West wird hingegen am endgültigen Standort bis zur Höhe von 15 Metern hergestellt, der obere Teil der Skulptur bis zu 52 Metern Höhe erfolgt stehend in einem Hilfsgerüst, auf einer Grünfläche zwischen den Fahrspuren der Effnerstraße. Nach Fertigstellung der Vormontage wird die gesamte Konstruktion von einem Kran auf den fertig montierten unteren Teil gehoben und damit verbunden. Das Fundament des Bauwerks, ein 50 Zentimeter dicker, 2,50 Meter breiter Ring aus Stahlbeton mit einem Außendurchmesser von 33 Metern, wird derzeit hergestellt. Arbeitsgemeinschaft errichtet Mae West An der im Volksmund „Strickliesl“ genannte Skulptur Mae West schieden sich in Bogenhausen die Geister. Während die einen heftig gegen die Konstruktion protestierten, freuen sich die anderen auf das imposante, filigrane Kunstwerk neben den prägenden Hochhäusern des verkehrsumtosten Effnerplatzes. Auch im Stadtrat gab es heftige Diskussionen, selbst Münchens, als kunstverständig angesehener Oberbürgermeister Christian Ude, konnte sich nicht mit der Mae West anfreunden. Einstimmiges Ja Letztlich folgte der Stadtrat aber der Empfehlung der Kunstkommission, die einstimmig für den Entwurf der amerikanischen Künstlerin Rita McBride votierte. Am Ensemble Effnerplatz werde die Mae West eine deutlich sichtbare „Landmarke“ werden, so die Experten. Zur Realisierung des Kunstbauwerks wurde die „Arbeitsgemeinschaft Kunstwerk Mae West am Effnerplatz in München“ gegründet und von der Stadt mit Planung und Bau beauftragt. Die AG besteht aus den Gesellschaftern Rita McBride und der CGB Carbon Großbauteile GmbH, Wallersdorf. Gabriele Mühlthaler

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