„Wenn’s um Kultur geht, sind wir natürlich dabei“

Johanna Bittenbinder, Heinz-Josef Braun und das „Art Ensemle of Passau“ interpretierten den Bestsellerroman „Tannöd“ in einem Live-Hörspiel. Foto: Karl Hirt

„Das ist wohl die kleinste Bühne, auf der die beiden Schauspieler je aufgetreten sind“, kündigte Viola Miltner, künstlerische Leiterin des Kunstforums Arabellapark, fast schon entschuldigend Johanna Bittenbinder und Heinz-Josef Braun an, die an diesem Abend zusammen mit dem „Art Ensemle of Passau“ den Bestsellerroman Tannöd aufführten. „Klein, aber fein“, befand HALLO-Volontärin Galina Gostrer und nutzte die Gelegenheit, um mit der Künstlerischen Leiterin über das neue Programm zu sprechen.

HALLO: Frau Miltner, das neue Programm ist da – vom Schultheater bis zu namhaften Schauspielern ist alles dabei. Worauf freuen Sie sich besonders? Viola Miltner: Schön wird mal wieder das brasilianische Konzert in Kooperation mit der Deutsch-Hispanischen Gesellschaft mit den Musikern Marcio Schuster und Paulo Vinicius, die beide in München leben (24. Februar). Die Verbindung aus den Instrumenten Saxophon und Gitarre ist einzigartig! Sie spielen auch klassische Stücke, keine reine Unterhaltungsmusik, bei denen der brasilianische Rhythmus immer mitschwingt. Trocken wird es also mit Sicherheit nicht! Und dann freue ich mich natürlich auf Don Quijote mit dem Schauspieler Sebastian Hopfmüller (16. März). Hier werden Musik und Literatur ineinander fließen, die Lesung wird nämlich von Cellistin Gisela Auspurg und Pianist Bastian Pusch begleitet. HALLO: Wie gelingt es Ihnen, immer wieder so ein tolles Programm auf die Beine zu stellen? Viola Miltner: Ich achte darauf, dass das Programm eine gelungene Mischung aus Kunst, Konzert, Kabarett und Literatur ist. Ich bekomme sehr viele Angebote von Künstlern, die bei uns ausstellen oder auftreten wollen. Aber natürlich will ich mir das Programm nicht vom Angebot diktieren lassen. Ich arbeite immer wieder mit Agenturen zusammen und auch Kooperationen sind für uns sehr wichtig. Die Kooperation mit der Volkshochschule gibt es bereits seit 27 Jahren. Die vhs bestückt auch Teile des Programms. Jedes Herbst-/Wintersemester gibt sie einen Themenschwerpunkt vor, diesmal ist es „Alter ist Zukunft“. Im Februar läuft zu diesem Thema der Film „Please Give“ (17. Februar). Und bei den Bogenhauser Kulturtagen arbeiten wir zusammen, denn wenn’s um Kultur geht, sind wir dabei. Auch mit der Deutsch-Hispanischen Gesellschaft pflegen wir eine sehr gute Zusammenarbeit. Meinem Vorgänger war es besonders wichtig, ausländischen Künstlern und Musikern, die in München leben, eine Plattform zu bieten. Das ist eine enorme Bereicherung, es belebt die Kultur unglaublich. Wir schnüren dann ein ganzes Paket für unsere Besucher:Vor kurzem hat hier eine brasilianische Künstlerin ausgestellt. Also haben wir auch ein Konzert mit brasilianischer Musik und eine Filmvorführung organisiert. Wir hatten auch mal einen chinesischen Künstler zu Gast, der damals in den Domagkateliers gewohnt und gearbeitet hat, und dazu einen chinesischen Musiker aus Berlin eingeladen und einen Dichter, der Haiku-Lyrik vorgetragen hat. HALLO: Welchen Stellenwert nimmt die Literatur im Programm ein, immerhin befinden sich die Veranstaltungsräume in einer Bibliothek? Viola Miltner: Bei Autorenlesungen gestaltet es sich schwieriger, die Besucher anzulocken, in München haben wir ja schon das Literaturhaus als die größte Insitution. Deswegen bin ich dazu übergegangen, die Lesungen von bekannten Schauspielern halten zu lassen, denn nicht jeder Autor kann gut lesen. Wir hatten hier schon viele große Namen: Sybille Cannonika hat aus St. Exupéry gelesen, Francis Fulton-Smith hat Frankenstein zum Besten gegeben und Alexander Netschajew hat das Thema „Münchner Literaten um 1900“ beleuchtet. Auch das Kino ist bei uns oft literaturlastig: Sowohl „Das Labyrinth der Wörter“ als auch „Die Einsamkeit der Primzahlen“ sind Verfilmungen von Bestsellern. Und das kommt bei unserem Publikum gut an. Auch das regelmäßig stattfindende Bilderbuchkino für Vorschulkinder macht eine Schauspielerin. Da kommen jedes Mal bis zu 100 Kinder. HALLO: Lesen ist also nicht out? Viola Miltner: Lesen ist nach wie vor die wichtigste Grundkompetenz. Und Lesen macht auch Kindern Spaß, man muss nur das Richtige für jede Zielgruppe finden. HALLO: Wie würden Sie den Stadtteil Bogenhausen, und somit Ihr Publikum, beschreiben? Viola Miltner: Bogenhausen ist ein sehr moderner Stadtteil. Hier leben wohl eher nicht die alteingesessenen Bürger, sondern die Zugezogenen. Es geht sehr international zu. In den Neubaugebieten wohnen viele Familien, wogegen in Alt-Bogenhausen eher älteres Publikum lebt. Wir wollen mit unserem Programm natürlich alle ansprechen. In Giesing fand kürzlich ein volkstümlich bayerischer Dichter-Abend statt und freute sich über großen Anklang. Ich weiß nicht, ob das hier auch so klappen würde. Aber ich werde es wohl bald ausprobieren. HALLO: Was wäre denn Ihre Traumveranstaltung? Viola Miltner: Ich finde es spannend, etwas auf den Weg zu bringen. Natürlich will ich große Namen vorstellen, aber es sollte eine Mischung sein. Ich würde mir wünschen, dass die Leute kommen, ohne den Künstler zu kennen und stattdessen auf unseren Geschmack vertrauen. Nach dem Motto: „Das Kunstforum bietet nur gute Sachen an.“

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