„Vorbild für Regelschulen“

Über die Arbeit des Förderzentrums und verschiedene Modelle der Integration und Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung informierte sich der Landtagsabgeordnete und SPD-Bildungssprecher Hans-Ulrich Pfaffmann bei einem Besuch des konduktiven Phoenix Förderzentrums der Stiftung Pfennigparade in Oberföhring.

Das Förderzentrum beherbergt neben Therapieeinrichtungen eine Grund- und Hauptschule mit angeschlossenen Internatsplätzen und einen Kindergarten, in dem behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam betreut werden. In einem Gespräch erörterte Hans-Ulrich Pfaffmann zusammen mit Gernot Steinmann, Vorstand der Pfennigparade, Beate Höß-Zenker, Geschäftsführerin des Förderzentrums, und Martin Tiefenmoser, Leiter der Schule, die künftige Rolle von Förderzentren in einem inklusiven Bildungssystem. Gelebte Inklusion Gernot Steinmann von der Pfennigparade betonte, dass in den Förderschulen der Pfennigparade Inklusion schon seit langem gelebt werde, wenn auch umgekehrt, indem die Schulen seit den 80er Jahren auch für nicht behinderte Kinder und Jugendliche offenstehen. So besuchen die Realschule und die Fachoberschule der Stiftung etwa zur Hälfte behinderte und nichtbehinderte Schüler. Allerdings würden die gesunden Kinder von der bayerischen Staatsregierung bei der Lehrerstundenzuweisung nicht im gleichen Umfang berücksichtigt, sondern nur als „Auffüller“ behandelt, bedauerte Steinmann. Tatsächlich könnten die existierenden Förderschulen bzw. -zentren in vielerlei Hinsicht als Vorbild für Regelschulen dienen, die sich künftig kraft Gesetz für behinderte Kinder öffnen müssten, betonte Pfaffmann. Und sie würden auch weiterhin als Lernorte und Kompetenzzentren bei der Umsetzung der UN-Konvention dringend gebraucht. Allerdings müssten alle Schulen „Förderschulen“ werden, in dem Sinne, dass jedes Kind, ob behindert oder nicht behindert, ob hochbegabt oder leistungsschwach, individuell gefördert wird, sagte Pfaffmann. Und die Förderschulen würden nicht etwa aufgelöst, sondern zu Regelschulen, ohne dass verschiedene Schulnamen weiter eine Trennung oder gar Absonderung nahelegten. Einig waren sich die Gesprächspartner, dass es bis dahin noch ein weiter Weg sei, und dass Einzelintegrationsplätze für Kinder mit Behinderung oder lockere Kooperationen zwischen Regel- und Förderschule „Flickwerk“ seien. Doch selbst eine Kooperation lehnten die Regelschulen bisher meist ab, berichtete der Schulleiter der Phoenix-Schule Tiefenmoser enttäuscht. Drei Jahre lang habe sich das Phoenix Förderzentrum in Oberföhring um eine Zusammenarbeit mit einer staatlichen Regelschule im Stadtviertel bemüht. Vergeblich. Jedoch eine private Schule war sofort zur Kooperation bereit – die Phorms-Schule. Seitdem betreibt das Förderzentrum eine „Außenklasse“ an der bilingualen Phorms-Schule in Bogenhausen, in der zwölf Kinder mit Körperbehinderung sind. Diese Klasse hat eine Partnerklasse mit 23 nichtbehinderten Kindern und mehrere gemeinsame Unterrichtsstunden pro Woche.

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