Ein Viertel kämpft für sein Kircherl

St. Anna wird für 1,2 Millionen restauriert: Wie die Harlachinger das Geld für ihr Wahrzeichen aufbringen

Harlaching Sie ist die älteste Kirche Harlachings, liegt idyllisch oberhalb des Tierparks, namhafte Künstler wie Ignaz Günther und Johann Baptist Zimmermann haben sie gestaltet, und fast jeden Samstag findet dort ein Trau- oder Taufgottesdienst statt. Viele Gründe, warum die Harlachinger ihr St. Anna-Kircherl so lieben. „Es ist der kleinste gemeinsame Nenner, der uns alle – unabhängig der Konfession – verbindet“, erklärt Andreas Gelbach, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats Heilige Familie, zu der das St. Anna-Kircherl gehört. Umso schlimmer, dass das Juwel gerade eine Bauruine ist. 1,2 Millionen Euro sind nötig, um die Kirche vor dem Verfall durch die Feuchtigkeit zu retten. Davon übernimmt die Diözese München-Freising 850 000 Euro, doch den Rest muss die 5600-Seelen-Pfarrei selbst aufbringen. Viel Geld, doch weit über 100 000 Euro sind schon gesammelt. Großen Anteil daran hat der Historiker Hermann Josef Sedlmayr, der die Spendenaktion anstieß: „Zu meinem 70. habe ich mir keine Geschenke gewünscht, sondern einen Zuschuss fürs St. Anna-Kircherl“, erklärt der Historiker. „Das gab eine Initialzündung – seitdem ist es bei uns üblich, dass man an einem runden Geburtstag für unser Kircherl sammelt.“ Hinzu kommen Erlöse aus Benefizkonzerten, Vorträgen und Flohmärkten. Auch prominente Harlachinger wie Kultusminister a.D. Professor Hans Maier und BR-Moderatorin Ursula Heller engagieren sich. „Im Frühjahr werden wir noch Einiges auf die Beine stellen“, erklärt Pater Joseph Pandiappallil, „es ist schön zu sehen, wie sehr die Menschen hinter der Sache stehen.“ Jeden Sonntag waren die Gottesdienste randvoll: „Leute kamen aus ganz München, eine Messe in so einer Rokoko-Kirche hat eben einen anderen Gemütswert“, so Sedlmayr. Doch bis 2011 müssen die Gläubigen auf die Messen verzichten. Nachdem 2009 das Äußere saniert und eine Pellet-Heizung in den Keller gebaut wurde, kommt 2010 die Inneninstandsetzung an die Reihe: Dafür wurde die Kirche vollständig ausgeräumt, Kanzel, Altäre und Orgel mit Plastikfolie eingepackt. Jetzt folgt die Restaurierung der Innenwände und der hölzernen Bankpodeste erneuert. „Außerdem wird eine Wandheizung mit Trocknungseffekt eingebaut, die die Feuchtigkeit bekämpfen soll“, erklärt Adelheid Utters-Adam von der Pressestelle der Diözese. Die Beleuchtung werde auf den neuesten Stand gebracht, und die Decke neu gestrichen. Die kunsthistorischen Restaurierungen begleiten das Kunstreferat der Diözese und das Landesamt für Denkmalpflege, das einen Zuschuss in Aussicht gestellt hat. 2011 sollen noch der Natursteinboden und die Kirchenbänke restauratorisch behandelt werden, die Kirche aber wieder benutzbar sein. Die Sedlmayrs hoffen darauf – denn ihre Goldene Hochzeit im März 2011 wollen sie nur dort feiern. Maren Kowitz

Auch interessant:

Meistgelesen

Brauerei statt Tankstelle –Oberbürgermeister Reiter dafür
Brauerei statt Tankstelle –Oberbürgermeister Reiter dafür
Tegernseer Landstraße: Tödlicher Unfall durch LKW 
Tegernseer Landstraße: Tödlicher Unfall durch LKW 
„Früher war ich ihr Mann, nun ihre Frau“ – eine hollywoodreife Liebesgeschichte zum Valentinstag
„Früher war ich ihr Mann, nun ihre Frau“ – eine hollywoodreife Liebesgeschichte zum Valentinstag
Bürgerinitiative „Bahntunnel Jetzt“ – Podiumsdiskussion nun verschoben
Bürgerinitiative „Bahntunnel Jetzt“ – Podiumsdiskussion nun verschoben

Kommentare