Der Verkehr wird deutlich zunehmen

Von den Bürgern bevorzugt: Planfall D mit Vollsperrung der Wesendonk-, Lohengrinstraße und Wahnfriedallee westlich der Cosimastraße. Grafik: LHM

1800 neue Wohnungen, die auf dem Areal der ehemaligen Prinz-Eugen-Kaserne geplant sind, bringen Verkehr ins Viertel. Wie diese Belastung für die bestehenden Wohnbereiche gemildert und dennoch eine funktionierende Erschließung aller Quartiere gewährleistet werden kann, darüber sind die städtischen Verkehrsplaner und die „Bürgerinitiative Verkehrskonzept Prinz-Eugen-Park“ geteilter Meinung.

Dass 1800 neue Wohnungen mehr Verkehr mit sich bringen, ist jedem klar. Wie aber kann diese Zusatzbelastung bewältigt werden, ohne die bestehenden Wohnstraßen über Gebühr zu belasten und dennoch alle Quartiere gut ans Verkehrsnetz anzubinden? Die Stadt hat dazu ein Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnisse kürzlich vorgestellt wurden. Prognosen der Transfer GmbH stellen den Verkehr im Jahr 2025 mit und ohne Neubebauung des Prinz-Eugen-Parks gegenüber, von dessen 4500 Bewohnern nach Berechnung der Gutachter 5100 Kraftfahrzeugfahrten in 24 Stunden erzeugt werden. Dazu kommt der Ziel- und Quellverkehr durch die künftigen Einzelhandels- und Dienstleistungsbetriebe. Wie diese Verkehrsströme bewältigt werden können, haben die Verkehrsgutachter in mehreren Planfällen hochgerechnet. Während die Bürgerinitiative für Planfall D plädiert, der weitgehend ihren Vorstellungen nach Vollsperrung von Wesendonk-, Lohengrinstraße und Wahnfriedallee westlich der Cosimastraße entgegenkommt, erachtet die Stadt Planfall E mit Ausweisung der Lohengrinstraße und Wahnfriedallee als Einbahnen Richtung West für die sinnvollste Lösung. Einbahnstraßen Hier sollen Lohnegrinstraße und Wahnfriedallee als Einbahnstraßen ausgewiesen werden, die von der Effnerstraße Richtung Cosimastraße befahren werden dürfen. Durch diese Maßnahme, welche der für die Kasernengelände-Entwicklung zuständige Experte des Planungsreferats, Michael Hardi, favorisiert, würde der Durchgangsverkehr im gesamten Bereich des Quartiers Lohengrinstraße zwar reduziert, die Erreichbarkeit dieses Viertels aber erhalten. Allerdings wird dabei in Kauf genommen, dass für Wesendonkstraße und Wahnfriedallee, sowie Ortrud- und Telramundstraße eine „sehr große Verkehrszunahme“ zu verzeichnen ist. Auf der Wesendonkstraße würde sich laut Gutachten die Autoanzahl pro Tag von 700 auf 1500 erhöhen, auf der Wahnfriedallee von 1700 auf 3700. Für Michael Hardi kein Grund zur Klage, denn „4000 Kraftfahrzeuge pro Tag sind in einer Münchner Wohnstraße absolut üblich“. Profitieren würde hier vor allem die Lohnengrinstraße, zudem wäre diese Maßnahme ohne bauliche Änderungen umsetzbar. Eine Durchfahrt von der Cosima- auf die Effnerstraße würde nach Vollsperrung von Wesendonk-, Lohengrinstraße und Wahnfriedallee westlich der Cosimastraße unterbunden, Schleichverkehr hätte keine Chance mehr. Allerdings würde auch die Zufahrt zum Quartier Lohengrinstraße erschwert. „Hier ist die Erreichbarkeit des Wohnquartiers Lohengrinstraße kritisch zu hinterfragen“, resümieren die Verkehrsgutachter. Michael Hardi sieht große Probleme, weil bauliche Maßnahmen notwendig wären und der unverzichtbare Wendehammer an den gesperrten Straßen wegen fehlenden öffentlichen Areals nicht zu verwirklichen sei. Einbahnregelung contra Sperrung Während die Einbahnregelung, welche die Stadt favorisiert, den Bestandswohngebieten mehr Verkehr beschert, würde die Vollsperrung nach Bürgerinitiativen-Wunsch Schleichverkehr komplett heraushalten. Allerdings könnten die Anwohner ihr Quartier teils nur mit großen Umwegen in der gewünschten Richtung verlassen oder anfahren, während das beim städtischen Planfavoriten problemlos möglich ist. Billiger und schneller wäre dieser umsetzbar, denn es müssten nur ein paar Schilder montiert werden. Der Bügervorschlag hingegen kann nur durch aufwändige Baumaßnahmen realisiert werden. Ein Grundsatzgedanke der städtischen Verkehrsplanung allerdings wird mit der Sperrungsidee fast perfekt erfüllt: Die Bündelung der Verkehre auf den Hauptverkehrsachsen. Diese Vorgabe erfüllt die städtisch bevorzugte Variante gar nicht, die Verkehrsgutachter attestieren hier: „Leitgedanke teils verletzt!“ Gabriele Mühlthaler

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