Trienter Initialzündung zur Wiesn

Andreas Michael von Dall'Armi um 1790 auf einem Bildnis des Künstlers Friedrich John. Foto: Münchner Stadtmuseum

Nicht oft wird er erwähnt im Zusammenhang mit dem Münchner Oktoberfest, und doch würde man ohne Andreas Michael von Dall’Armi heuer nicht das 200. Wiesn-Jubiläum feiern können. Denn die Idee des Pferderennens zur Kronprinzenhochzeit trug Dall’Armi dem Königshaus vor, auch die Finanzierung des Fests übernahm der Münchner Kaufmann und Bankier. Der Daglfinger Carlheinz von Dall’Armi, Urururenkel des Oktoberfest-Initiators, wünscht sich, dass die Verdienste seines Vorfahren nicht ganz vergessen und im Rahmen der 200-jährigen Wiesn ins Gedächtnis gerufen werden.

Kommen alljährlich so viele Italiener zum „Festa della birra“ nach München, weil der Vater des Oktoberfests ein gebürtiger Italiener war? Andreas Michael Dall’Armi, über den in der Deutschen Biografie der Bayerischen Staatsbibliothek zu lesen ist, „Das Oktoberfest mit den früher üblichen Pferderennen verdankt vor allem Dall’Armi seine Entstehung“, wurde im November 1765 als Spross einer Kaufmannsfamilie in Trient geboren. 1784 kam er nach München, heiratete 1786 in das Bankhaus Nocker ein und baute ein Banken- und Handelsimperium auf. Dall’Armi gehört zu den bedeutendsten Vertretern des Münchner Bürgerstandes um 1800. Öffentliche Ämter 1787 erhielt er in München das Bürgerrecht für die durch Heirat erworbene Handelsgerechtigkeit des Franz Xaver Nocker, wurde Mitglied des äußeren Rates und Assessor am Wechsel- und Merkantilgericht, 1792 Ortsvorsteher des Münchner Handelsstandes. Dall’Armi war auch Initiator der 1795 bis 1800 in München bestehenden Getreidemagazingesellschaft, die 1796 durch Großverkäufe auf der Schranne die Bürger des von Truppen umschlossenen München vor der Hungersnot rettete. Dall’Armi wurde Administrator der 1800 gegründeten Salzhandelsgesellschaft, die vom Kurfürsten den gesamten bayerischen Salzhandel übernehmen sollte. Blühendes Handelsgeschäft Neben all diesen Aktivitäten besaß Andreas Michael Dall’Armi ein blühendes Handelsgeschäft mit Tabak, Kaffee, Zucker und anderen Gütern, in den Jahren 1811 bis 1821 war er Generalkontrolleur der königlichen Schuldentilgungskommission. Andreas Michael Dall’Armi war einer der größten Wohltäter Münchens. Er gründete die Feiertagsschule, die Rumfordanstalt, das Armeninstitut, die Spinnstuben für arbeitslose junge Frauen. Für die städtischen Krankenhäuser organisierte er Baugrund und übernahm die Inneneinrichtung. Kurfürst Carl Theodor erhob Andreas Michael Dall’Armi 1792 in den Adelsstand als Edler von Dall’Armi, Ritter des heiligen römischen Reichs deutscher Nation. Das Oktoberfest Als Major der Nationalgarde konnte Dall’Armi erneut sein Organisationstalent beweisen. Sein Unteroffizier Baumgartner schlug vor, zur Hochzeit von Kronprinz Ludwig mit Prinzessin Therese im Jahr 1810 ein Pferderennen zu veranstalten. Dall’Armi unterbreitet die Idee dem Königshaus und erhielt die Erlaubnis, das Rennen zu organisieren. Für die Honoratioren wurde ein Pavillon ausgeliehen, für das Königshaus das Türkenzelt aus Augsburg geholt. Dall’Armi finanzierte das gesamte Fest und gab dem Festplatz, dessen Großteil ihm gehörte, den bis heute gültigen Namen „Theresienwiese“. Fast ganz München ist da Rund 40.000 Leute kamen (München hatte damals übrigens gerade einmal 40.638 Einwohner), König Maximilian und der Organisator waren so begeistert, dass Dall’Armi die Genehmigung bekam, das Fest alljährlich zu wiederholen, wofür er eine größere Stiftung gründete. Schon ein Jahr nach der Hochzeit erweiterte Dall’Armi das Fest durch eine Viehausstellung – die Vorläuferin des heutigen Zentrallandwirtschaftsfests – sowie um einen Glückshafen und mehrere Stände. Bürgermedaille Im Jahre 1819 übergab der „Vater des Oktoberfests“ dessen Organisation und den Grund auf der Theresienwiese an die Stadtgemeinde. Als erster Bürger Münchens erhielt Andreas Michael von Dall’Armi im Jahr 1824 die neu geschaffene Goldene Bürgermedaille. Wenn auch vieles vom Wirken des verdienstvollen Münchners inzwischen wohl nur noch Geschichtsinteressierten bekannt ist – ein Denkmal hat sich Andreas Michael von Dall’Armi gesetzt, ohne dessen künftige Bedeutung auch nur zu erahnen: Das Münchner Oktoberfest, das über Grenzen und Kontinente hinweg bekannt ist und alljährlich Menschen aus aller Welt auf die Theresienwiese lockt! Wenn der 1842 verstorbene Andreas Michael von Dall’Armi von Wolke sieben aus sehen könnte, was aus dem Fest der Kronprinzenhochzeit im Laufe der Jahrhundert geworden ist, würde er sich sicher wundern. Er würde wohl darüber schmunzeln, wie die Münchner Stadtväter sein kaufmännisches Können in Potenz abgeschaut haben und vielleicht würde er auch ein wenig nachdenklich werden, weil sich das Ur-Münchner Fest inzwischen vor allem zum riesigen Wirtschaftsfaktor mit weltweiter Vermarktung gewandelt hat. Gabriele Mühlthaler

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