Standlbetreiber stinksauer

Giesinger Wochenmarkt hat massive Umsatzeinbrüche – Neuer Standort am Bürgerplatz lässt auf sich warten

Giesing Er ist ein trauriger Anblick – der Giesinger Wochenmarkt. Fünf Stände sind freitags von 13 bis 18 Uhr an der Perlacher Straße in die Parkbuchten gedrängt. Nur gelegentlich kommt ein einzelner Kunde. Dabei war den treuen Standlbesitzern schon vor zwei Jahren ein neuer Standort mit viel Laufkundschaft – am Bürgerplatz direkt an Busbahnhof, U- und S-Bahnhof – versprochen worden. „Erst hieß es im Juni 2009 können wir umziehen, dann vor den Sommerferien, dann vor der Wiesn, dann Mitte Dezember – und wir stehen immer noch da“, beschwert sich Johann Kreilinger, der seit 30 Jahren mit seinem Gemüsestand auf den Markt kommt. Jetzt überlegt er, aufzuhören. Wenn meine Stammkunden nicht wären, würde ich hinschmeissen“, so Kreilinger. „Ich steh hier halb auf der Straße, halb auf dem Gehsteig – wenn es schneit, kann ich mein Zelt nicht aufbauen, weil dann niemand durchkommt.“ Ebenfalls frustriert ist Johann Penn. „Es rentiert sich einfach nicht mehr“, sagt der Metzger, der seit 34 Jahren auf dem Markt Fleisch- und Wurstwaren verkauft. „Wenn ich gewusst hätte, wie lang sich der Umzug verzögert, hätte ich mir schon lange einen anderen Job gesucht“, betont Jenny Montague, die nebenan Südtiroler Schmankerl verkauft. „Das hier ist kein Markt mehr, das ist ein Witz – auch unsere Kunden sind schon stinksauer.“ Mit dem schlechten Standort blieben natürlich auch andere Händler und somit die Auswahl für die Kunden aus. Deswegen kämen immer weniger auf den Markt und die Standlbesitzer haben massive Einbrüche. „In den letzten Jahren haben sich meine Einnahmen um mehr als 50 Prozent halbiert“, klagt eine Marktfrau. Die Gründe für die ständigen Vertröstungen: Zuerst hätten die Markthallen München, die die Wochenmärkte betreiben, nicht im Sommer eröffnen wollen, dann war es der kaputte Boden auf dem Bürgerplatz („Hallo“ berichtete), der ausgebessert werden musste. Jetzt könnte es für die Standlbesitzer losgehen, doch die Markthallen wollen die Eröffnung lieber in den Frühling verlegen. „Da hat man ein größeres Warenangebot und der Markt etabliert sich leichter“, erklärt Reinhard Oberhauser von den Markthallen München. Von zunächst zehn Ständen geht er aus. Es gebe auch schon einige Interessenten. „Es muss natürlich auch zusammenpassen“, sagt er, „es ist nicht Sinn der Sache, dass vier Metzger miteinander konkurrieren“. Er verweist aber auch auf die große Fläche, die am Bürgerplatz zur Verfügung stehen wird. „Wenn wir mehr Stände kriegen, dann nehmen wir auch mehr als zehn.“ Doch die Marktleute von der Perlacher Straße können nicht verstehen, warum sie nicht schon einmal umziehen können, bis die offizielle Eröffnung abgehalten wird. Vor allem, da von einem fixen Termin noch keine Rede ist. „Unser Wunsch ist es, den Markt Anfang April zu eröffnen“, sagt Oberhauser, „es ist nicht unwahrscheinlich, dass wir das schaffen.“ F. Müller/M. Kowitz

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