Stadt informiert den Bezirksausschuss und Bürger

Neue Siedlungsgebiete im Münchner Nordosten

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Im Zuge der langfristigen Siedlungsentwicklung in München haben die städtischen Planer die letzten Freiflächen im Münchner Nordosten im Visier.

Die Stadt wächst unaufhaltsam, mehr Wohnraum wird benötigt. Wie kann das im engen Münchner Burgfrieden bewältigt werden? Seit einigen Jahren beschäftigen sich die Stadtplaner mit der langfristigen Siedlungsentwicklung, seit rund einem Jahr auch mit den letzten Freiflächen im Münchner Nordosten.

Welche Erkenntnisse bisher gewonnen wurden, darüber informierten Michael Hardi und Julia Krug vom Planungsreferat Anfang der Woche den Truderinger Bezirksausschuss und interessierte Bürger.

Große Siedlungsmaßnahmen stehen in den kommenden Jahrzehnten im Münchner Nordosten an. Der Stadtrat hatte deshalb für die weitgehend unbebauten Bereiche zwischen S-Bahnlinie S8 München-Flughafen, Lebermoosweg, Stadtgrenze und Bahnlinie München-Mühldorf die Einleitung einer vorbereitenden Untersuchung für eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) beschlossen. Damit werden die Grundstückspreise eingefroren, Immobilienspekulationen wird ein Riegel vorgeschoben und der Bodenpreis erhöht sich nur noch angelehnt an den Lebenshaltungskostenindex.

Trudering und Bogenhausen

Der Großteil der SEM liegt im 13. Stadtbezirk Bogenhausen, doch auch Flächen in Trudering-Riem (Galopprennbahn etc.) gehören dazu. Michael Hardi vom Planungsreferat erklärte die Gründe für die SEM: Angespannter Wohnungsmarkt, Zuzug in die Landeshauptstadt, mehr Flächenbedarf pro Person (42 m² derzeit im Schnitt), Wegfall der Sozialbindung von Wohnungen, nur noch freie Flächen für 46.000 Wohnungen innerhalb des Münchner Burgfriedens. „Ab 2015 gibt es einen Engpass bei den Siedlungsflächen, es scheint, die Spekulation nimmt vor allem im Münchner Nordosten zu“, erklärte Hardi.

Lösungsansätze

Wie kann die Stadt der Problematik begegnen? Mit drei strategischen Ansätzen will man steigenden Wohnraumbedarf und schwindende Siedlungsflächen unter einen Hut bringen: Umstrukturierung, Verdichtung und Erschließung letzter freier Siedlungsflächen am Stadtrand. Ein großes zusammenhängendes Gebiet liegt im Münchner Nordosten, das steht jetzt im Fokus der Planer und Gutachter. „Der Bereich ist geprägt von unterschiedlichsten Gegebenheiten wie den Dorfkernen von Johanneskirchen und Daglfing, Einfamilienhausgebieten, dem Pferdesport, Landschafts- und Ackerflächen und dem Hüllgraben“, so Julia Krug. Wegen der Schranken über die Gleise der S8 sei der Bereich mit dem Auto aber schlecht erreichbar. Optimal angebunden durch die S-Bahn hingegen seien die Flächen in Riem, erklärte Krug.

Qualität der Landschaft

Vier Landschaftsarchitektur-Büros haben in Gutachten „die besondere Qualität der Landschaft“ festgestellt, die im Westen durch die S8-Gleise „abgeschnitten“ wird. So soll auch bei der Siedlungsentwicklung für die nächsten zehn bis 20 Jahre die „Landschaft das tragende Element“ sein. Entlang der S8 stellen sich die Gutachter „Nachbarschaft im Gartenland“ vor. Die entstehenden Siedlungen könnten dort geprägt werden von Gemeinschaftsgärten, Schulgärten etc. Etwa in der Mitte des SEM-Bereichs Nordost nennen die Gutachter das empfohlene Siedlungsgebiet „Anlaufstellen im weiten Wasserland“, angelehnt an den Hüllgraben, dessen weiterer Ausbau empfohlen wird.

Im Riemer Bereich ist das „Quartier im lichten Waldland“ vorgesehen, hier könnte eventuell ein dichter Bebauungsplan verwirklicht werden. Als vierte Siedlungsbereiche sind „Hochpunkte im verschlossenen Gleisland“ genannt. Rund 540 Hektar Fläche umfasst der Bereich der SEM Nordost, die bereits bebauten Gebiete sind großteils ausgegliedert. Wie viele Wohnungen hier entstehen werden, kann Hardi nicht sagen: „Das kann bei 5000 liegen oder 7000, es ist alles offen“.

10.000 Einwohner

10.000 Einwohner wären jetzt schon möglich, wäre da nicht das S-Bahngleis. „Schon jetzt wären laut gültigem Flächennutzungsplan entlang der S-Bahn (S8) Wohnungen für 10.000 Einwohner möglich, wenn man hinkäme“, sagt Michael Hardi. So lange die Bahnstrecke aber nicht im Tunnel läuft, ist die verkehrliche Anbindung dieses Potentials nicht gesichert. Weitere Fragen gilt es im Bereich der Rennsportstätten zu klären. „Die Landeshauptstadt muss sich positionieren. Es gibt zahlreiche Beschlüsse, den Pferdesport im Münchner Osten zu halten. Wenn aber die Vereine weg wollen, können wir sie nicht zum Bleiben zwingen“, so Hardi. Inzwischen wisse man, dass die Rennsportvereine zunächst in München bleiben wollten.

Tunnel

Im kommenden Jahr werde man die Ergebnisse aus den Untersuchungen zur Städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme Nordost dem Stadtrat vorlegen. Ohne den Bau des Tunnels Johanneskirchen-Daglfing allerdings könnten nach derzeitigem Sachstand nur wenige Flächen entwickelt und bebaut werden. Der aber wird so schnell wohl nicht realisiert sein. Zwar hat der Stadtrat sich klar zu diesem Bauwerk bekannt, die Finanzierung allerdings offen gelassen. Herbert Danner (Grüne), der Planungssprecher des Truderinger Bezirksausschusses, der die Veranstaltung leitete, stellte klar: „Mit dem Tunnel kann man nicht vor 2025 plus rechnen!“ Gabriele Mühlthaler

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