Spatenstich für Emmerams-Tram

Der Bau der Tramlinie nach St. Emmeram hat offiziell begonnen. Der erste Spatenstich fand vergangenen Freitag mit Oberbürgermeister Christian Ude, MVG-Chef Herbert König und dem stellvertretenden Vorsitzenden des Bogenhauser Bezirksausschusses, Ulrich Tetzner, an der künftigen Endhaltestelle „St. Emmeram“ statt. Im Herbst 2011 soll die neue Linie, die am Effnerplatz das Kunstwerk „Mae West“ durchqueren wird, den Betrieb aufnehmen.

Darauf, dass der künftige „Cosima-Express“ nicht für alle Zeiten in St. Emmeram enden müsse, „deutet die Anwesenheit des Unterföhringer Bürgermeisters Franz Schwarz hin“, meinte Münchens Oberbürgermeister Christian Ude beim ersten Spatenstich für die neue Tram. Während noch immer Bürger mit Inbrunst erklärten, Trambahnen brauche man nicht, denn Busse seien flexibler, rüsteten immer mehr Städte auf genau dieses Verkehrsmittel um, so Ude. Noch im Jahr 1980 habe es weltweit 300 Tramstädte gegeben, in wenigen Jahren könne man deren 500 zählen. Wenn die Tram die richtige Strecke versorge, sei sie um ein Vielfaches billiger, als die U-Bahn. Die koste das Zehnfache, habe weniger Stationen, fahre aber schnell und staufrei durch den Untergrund. „Ich werbe dafür, mit den verschiedenen Verkehrsmitteln, die wir alle brauchen, rational umzugehen“, so Ude. Erste Pläne Schon in den 60er Jahren habe es Pläne für eine Trasse nach Oberföhring gegeben, ernst sei es mit der Tram nach St. Emmeram 1991 durch die „integrierte ÖPNV-Planung“ geworden – von Anfang an sei der „Cosima-Express“ Bestandteil des städtischen Nahverkehrsplans gewesen. Was Christian Ude vielleicht nicht wusste – der ehemalige Stadtrat und jetzige Planungssprecher des Bogenhauser Bezirksausschusses, Frank Otto (SPD), hatte 1984 bei der Wiederherstellung der Englschalkinger Straße nach dem U-Bahnbau beantragt, den Mittelteiler für den Bau einer Tram nach Oberföhring in ursprünglicher Breite wieder anzulegen. Konkret wurden die Trampläne 2008, der Bogenhauser Bezirksausschuss stimmte den aktualisierten Plänen ebenso zu wie der Münchner Stadtrat. Im September 2009 erfolgte dann der Planfeststellungsbescheid der Regierung von Oberbayern. Zwar läuft gegen den Bescheid noch die Klage eines Anwohners, aufschiebende Wirkung hat diese aber nicht. MVG-Chef Herbert König ist sicher, die Erfolgsgeschichte der Trambahnen fortschreiben zu können. 15 neue Tramkilometer habe die MVG in den letzten 15 Jahren gebaut und die Fahrgastzahlen sprächen für dieses Verkehrsmittel. Bei der Tram nach St. Emmeram ist eine neue Technik geplant. „Erstmals realisieren Stadtwerke München/Münchner Verkehrsgesellschaft in der Landeshauptstadt ein neues, in der Schweiz weiterentwickeltes Fahrleitungssystem, das besonders stadtbildverträglich erscheint“, so König. Die so genannte Seilgleiterfahrleitung komme ohne zusätzliches Tragseil aus, weil sie über ein extra Kabel im Boden die gleiche elektrische Leistungsfähigkeit wie das herkömmliche System erreiche. „Da kein Tragseil benötigt wird, können auch die überwiegend im Mittelteiler stehenden Masten kleiner dimensioniert werden“, erklärte König. Mit Bäumen begrünte Haltestellen und ein Rasengleis sollen der Optik zugute kommen. Während König den künftigen Fahrgästen die Mae West am Effnerplatz, unter der die Tram hindurch fahren wird, als Highlight ankündigte, versprach Oberbürgermeister Ude lediglich, die Menschen würden „mit einem sehr großen Gerüst konfrontiert, dass jeder Kunstkenner als Mae West identifizieren wird“. Wichtigstes Projekt seit der U4 Ulrich Tetzner, der stellvertretende Bogenhauser Bezirksausschuss-Chef, bezeichnete die Tram nach St. Emmeram als wichtigstes Projekt des öffentlichen Nahverkehrs im Stadtteil seit Eröffnung der U4 Arabellapark. Große Neubauprojekte wie auf dem Areal der Prinz-Eugen-Kaserne lösten einen enormen Bedarf zur Beförderung aus, den ein Metro-Bus nicht bewältigen könne. Zur Alternative U-Bahn schloss sich Tetzner den Ausführungen des Münchner Oberbürgermeisters an, der diese als zu teuer und damit kaum realisierbar bezeichnet hatte. „Die Tram ist doch keine Alternative!“, rief ein äußerst erregter Gegner der Planungen dazwischen und zählte gleich einige Argumente dazu auf. Ein weiterer Versuch, sich Gehör zu verschaffen, scheiterte. Ulrich Tetzner räumte ein, dass die Anlieger der neuen Strecke eineinhalb Jahre lang Beeinträchtigungen durch den Bau hinnehmen müssten. „Die Bauphase bringt Lärm, Dreck und Verkehrsbehinderungen. Wir haben in Bogenhausen fünf Jahre Tunnelbau überstanden, wir werden auch eineinhalb Jahre Trambau überstehen!“ Gabriele Mühlthaler

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