Reinhold Babor ist Alterspräsident des Stadtrats

Oldtimer im Rathaus

München 2015 ist für Dr. Reinhold Babor (Foto) ein besonderes Jahr: Seit genau 20 Jahren sitzt der CSU-Mann aus Harlaching im Stadtrat. Zwar ist er damit nicht der Dienstälteste – Parteikollege Walter Zöller übertrifft ihn mit über 40 Jahren bei Weitem. Aber Babor ist mit seinen 76 Jahren der Oldtimer im Rathaus.

Dem Alterspräsident gebührt besondere Ehre: Er vereidigte den neuen Oberbürgermeister und durfte die Jahresabschlussrede halten. „Ein guter Spruch zur rechten Zeit vertreibt Parteienstreit und sorgt für Heiterkeit“, so Babors Tenor. Seit 1976 ist der Physiker Mitglied der CSU, er war jahrelang Vorsitzender des Bezirksausschusses Untergiesing-Harlaching, für seine Verdienste im Stadtrat erhielt er die Medaille „München leuchtet“ in Gold. Als Vorsitzender der Münchner Seniorenunion vertritt Babor eine konservative Haltung. Wie sich seine Partei seit den 70ern verändert hat, welche Werte ihm wichtig sind und was er von der Pegida-Bewegung hält, erzählt er hier von A bis Z.

Alterspräsident wird man, wenn man kalendarisch der Älteste ist. Das kann man sich nicht aussuchen. Dafür darf man die Jahresabschlussrede halten und Mitglieder vereidigen.

Bezirksausschuss (BA): Der BA hat eine sehr wichtige Funktion, weil er in den Vierteln verankert ist. Ich bin zwar Stadtrat, finde aber, die BAs sollten mehr Entscheidungskompetenzen bekommen. Aber das wird wahrscheinlich noch werden, wenn München weiter so wächst.

CSU:  Ich bin seit 1976 in der CSU. Früher, unter Strauß, war die Partei ganz klar ausgerichtet. Heute gibt es eine breitere Meinungsvielfalt. Und Arbeitsgemeinschaften haben eine größere Bedeutung bekommen.

Dauerbrenner: Aktuell ist das im Stadtrat die Verkehrspolitik – dass vielleicht doch wieder mal eine U-Bahn gebaut wird, nach Pasing oder Englschalking.

Einsatz: Ich bin in sieben Ausschüssen aktiv, dazu kommt die Vollversammlung. Da verbringe ich schon viel Zeit mit der Stadtratsarbeit – ich schätze mal, ich komme auf 60 Stunden im Monat.

Familie: Meine ganze Familie lebt in München. Mein Sohn ist wie ich politisch aktiv, als CSU-Fraktionssprecher im BA Untergiesing-Harlaching.

GWG, Gewofag & Co.: Der städtische Wohnungsleerstand liegt an der Schwerfälligkeit der Verwaltung. Die Wohnungsbaugesellschaften und das Kommunalreferat sind gefordert, schneller zu reagieren. Es gibt allerdings auch begründeten Leerstand: wenn zum Beispiel eine Generalsanierung stattfindet.

Harlaching: meine Heimat. Großes Thema ist da seit Jahren der Erhalt der Gartenstadt. Früher hieß es, die Großkopferten wollen ihr Grün nicht hergeben. Aber heute weiß man, dass die Bäume und Gärten der Belüftung dienen und auch der Innenstadt zugute kommen.

Islam: Es ist deprimierend, dass die Gewalt, die aktuell wieder weltweit zu Tage tritt, aus dem Koran herausgelesen wird. Die Muslime stehen vor einer großen Herausforderung: Wie beurteilen sie die extremen Auslegungen ihres Korans? Ich fände es grausam, wenn sich jemand auf meine Religion beruft und in ihrem Namen mordet.

Jahrzehnte: Bin seit 1995 im Stadtrat. Mich überrascht nicht mehr allzu viel. Eine wichtige Erkenntnis: Wenn die Bürger so ein Gremium von außen sehen, denken sie, es sei leicht, ihr Anliegen zu verwirklichen. Aber so holterdiepolter geht das nicht. Das ist oft ein schwieriger Prozess.

Kollegen: Die Neuen sind sehr aktiv. Zumal gerade in meiner Fraktion alle die Grundausbildung haben: Sie kommen aus Bezirksausschüssen und kennen sich aus.

Links vs. Rechts: Wir haben eine Vielfalt in den Stadtrat hinein bekommen. Früher waren es die großen Blöcke CSU, SPD, FDP und Grüne, das hat sich gewaltig geändert. Wir haben kleine Gruppierungen, die sich extrem unterscheiden.

Muegida/Pegida: In München wird das kaum Erfolg haben. Uns geht’s gut, das Thema ist nicht so virulent. Ich maße mir kein Urteil an. Wenn in Dresden 25 000 Leute auf die Straße gehen, können das doch nicht nur Rechtsradikale sein. Das sind Menschen, denen der Islam irgendwie unheimlich ist.

Neues Jahr ist bei mir gleichzeitig ein neues Lebensjahr. Ich bin 76 geworden.

Oldtimer: Meinen 190db Mercedes, Baujahr 1960, hab ich seit über 50 Jahren. Ich schraube viel dran rum und kenne mich gut aus.

Physik: Ich war Strahlenschutzphysiker in Neuherberg und Seminarlehrer am Gisela-Gymnasium.

Querelen um die Asylheime: Wenn der Strom weiter anhält, müssen wir schauen, wie wir das hinkriegen. Der Bund muss reagieren, wir brauchen mehr Geld dafür. Und wir müssen die Flüchtlinge schnell in den Erwerb bringen.

Reiter: Unser neuer OB ist mittlerweile lockerer geworden. Wenn er etwas vertritt, ist das sehr freundlich – nicht so nachdrücklich, dass man meint, man müsste sich ducken.

Seniorenunion: Ich bin Münchner Vorsitzender. Unser Leitbild ist die Partnerschaft der Generationen. Ich würde mir beispielsweise mehr Generationen-Wohnen in München wünschen.

Trümmerfrauen: Ich setze mich für deren Gedenken ein. Der Vorwurf, das seien nur Nazi-Frauen gewesen, greift zu kurz: Trümmerfrauen sind alle, die ab 1945 in den Trümmern die Gesellschaft am Leben gehalten haben.

Unvergessen bleibt mir meine allererste Stadtratssitzung: Die ging von neun Uhr morgens bis halb zehn abends! Da dachte ich mir, das kann ja heiter werden! Aber so lange dauerte es nie wieder.

Verwaltung: Der Stadtrat soll die Verwaltung beauftragen, beaufsichtigen und fördern. Aufgrund des Bevölkerungszuwachses hat sie einen enormen Personalbedarf. Dem müssen wir auch im Stadtrat Rechnung tragen.

Werte: Ich bin geprägt von der Aufklärung und vom Christentum.

X-fach habe ich eine Tiefgarage in dem Hohlraum am Wettersteinplatz gefordert. Da wäre Platz für 125 Autos. Seit Mitte der 80er ist das ein Thema, umgesetzt wurde es noch immer nicht.

Yes! Stolz bin ich auf die „Mae West“ am Effnerplatz. Ich als Mathematiker war von dem Kunstwerk begeistert – es ist ein Hyperboloid – und habe mich dafür stark gemacht. Heute ist es ein Wahrzeichen Bogenhausens.

Zwanzigzwanzig endet die Wahlperiode. Wenn ich noch mal kandidiere, müsste man mich mit den Füßen vorwärts raustragen. Im Ernst: Wenn ich noch gut bei­nander bin, trete ich wieder an.

ist

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