Raus aus der Alkoholabhängigkeit

Alkoholabhängigkeit ist eine Krankheit, die Betroffene lange verdrängen. Meist muss es erst zu dramatischen Ereignissen kommen, ehe der Alkoholiker sich seine Sucht eingesteht.

Das ist der erste Schritt auf dem Weg aus der Abhängigkeit, weitere müssen folgen. Viele Betroffene schließen sich Selbsthilfegruppen an, dort begegnen sie Menschen mit gleichen Problemen und können sich mit der Krankheit auseinandersetzen und an einer Besserung arbeiten. Seit Oktober 1987 treffen sich an jedem Donnerstag um 19.30 Uhr Alkoholkranke und deren Angehörige bei der Selbsthilfegruppe des Blauen Kreuzes in der Bogenhauser Nazarethkirche, Barbarossastraße 3. Wer mitmachen oder einfach vorbeischauen will, ist jederzeit willkommen. Mein Weg Mein Weg in die und aus der Alkoholabhängigkeit – ein Gruppenmitglied berichtet: „Ich wuchs in einem Ort in Oberbayern auf und besuchte das dortige Gymnasium im Schatten der Klosterkirche und der dazugehörigen Brauerei. Bräustüberl und Bier waren das Selbstverständlichste der Welt! Später dann, im Berufsleben, zählte ich mich zu den Genuss- und Geselligkeitstrinkern und hatte über viele Jahre hinweg einen unauffälligen Umgang mit Alkohol. Probleme oder Hemmungen wurden mit Alkohol bekämpft. Ich kann nicht mehr ausmachen, wann ich dann feststellen musste, dass aus dem Genuss-trinken ein ,Musstrinken’ geworden war. Irgendwann fand ich mich in der Situation wieder, den Tag nicht ohne Alkohol durchstehen zu können. Erst nur mittags und abends, dann morgens, mittags und abends und schließlich durchgängiger Alkoholkonsum. Nie jedoch so, dass es offenkundig wurde. Arbeitsplatz verloren Dann verlor ich einen guten Arbeitsplatz – durch den Alkohol? Ich machte mich beruflich selbstständig und bemerkte nun erst langsam, dass ich ohne Alkohol nicht mehr in der Lage war, den Tag zu bewältigen. Ich hatte meine Trinkerkarriere als so genannter „Spiegeltrinker“ vorbildlich vorangebracht. Vor 17 Jahren hatte ich dann einen Zusammenbruch, Delirium tremens. Eine sehr resolute Ärztin stellte mich vor die Alternative, mit dem Krankenwagen in die Psychiatrie eingeliefert oder von meiner Frau mit dem eigenen Auto gefahren zu werden. Während der Behandlung lernte ich verschiedene Selbsthilfegruppen kennen und sah als möglichen Weg, mich durch den Besuch einer solchen Gruppe mit der Krankheit auseinanderzusetzen und an einer Besserung zu arbeiten. Damals kam ich zum Blauen Kreuz in Bogenhausen und gemeinsam mit meiner Frau, die sich als Angehörige ebenfalls der Gruppe anschloss, fanden wir Hilfe zu einer Neuorientierung. Ein Leben ohne Alkohol war mein Ziel, eine Entscheidung, die ich nie bereut habe. Mit diesem Entschluss habe ich eine außergewöhnliche Lebensqualität und viele wichtige Erfahrungen gewonnen. Seit 17 Jahren besuche ich regelmäßig die Gruppe in der Nazarethkirche, habe eine Ausbildung zum Suchtkrankenhelfer gemacht und biete meine Hilfe gerne jedem an, der ernsthaft versucht, den Teufelskreis der Alkoholabhängigkeit zu durchbrechen. Natürlich bin ich den Weg in mein alkoholfreies Leben selbst gegangen, ohne Unterstützung, meiner Gruppe aber wäre dies nicht möglich gewesen!“ Ein lebenslanger Weg Alkoholismus kann zum Stillstand gebracht, aber nicht geheilt werden. Ein Leben lang muss der Alkoholkranke den Suchtstoff meiden. Für all diejenigen, die einen Weg aus der Abhängigkeit suchen, sind Selbsthilfegruppen eine unverzichtbare Hilfe. Gemeinsam versuchen die Betroffenen, den Weg aus der Alkoholabhängigkeit zu gehen und sich dabei wirkungsvoll zu unterstützen. Die Bogenhauser Blaukreuzgruppe in der Nazarethkirche ist seit fast einem Vierteljahrhundert aktiv und viele Mitglieder kommen seit Jahren. „In der Gruppe treffe ich auf Menschen, die mich und meine Krankheit verstehen“, sagt ein Betroffener. Ein anderer erklärt, dass er seine Krankheit durch den gemeinsamen Austausch von Abhängigen und Angehörigen jetzt besser nachvollziehen kann. „Ich bin froh, Menschen gefunden zu haben, die mir zuhören und sich für mich interessieren“, sagt ein weiteres Gruppenmitglied. Offen für alle Die Bogenhauser Blaukreuzgruppe ist offen für alle Menschen, die den Weg aus der Alkoholabhängigkeit ernsthaft versuchen wollen. Auch Angehörige Betroffener sind willkommen, eine Anmeldung ist nicht nötig. Allwöchentlich am Donnerstag um 19.30 Uhr – auch an Feiertagen und in der Ferienzeit – kommen die Gruppenmitglieder in der Bogenhauser Nazarethkirche, Barbarossastraße 3, zusammen. Gabriele Mühlthaler

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