„Prominenz in Bogenhausen“

„Prominenz in Bogenhausen“ – unter diesem beziehungsreichen Titel ist im Berg am Laimer Volk Verlag ein sehr lesenswertes Werk über die Glanzzeit des Münchner Villenviertels und seiner illustren Bewohner entstanden. Aus der Feder der pro

movierten Kunsthistorikerin und bekannten Stadtteilbücherautorin Dorle Gribl entstammt dieser spannende Lesestoff, der auf 272 Hardcover-Seiten, wunderschön in Texten und reichlich Bildern aufbereitet, 80 dieser herrschaftlichen Anwesen und ihre ehemaligen Bewohner in den Fokus des Betrachters rückt. Im Buchhandel und beim Volk Verlag (www.volkverlag.de) kann dieses bibliophile Gustostückerl für 29 Euro erworben werden. Einblicke Über ein Jahr lang hatte die in Solln lebende Autorin über dem Projekt gebrütet und damit eine echte Lücke für den interessierten Leser geschlossen. „Bei meinen Führungen für die Münchner Volkshochschule durch Bogenhausen wurde ich immer wieder von diversen Menschen angesprochen, ob es denn über diese Art spannender Stadtteilgeschichte nichts nachzulesen gebe“, erläutert Gribl im Gespräch mit HALLO die Motivation für diese Arbeit. Ganz bei Null immerhin musste die frühere Studentin und Doktorandin der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität bei ihrer Recherche auf umfangreichem Geschichtsterrain nicht beginnen. „Ich hatte bereits über Villenkolonien in München promoviert – darunter auch Bogenhausen“, erläutert die Autorin. Erste Bebauung Dieses Werk freilich ist längst vergriffen. Jetzt können ausgemachte Fans und Freunde gelebter Stadtteilkultur und -geschichte Bogenhausens aufatmen. Die Zeitspanne des Buches reicht von der ersten Bebauung mit herrschaftlichen Anwesen um 1820 bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Wichtige Phase Besonders im Fokus Gribls steht die für die Entwicklung dieses klassischen Bogenhausens so wichtige Phase nach der Eingemeindung nach München im Jahr 1892. In dieser Zeit vollzog sich in der malerischen Lage am rechten Hochufer der Isar die Entwicklung des ehemaligen Dorfs Bogenhausen zu Münchens beliebtester Wohngegend. Viele wichtige Persönlichkeiten ließen sich hier in der Folge nieder: Gelehrte, bildende Künstler, Architekten, Regisseure, Couturiers, Sänger, Schauspieler, Schriftsteller, Unternehmer, Politiker und Wissenschaftler wurden von dem ansprechenden Flair zwischen Pienzenauer-, Mauerkircher- und Montgelasstraße, rund um die Scheiner- und Möhlstraße fast schon magisch angezogen. Bankier Martin Aufhäuser, Pater Alfred Delp oder deutsche Autoreneckpfeiler wie Annette Kolb, Thomas Mann und Erich Kästner – sie alle fanden im Bogenhausen dieser Blütezeit eine neue und reizvolle Heimat. Pointierte Geschichten Die Geschichten der stolzen Gemäuer und ihrer ebensolchen Besitzer und Bewohner ist in diesem ganz besonderen Buch sehr pointiert und angereichert mit viel wissenswerten Details nachzulesen. Gribl verweist aber auch auf die schwierigen Zeiten Bogenhausens in Zeiten des Nationalsozialismus und nennt deren Repräsentanten von Hitler bis Bormann und Himmler beim Namen – die in Bogenhausen einer dunklen deutscher Epoche des Dritten Reichs repräsentative Immobilien im Viertel bezogen hatten. Auch die starke Verminderung dieser ansehnlichen Zahl an Villen und Herrschaftshäusern durch Krieg, Umbauten und Modernisierungen im Zuge eines städtebaulichen Wandels in unserer Zeit zeigt die Autorin auf und schafft so den zeithistorischen Schulterschluss zwischen unterschiedlichen Epochen Bogenhauser Geschichte. Lageplan Für den Leser ist dieses Werk mit seinen 80 Einzelkapiteln gut strukturiert und mit einem übersichtlich arrangierten Lageplan versehen – der auch zum individuellen Stadtteilspaziergang besonderer Art anregt. Pläne, Bauskizzen und hostorische Ansichten der Villen und Anwesen vermitteln auch wertvolle Einblicke und Einsichten in die Planungsphasen und ursprünglichen Bauzustände. Die Lebensgeschichten der Bewohner werden besonders lebendig durch Erzählungen von Zeitzeugen über gemeinsame Feste, Glück und und Unglück, erfolgreiche Karrieren, Abstürze oder gemeine Verfolgungen. Akribisch gearbeitet Beim Blick ins breit gefächerte Literaturverzeichnis gewinnt der Betrachter auch einen Eindruck, mit welch Akribie und detailgenauer Arbeit sich Gribl an die Realisierung dieser beeindruckenden Geschichtsarbeit gemacht hat. „Über ein Jahr habe ich an dem Buch gearbeitet und eine Vielzahl an Bibliotheken und Archiven abgeklappert“, fasst die Autorin zusammen. Dazu hat sie bei Nachfahren ihrer Bogenhauser Protagonisten recherchiert – so etwa über den jüdischen Bankier Martin Aufhäuser – auf der Suche nach dessen Spuren und Geschichte wurde sie auch bei den Nachkommen der Familie im fernen Frankfurt fündig. „Überhaupt waren alle angefragten Familien sehr entgegenkommend“, so Gribl lobend. Wie etwa die Jesuiten, die mit vielen Detailinformationen zum legendären Gottesmann Alfred Delp dieses Kapitel deutlich anreicherten. „Wunderbar war die Zusammenarbeit mit dem Volk Verlag“, lobte Gribl auch die Zusammenarbeit mit den dort Verantwortlichen. „Sollte ich weitere Stadtteilgeschichtsbücher verfassen, möchte ich dies unbedingt im engen Zusammenwirken mit den Fachleuten dort realisieren“. Aktuell steht für die vielbeschäftigte Autorin und kunsthistorische Kennerin erst einmal ein anderes Projekt an: In Berlin konzipiert sie eine Ausstellung über den ebenfalls sehr geschichtsträchtigen Nollendorfplatz im Herzen der Hauptstadt. Doch die intime Kennerin Münchner Traditionsquartiere und deren Bewohner wird sicher auch an der Isar wieder aktiv. Bis dahin haben die Stadtteilspaziergänger ja wenigstens etwas zum Lesen. Harald Hettich

Auch interessant:

Meistgelesen

Brauerei statt Tankstelle –Oberbürgermeister Reiter dafür
Brauerei statt Tankstelle –Oberbürgermeister Reiter dafür
Tegernseer Landstraße: Tödlicher Unfall durch LKW 
Tegernseer Landstraße: Tödlicher Unfall durch LKW 
Pfarrer will Münchner durch Spirituose für den Gottesdienst begeistern
Pfarrer will Münchner durch Spirituose für den Gottesdienst begeistern
„Früher war ich ihr Mann, nun ihre Frau“ – eine hollywoodreife Liebesgeschichte zum Valentinstag
„Früher war ich ihr Mann, nun ihre Frau“ – eine hollywoodreife Liebesgeschichte zum Valentinstag

Kommentare