Aus der Bürgerversammlung Obergiesing-Fasangarten

Neue Grenzen für das Viertel? Das sagen Bürger und Lokalpolitiker

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Uwe Kranenpohl will die Stadtbezirke Obergiesing-Fasangarten und Untergiesing-Harlaching neu sortieren und ein vereinigtes Giesing schaffen.

Giesing - Uwe Kranenpohl will die Stadtbezirke Obergiesing-Fasangarten und Untergiesing-Harlaching neu sortieren und ein vereinigtes Giesing schaffen

Er fordert ein vereinigtes Giesing

Ein vereintes Giesing – das forderte Uwe Kranenpohl auf der Bürgerversammlung. Konkret heißt das, er will den bisherigen Zuschnitt der Stadtbezirke ändern: Also statt der Aufteilung Obergiesing-Fasangarten (17. Bezirk) und Untergiesing-Harlaching (18. Bezirk) die Viertel neu zusammenlegen. Und damit ein vereintes Giesing, bestehend aus Untergiesing und Obergiesing, zu schaffen sowie das neue Viertel Fasangarten-Harlaching.

„Giesing wird direkt im Herzen getrennt – nämlich am 60er-Stadion sowie an der Heilig-Kreuz-Kirche“, sagt Kranenpohl. „Diese administrative Trennung ist bescheuert.“ Die Begründung des 52-jährigen Politikwissenschaftlers lautet: „In Ober- und Untergiesing gibt es ganz ähnliche Problemlagen mit Nachverdichtung in den Innenhöfen. Fasangarten und Harlaching haben beide Gartenstadtstruktur mit Einfamilienhäusern und anderen Themen.“

Eine verrückte Idee? Die Bürgerversammlung zumindest lehnte seinen Antrag ab. Allerdings gibt es in Untergiesing-Harlaching ähnliche Überlegungen, und zwar von Maximilian Heisler, der als Mietaktivist bekannt ist. Er plant schon länger, im Herbst auf der Bürgerversammlung in Untergiesing-Harlaching, einen entsprechenden Antrag zu stellen – aus ganz ähnlichen Gründen. „In Unter- und Obergiesing leben viele Mieter, in Fasangarten und Harlaching eher Eigentümer – sie haben andere Probleme“, findet Heisler. Außerdem würden die Belange der Untergiesinger nicht ausreichend in der Lokalpolitik vertreten. „Im Bezirksausschuss dominieren die Harlachinger“, kritisiert er. Wie die Bürger im 18. Bezirk allerdings über den Vorschlag denken, wird sich im Herbst auf der Versammlung zeigen.

Der BA-Chef des 18. Bezirks indes wiegelt die Idee ab. „Klar, geografisch, und was den Namen betrifft, macht das vielleicht Sinn“, sagt Clemens Baumgärtner (CSU). Aber: „Untergiesing und Harlaching sind historisch zusammengewachsen – das Viertel hat seine ganz eigene Identität.“ Außerdem, gibt er zu Bedenken, würde durch die Zusammenlegung von Unter- und Obergiesing ein zahlenmäßig sehr starker Bezirk entstehen, viel größer als Fasangarten-Harlaching. „Das Viertel hätte dann sehr viele Einwohner – das ist für einen BA schwierig zu stemmen.“ Jetzt den 18. Bezirk auseinanderzureißen, hält er für sinnlos.

Dass beide Viertel eine heterogene Struktur haben sieht die BA-Chefin im 17. Bezirk hingegen als bereichernd an: „Die Mischung macht’s doch – Obergiesing profitiert von Fasangarten und umgekehrt“, sagt Carmen Dullinger-Oßwald. Dagegen spreche außerdem, dass es schon lange eine „historisch bedingte Rivalität“ zwischen Ober- und Untergiesing gebe. „Wir haben immer wieder im Spaß gewitzelt, wenn wir Ober- und Untergiesing zusammenlegen würden, würde mehr geschehen“, sagt sie schmunzelnd. „Aber im BA sind beide Teile gleich stark vertreten und das ist wirklich gut so.“

H. Kinadeter

Das sagt der Experte

In den 90er-Jahren sind die Stadtbezirke in ihre jetzige Form eingeteilt worden. „Das war ein schwieriger Prozess, bei dem viel gestritten wurde“, erinnert sich Helmuth Stahleder, der im Stadtarchiv als Historiker tätig war. Etwa wollten die Au und Haidhausen nicht zusammengelegt werden – letzten Endes entschied aber der Stadtrat, der annähernd gleich große Viertel schaffen wollte. „Seither haben sich nicht alle Bezirke gleich entwickelt“, meint er. „Die Grenzen kann man wieder ändern – aber eine Lösung, die für alle ideal ist, gibt es nie.“

Anwohner machen ihrem Ärger Luft

Auf dem Feld sollen 220 Wohneinheiten entstehen. Die Anwohner sehen das kritisch.

Wohl das emotionalste Thema, das die Bürger im Fasangarten umtreibt: Die 220 Wohnungen, die zusammen mit Kindergarten und Bürgertreff rund um die Münchberger Straße gebaut werden sollen, genauer gesagt auf dem vier Hektar großen Gebiet zwischen Münchberger Straße, A 8, Kronacher Straße und Fasangartenstraße. Schon im vergangenen Jahr war dies das große Aufregerthema der Bürgerversammlung – zumal beide Versammlungen gut von den Betroffenen besucht waren. Auch heuer stellten die Anwohner mehr als 20 Anträge dazu, die sich aus mehreren Perspektiven gegen das Bauvorhaben richteten. Der Fokus reichte vom Wunsch, Grünflächen zu erhalten, bis zur Sorge über die mangelnde Nahversorgung hinsichtlich überfüllter Schulen. Andere forderten, dass es eine bessere Bürgerbeteiligung geben solle, dass die verkehrliche Situation überprüft werden müsse oder dass die Geschossfläche beschränkt werden. Wieder andere fürchteten, dass Abwasser- und Kanalsystem mit der Bebauung vollkommen überlastet würden. Schon 2017 sind etliche Anträge zum Thema gestellt worden – da einige offenbar bis heute unbeantwortet sind, gab es auch Anträge, die Antworten verlangten. Die Versammlung stimmte jedem der Anträge zu.

H. Kinadeter

Rosen, Radwege und Radau am Stadion

Obergiesing-Fasangarten
Parkplatznot, Verkehr und Lärmbelästigung – die rund 40 Anträge, die die Bürger auf der Versammlung stellten, drehten sich um die verschiedensten Themen. Hier ein Auszug.

Radwege erhalten
Die Bürger forderten, den geplanten Durchstich der Herbert-Quandt-Straße von der Ständler- bis zur Lincolnstraße, zu unterlassen und stattdessen den Radweg zu erhalten. Einen besseren Ausbau des Radwegnetzes forderten sie auch, da sich mit dem Baugebiet bei der europäischen Schule das Verkehrsaufkommen erhöht.

Parkplatznot
Mehr Parkplätze sind laut den Bürgern in der Warngauerstraße und in der Leifstraße nötig.

Stadionlärm
Ein Anwohner ärgerte sich über die Lärmbelästigung durch die Fans beim 60er-Stadion. Die Bürger unterstützten seinen Antrag, dass die Polizei besser darauf achten soll, dass der Lärmschutz eingehalten wird. Außerdem wünschte sich der Anwohner, dass die Bürger bei einem künftigen Ausbau beteiligt und befragt werden.

Bus-Taktung
Statt 20 alle zehn Minuten: Die Taktung wünschen die Bürger für die Buslinien 147 und 220.

Grünflächen erhalten
Mehrheitlich verlangten die Bürger, dass Grünflächen generell erhalten bleiben und konkret auch ein Rosenbeet am Walchenseeplatz besser gepflegt wird.

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