Virus kickt sie ins Aus

Münchner Vereinen droht die Pleite - Leere Hallen, leere Kassen: Corona-Krise kostet unzählige Mitgliedschaften

Anett Meinhardt und Sven Lommatzsch von der Turnerschaft Jahn stehen vor der geschlossenen Sportanlage in Denning. Mindestens bis Januar bleibt sie zu.
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Anett Meinhardt und Sven Lommatzsch von der Turnerschaft Jahn stehen vor der geschlossenen Sportanlage in Denning. Mindestens bis Januar bleibt sie zu.

Vereinsmanager Sven Lommatzsch (Foto) fordert Hilfe von Stadt und Freistaat. Die Sportvereine sehen sich mit einem Mitgliederschwund konfrontiert. Was die Vereine unternehmen, wie viele Kündigungen es gibt...

München-Ost - Die Münchner Sportvereine bangen um ihre Zukunft. „Uns droht ein langsames Ausbluten“, sagt Sven Lommatzsch, Vereinsmanager der Turnerschaft Jahn, hörbar betroffen.

Der Denninger Verein hat sich jetzt mit einem Hilferuf an die Öffentlichkeit gewandt. „Die Vereinswelt ist in Gefahr“, warnt Lommatzsch. Noch nie zuvor habe es eine derartige Situation gegeben.

„Stadt und Freistaat müssen helfen – sonst gehen viele Vereine pleite.“

Erstmals seit Jahren hat die TS Jahn mit einem Mitgliederschwund zu kämpfen. Normalerweise gibt es im Münchner Osten bei Vereinen Aufnahmestopps und übervolle Wartelisten. Jetzt haben bei der Turnerschaft rund 800 Mitglieder gekündigt. Neue Eintritte gibt es kaum.

„Während Corona schrecken viele davor zurück“, sagt Lommatzsch. Durch die Kündigungen werden auch die Einnahmen durch Mitgliedsbeiträge weniger: Der Vereinsmanager kalkuliert mit Einbußen von 20 Prozent. Er ist überzeugt: „Stadt und Freistaat müssen helfen – sonst gehen viele Vereine pleite.“

Einbußen von 200 000 Euro.

Auch der SVN im Münchner Osten ist von der Krise schwer getroffen. Nie zuvor hat es so viele Kündigungen gegeben wie jetzt, berichtet der Vereinsvorsitzende Kurt Damaschke. Seit Ausbruch der Pandemie ist die Zahl der Mitglieder auch um 800 gesunken – jetzt zählt der SVN etwa 5300 Mitglieder.

Wenn die Anlagen nicht bald wieder öffnen können, so Damaschke, wird es weitere Austritte geben. Die Vereinmitarbeiter sind allesamt in Kurzarbeit. „Ehrenamtliche Übungsleiter und Honorarkräfte stehen ohne Einkommen da“, sagt er. Insgesamt rechnet der Vereinschef mit Einbußen von 200 000 Euro.

Auch die Einnahmen aus Platz- und Hallenvermietungen fehlen, die beiden Vereinsgaststätten stehen demnach im Krisenmodus. „Es muss unbedingt unbürokratische Hilfen von der Landeshauptstadt München und vom Freistaat Bayern geben“, fordert Damaschke. „Erst recht bei großen Vereinen mit eigenen Sportanlagen kann es sonst zu Liquiditätsproblemen kommen.“

Hanni Kinadeter

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