Giesinger Standl-Streit

Münchens ältester Kiosk vor dem Aus

Untergiesing - Der Kiosk an der Wittelsbacher Brücke ist Münchens ältestes Standl. André Löwig betreibt es seit neun Jahren – doch dieses könnte das letzte sein. Die Stadt droht ihm die Konzession zu entziehen.

Der Giesinger Standl-Streit: Seit 2005 liegt Löwig immer wieder im Clinch mit der Stadt – weil er gegen Auflagen verstößt, um seinen Kiosk wirtschaftlich betreiben zu können, wie er sagt. Für die Behörde ist das Maß jetzt voll: „Der Kiosk liegt in einer im Landschaftsschutzgebiet gelegenen Grünanlage und gilt als Münchens ältestes Standl. Leider mangelt es dem Betreiber jedoch offenbar am Verständnis für diese besondere Situation“, sagt eine Sprecherin des zuständigen Baureferats. 

So stelle er beispielsweise mehr Tische und Stühle auf als erlaubt. Und der Bauzaun an den Toiletten sei ein nicht genehmigter Anbau. Löwig argumentiert hingegen: „Wenn ich weniger Tische habe, ist das Standl nicht mehr lukrativ genug. Dann kann ich mich arbeitslos melden. Und der Bauzaun ist ein Sichtschutz für die Toiletten – die im Übrigen nicht nur meine Kunden, sondern alle Isar-Besucher nutzen dürfen.“

Den Standl-Streit kann man abtun als Problem zwischen Geschäftsmann und Behörde. Doch die Untergiesinger Grünen wollen nun zwischen den verhärteten Fronten vermitteln. Für die Bezirksausschussmitglieder Melanie Kieweg und Brar Braren gibt es einen guten Grund sich einzumischen: „Das Standl ist Teil unseres Viertels, es ist ein Treffpunkt für die alten Giesinger“, sagt Kieweg. Wo sie für ein paar Stunden aus ihren vier Wänden herauskommen und ihr Bierchen zu humanen Preisen bekommen.

Dass die Stadt Auflagen für das denkmalgeschützte Häuschen stellt: verständlich. Aber es müsse doch auch im Interesse der Stadt sein, dass der Kiosk bestehen bleibt, sagt Braren. Er sei ja auch eine Touristenattraktion. „Da muss man einen Kompromiss finden.“ 

Wenn nicht, schließt das Standl im Herbst für immer. Denn einen Nachfolger soll es nicht geben: Das Häuschen gehört dem 54-jährigen Löwig, und hergeben will er es nicht. „Ich hab da Unsummen reingesteckt. Wenn ich es nicht mehr als Standl betreiben kann, richte ich mir halt ein Gartenhäuschen ein.“

So weit soll es nicht kommen, finden die Giesinger Grünen. Bei der nächsten Sitzung des Bezirksausschusses wollen sie die Stadt auffordern, diese „Institution Untergiesings“ zu unterstützen. Denn: „Ein Kiosk, der nur wenige Monate im Jahr bei schönem Wetter gutes Geschäft macht, Mitarbeiter angestellt hat und auch noch vielen Auflagen nachkommen muss, kämpft permanent ums Überleben“, argumentiert Kieweg.

Isabel Steffens

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