Whisky statt Weihwasser

Pfarrer will Münchner durch Spirituose für den Gottesdienst begeistern

Pfarrvikar Wolfgang Rothe feiert jedes Jahr einen Gottesdienst, in dem der schottisch-irische Whisky eine wichtige Rolle spielt. Es ist der am besten besuchte Gottesdienst des Jahres.
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Pfarrvikar Wolfgang Rothe feiert jedes Jahr einen Gottesdienst, in dem der schottisch-irische Whisky eine wichtige Rolle spielt. Es ist der am besten besuchte Gottesdienst des Jahres.

Seine Passion für Whisky möchte Pfarrer Rothe nutzen, um ein breiteres Interesse für seinen Gottesdienst zu wecken und ihnen eine andere Seite der Kirche zu eröffnen.

Perlach – Dudelsackmusik, Trommeln, keltischer Gesang und anschließend eine Whisky-Verkostung – darauf können sich die Besucher des ökumenischen Gottesdienstes freuen, zu dem der Perlacher Pfarrvikar Wolfgang Rothe am Sonntag, 16. Februar einlädt. 

Rothe ist passionierter Whisky-Trinker. Vor einigen Jahren hat er angefangen, seine private Leidenschaft für seinen Beruf als Seelsorger zu nutzen. „Wenn man daran denkt, dass Jesus Wasser in Wein verwandelt hat, ist das eine Steilvorlage“, sagt Rothe. Für Rothe eignet sich Whisky als Gleichnis für das menschliche Leben: „Der Mensch hat oft das Gefühl, dass er beruflich oder privat nicht vorwärtskommt. Im Nachhinein merkt er, dass er in diesen Phasen gereift ist. Auch Whisky muss Jahre in dunklen Fässern ruhen, bis er seine vollen Eigenschaften entfaltet.“ 

Dass Whisky ein Genussmittel ist, steht für Rothe in keinem Widerspruch: „Viele nehmen die Kirche nur noch als Verbotsinstanz wahr, aber Glaube soll das Leben bereichern und hat für mich auch sehr viel mit Genuss zu tun.“ Wichtig sei allerdings die Mäßigung. „Wenn man immer mehr zu sich nimmt, stumpft man ab und kann nicht mehr genießen.“ Das könne man sehr gut mit Whisky vermitteln, meint Rothe. Denn man verkoste nur kleine Mengen. „Man genießt ihn bewusst und mit allen Sinnen.“ Für ihn hat eine Verkostung daher auch etwas meditatives. „Es ist ein Hilfsmittel, um sich Momente der Ruhe schenken zu können“, sagt Rothe. Seine Begeisterung für die Spirituose weckte „die trockenste Sache der Welt, das Kirchenrecht“. 

Vor Jahren lud ihn eine adelige Familie zu einem Beratungsgespräch ein. Davor habe er nicht viel aus Alkohol gemacht. Als nach dem Essen Whisky gereicht wurde, habe er sich nicht getraut, abzulehnen. Und: „Der erste Schluck war eine Offenbarung“, erinnert er sich. Whisky wurde seine private Leidenschaft. Irgendwann bot er dann in seiner Gemeinde ein spirituelles Whisky-Tasting an. Anders als bei anderen kirchlichen Veranstaltungen konnte er sich plötzlich vor Anmeldungen kaum noch retten. „Es spricht ein Klientel weit über die Grenzen der Kirche hinaus an.“ 

Inzwischen organisiert Rothe Whisky-Wallfahrten nach Schottland und die jährlichen Gottesdienste. Er hat zudem Bücher über die Spiritualität des Whisky und die Whisky-Wallfahrten sowie eine Sammlung mit Whisky-Witzen verfasst. Darüber hinaus schreibt er regelmäßig für eine Whisky-Zeitschrift.

Der Gottesdienst beginnt am Sonntag, 16. Februar, um 16 Uhr in St. Michael am Pfanzeltplatz. Anschließend findet ein schottisch-irischer Abend mit Whisky-Verkostung im Pfarrsaal statt.

Andreas Schwarzbauer

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