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Sommerstraße am Alpenplatz: Top oder Flop?

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Anna P. lebt seit 29 Jahren am Alpenplatz. Der Sommerstraße konnte sie nichts Positives abgewinnen. Damit ist sie nicht allein – doch es gibt auch Fans des Projekts. Eine Evalierung steht noch aus.

Für insgesamt acht Wochen war der Alpenplatz als Sommerstraße ausgewiesen. Hallo hat nachgehakt, was die Anwohner zum Konzept sagen und wie es künftig weitergeht.

Obergiesing – Ein Gabelstapler hievt die Blumentröge auf einen Transporter, Bauarbeiter tragen die quietschbunten Plastik-Sitzgelegenheiten weg. Der letzte Tag des Projekts „saisonale Fußgängerzone am Alpenplatz“. „Endlich“, stöhnt Anna P. (Name geändert) auf. Sie ist am Alpenplatz aufgewachsen und lebt noch heute hier. „Ich hatte als Anwohnerin von der Sommerstraße nur Nachteile“, schimpft die 29-Jährige.

Acht Wochen lang war der Alpenplatz eine saisonale Fußgängerzone (Hallo berichtete). Im Vorfeld hatte es Bürgerveranstaltungen gegeben, der Stadtrat hatte die Bezirksausschüsse aufgefordert, Vorschläge für solche Sommerstraßen zu machen, der BA 17 hatte den Alpenplatz vorgeschlagen.

Anwohnerin macht ihrem Ärger Luft

Zumindest Anna P. ist alles andere als zufrieden. Ihre Kritik hat sie in einem 23-seitigen Pdf mit jeder Menge Bilder zusammengefasst: Die Plastikmöbel findet sie nicht schön, schmutzig und zu gefährlich für Kinder, Gästeparkplätze vor dem Restaurant „Alpenhof“ fallen zudem weg, die Blumentröge versperren der Feuerwehr im Ernstfall den Weg und Anwohner, die ein Auto haben, werden nicht mal „entschädigt“, also etwa durch eine andere Parkmöglichkeit. 

Was die Giesingerin besonders stört: „Es hat sich eine Bürgerinitiative gebildet gegen die Sommerstraße.“ Diese habe eine Umfrage durchgeführt, laut der 74 Prozent der Befragten dagegen sind – befragt wurden etwa 500 Menschen, wie die BI angibt.

Ein ganz anderes Bild zeichnet hingegen Rosi Mayer, die ebenfalls am Alpenplatz lebt. Sie empfand die saisonale Fußgängerzone als „Bereicherung“. Dass sich Autofahrer über den Wegfall von Parkplätzen ärgern, sieht sie als eigennützig an und dem Umstand geschuldet, dass jeder am liebsten direkt vor der Haustür parke.

Das wünscht sie sich von der Stadt

„Ich wünsche mir, dass die Stadt daran denkt, dass nicht nur Autofahrer Rechte haben, sondern auch Nicht-Autofahrer, die eine kleine Straße ohne parkende Autos schätzen würden“, sagt Mayer. Für sie steht fest: „Die Sommerstraße hat dazu beigetragen, dass Platz, Straße und Gehweg voll mit spielenden Kindern war.“

Für die einen also ein Erfolg, für die anderen ein Reinfall. Irgendwo dazwischen steht Torsten Müller vom Stadtteilladen. „Ein echtes Fazit gibt es noch nicht“, sagt er. „Der Stadtrat will in Zusammenarbeit mit dem Bezirksausschuss eine ordentliche Evaluierung durchführen, bei der Anwohner detailliert befragt werden.“ Er empfand die Nutzung der Sommerstraße als „friedlich“. 

Auch BA-Chefin Carmen Dullinger-Oßwald ist zufrieden: „Ich bin stolz, dass wir es ausprobiert haben, sicher gab es auch Fehler, aber daraus lernt man.“ Demnach haben sich vor allem junge Familien sehr positiv geäußert. Die BA-Chefin bedauert nur, dass die Stadt nicht etwa das Spielmobil vorbeigeschickt hat und der Zeitraum sehr kurz war. „Mehr wissen wir nach der Evaluierung“, sagt sie.

Hanni Kinadeter

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