Düstere Zeiten für Kids

Seit Jahren ist Mittagsbetreuung im Keller – jetzt reißt den Eltern der Geduldsfaden

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Dunkle Treppen führen hinab in die „Bärenhöhle“.

62 Schüler der Grundschule Martinsried gehen in die Mittagsbetreuung – und damit in den Keller! Ohne künstliches Licht können die Kinder in der „Bärenhöhle“ weder spielen noch lernen.

Martinsried „Nichts hält länger als ein Provisorium“ heißt es im Volksmund. Für die Grundschule Martinsried ist das bittere Wahrheit: Seit fast 15 Jahren ist ihre Mittagsbetreuung, die „Bärenhöhle“, im Keller untergebracht. „Pläne, die Schule baulich zu erweitern, wurden immer wieder verworfen“, erzählt Rektorin Margit Baran-­Lander. 

Unzumutbare Zustände – finden Rektorin Margit Baran-Lander (li.) und Mutter Alexandra Löffler.

Stattdessen sollte die Hausmeisterwohnung im ersten Stock des Nebengebäudes umgebaut werden, sobald dieser in Rente gehe. „Aber jetzt hat die Gemeinde die Räume als Mitarbeiter-Wohnung ausgeschrieben“, weiß die Rektorin. Seitdem läuft der Elternbeirat der Schule Sturm.

„Die Unterbringung ist den Kindern unwürdig“, findet Elternbeirats-Vorsitzende Alexandra Löffler. Ihre Tochter geht in die erste Klasse, mit 61 anderen Schülern verbringt sie täglich etwa vier Stunden im Keller. „Ohne künstliches Licht können die Kinder dort weder spielen noch lernen. Wenn gegessen wird riecht es überall nach Essen, weil man nicht lüften kann“, so Löffler. 

Die Unterbringung im Keller ist für die Kinder ein Grund die Mittagsbetreuung abzulehnen.

Das alles habe erhebliche Auswirkungen auf das Lern- und Konzentrationsverhalten sowie die Psyche von Kindern und Betreuern. Aber auch auf deren Sehleistung. „So wie die Mittagsbetreuung derzeit aufgestellt ist, ist sie für Kinder gesundheitsschädlich“, schlägt auch die Rektorin Alarm. Die Umwidmung der Hausmeisterwohnung hätte es kurzfristig ermöglicht, dass die Kinder bei Tageslicht zumindest Hausaufgaben machen können. Nur mit tageshellen Räumen könne man zudem eine offene Ganztagsschule etablieren, welche sich laut Baran-Lander viele Eltern wünschen. 

Im Keller, in dem die Mittagsbetreuung untergebracht ist, gibt es kaum Tageslicht.

Dass die Gemeinde die Wohnung lieber vermieten will, ärgert sie: „Die Priorität sollte nicht beim Einzelwohl von Mitarbeitern, sondern bei der Schule liegen.“ 

Genau das ist laut Bürgermeister Heinrich Hofmann (SPD) der Fall: Erst Anfang Oktober sei bei einem Runden Tisch die Keller-Problematik mit Schulleitung und Elternbeirat besprochen worden, ein weiteres Treffen sei Mitte November geplant. „Seit 2018 wurde durch den Umbau an der Schule für die Mittags- und Hausaufgabenbetreuung eine Summe von rund 220 000 Euro investiert“, teilt der Bürgermeister zudem mit. 

Tatsächlich ist laut Löffler der Boden vor der Mittagsbetreuung abgegraben worden, so dass ein Raum eine Terrassentür und Fenster erhalten habe. Ein zweiter Raum sei noch im Umbau. Die Mutter fordert aber eine konkrete Aufstellung der Kosten und dass der zweite Runde Tisch öffentlich stattfindet. „Es wird nur an Symptomen herumgedoktert“, empört sich auch Gemeinderat Christian Haugg. Seine FDP-Fraktion hat beantragt, dass die Verwaltung eine Planung und Kalkulation für eine „kindgerechte und zeitgemäße Unterbringung“ erstellt. 

„Wir wollen Klarheit, welche Optionen es tatsächlich gibt.“ Die Grünen forderten Planeggs Bürgermeister in einem offenen Brief dazu auf, der Mittagsbetreuung die gewünschten Räume zu überlassen. 

Romy Ebert-Adeikis

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