Vom Bühnenstar zur Bittstellerin

Schicksalsschläge und Hartz IV: Bettina Kenter-Götte spricht über ihr Leben

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Diese Dame weiß wovon sie spricht: Trotz rosiger Karriereaussichten, stürzte sie tief – und kämpfte sich zurück ins Leben.

Ihre Geschichte bewegt: Nach einer Krankheit lebte die erfolgreiche Schauspielerin Bettina Kenter-Götte von Hartz IV – nun spricht sie darüber in Harlaching.

Harlaching – Bettina Kenter-Götte weiß, wie es sich anfühlt, wenn man auf Spenden angewiesen ist. Die 68-jährige Schauspielerin kann sich genau daran erinnern, was für ein Gefühl das war, als sie das erste Mal in ihrem Leben Lebensmittel von der Tafel holte.

„Es war sehr schwer erträglich“, sagt sie. „Ich hatte das Gefühl, mir schlägt die Armut von mehreren Jahrtausenden entgegen.“

Dabei hatte ihre Karriere erfolgreich begonnen: Sie stand stand mit Romy Schneider, Willy Millowitsch und Monica Bleibtreu vor der Kamera, war eine gefeierte und preisgekrönte Schauspielerin. Doch dann wurde Bettina Kenter-Götte, die im Umkreis Münchens lebt, schwanger. „Ich war von Anfang an alleinerziehend“, erzählt sie.

Schicksalsschläge zehrten an finanziellen Rücklagen

Um sich um ihre Tochter zu kümmern, musste sie beruflich zurückstecken. Als sie Jahre später dann erkrankte – eine schwere Form von Rheuma sowie mehrere Operationen setzten sie beinahe fünf Jahre außer Gefecht – waren ihre finanziellen Rücklagen schnell aufgebraucht.

Und Kenter-Götte wurde zur HartzIV-Bezieherin. Erst nach einer Weile erkannte sie: „Die Beschämung kommt von außen. Um meine Würde zurückzugewinnen, musste ich darüber sprechen und der Armut eine Stimme geben.“ 

Verpönt sei es nämlich in ihrer Branche, über die schlechten Arbeitsbedingungen und Löhne zu sprechen – vor allem Frauen hätten es sehr schwierig. So begann die Schauspielerin zu schreiben. Unter anderem das Buch „Heart’s Fear – HartzIV – Geschichten von Ausgrenzung und Armut“, in dem sie diese schreckliche Episode in ihrem Leben verarbeitet hat. 

Noch heute wird sie wütend, wenn sie an einige Situationen zurückdenkt. „Die Leute werden auch willkürlich sanktioniert – das sind Hungerstrafen“, schimpft sie. Wer Anträge nicht fristgerecht oder auch zu früh einreicht wird demnach sanktioniert – und bekommt weniger Geld. Betroffen sind nicht wenige: Allein in München leben mehr als 47 500 Menschen von Hartz IV.

Erzählungen ihrer Leser bewegen sie zutiefst

Die Geschichten, die Menschen ihr auf ihrer Lesereise erzählt haben, sind noch schlimmer, erzählt sie und denkt zum Beispiel an eine junge Frau, die im fünften Monat schwanger war. „Da hat ihr Fallmanager ihr doch glatt gesagt, sie solle jetzt noch nicht daran denken, Babyausstattung zu beantragen – es könnte ja eine Totgeburt werden.“

Für Bettina Kente-Götte zumindest ist jenes Kapitel abgeschlossen. „Heute bin ich gesund, habe deshalb auch wieder gut zu tun, bekomme außerdem Rente – und 2015 habe ich sogar geheiratet“, erzählt sie. Kennen gelernt hat sie ihren Mann übrigens auf einer Veranstaltung zu HartzIV – ein Journalist, der sie interviewen wollte.

Hanni Kinadeter

Die SPD Harlaching hat Kenter-Götte am Dienstag, 24. September, zum Gespräch/Diskussion mit Stadtrat Christian Müller ins Gasthaus Gartenstadt, Nauplia­straße 2, geladen. Ab 19 Uhr, Eintritt frei.

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