Der mit dem Adler tanzt

Greifvogel-Jagd in München: Dieses Duo vertreibt Tiere, die Schaden anrichten

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Wolfgang Schreyer trainiert seit 50 Jahren mit Greifvögeln. Im Moment hat er elf Tiere. Am Samstag tritt er am Waldfest im Perlacher Forst auf.

Der Stadtjäger und sein anhänglicher Adler: Wolfgang Schreyer, Vollzeit-Falkner aus Leidenschaft, und sein geliebter Schorsche sorgen vom Münchner Himmel aus für Ordnung in der Stadt.

Harlaching – Majestätisch, ganz leise gleitet der Steinadler über den Himmel. Seine scharfen Augen leuchten gelb, verfolgen wachsam jede Regung auf dem Erdboden. „Meine Greifvögel sind klug“, sagt Wolfgang Schreyer. „Sie erkennen, wenn Kaninchen alt, krank oder schwach sind.“

Immer, wenn Kaninchen, Füchse oder Krähen in der Stadt ihr Unwesen treiben und eine Überbevölkerung droht, dann wird Schreyer geholt: Er ist ein Jäger der Stadt. Er ist einer von gerade mal vier Falknern aus dem Raum München.

Mit elf Jahren hatte er zum ersten Mal einen Greifvogel auf seinem Arm. Heute, mehr als 50 Jahre später, ist er selbständiger Falkner, der etwa Schulklassen informiert oder Flugvorführungen – wie am Samstag, 22. Juni, beim Sommerfest des Perlacher Waldes. „Ich bin Falkner aus Leidenschaft“, sagt er ganz klar. Und: „Ich hänge an meinen Tieren.“ 

Schreyer pflegt eine innige Freundschaft mit seinen Tieren

Schorsche, der majestätische Steinadler etwa, ist seit knapp 15 Jahren bei dem Falkner. Ein großes, kraftvolles Tier – diese Vögel erlangen eine Spannweite von bis zu zwei Meter dreißig. Kaum vorstellbar, dass Schorsche zu schreien anfängt, wenn Schreyer ihn holt.  „Er ist wahnsinnig anhänglich“, sagt Schreyer. „Ich bin quasi mit ihm verheiratet, das ist wirklich einzigartig, wie anhänglich der Schorsche ist“, erzählt er. Nicht alle Greifvögel bauen eine Beziehung zu den Menschen auf – umgekehrt aber schon: „Der Mensch baut immer eine Bindung auf.“

Eine innige Freundschaft verbindet ihn auch mit Burgl, seinem Habichtweibchen, mit dem er ab September jedes Jahr jeden Tag auf der Jagd ist. Jagen, mit Vernunft und Maß, das ist Schreyers Berufung.

Schreyer unterhält eine innige Freundschaft mit seinem Habichtweibchen Burgl.

Sinnlos hingegen befand Schreyer die Jagd auf Tauben in den Stachus-Untergeschossen. Als er angefragt wurde, ob er das machen wolle, sagte Schreyer nur: „Was soll der Blödsinn?“ Denn, so begründet er, heute, eineinhalb Jahre nachdem ein Falkner aus der Nähe von Günzburg mit seinem Wüstenbussard-Weibchen Hillary die Tauben jagte, sind sie doch sowieso wieder da.

Für Schreyer indes stand damals fest: „Ich fliege meine Vögel nicht am Stachus, das kann bei den Menschenmassen gefährlich für den Vogel werden und gebracht hat das Ganze gar nichts – das war von vornherein klar.“

Sein Ziel: Das Wissen an die neue Generation weitergeben

Es ist nicht nur die Liebe zu den Greifvögeln, die Schreyer seinen Job gerne machen lässt. Es ist auch die Unkenntnis vieler Stadtkinder. Früher, als er noch nicht mit seiner Show selbständig war, arbeitete er im Jagdmuseum und ging immer wieder in Schulen, um sein Wissen weiterzugeben.

Und an einen Tag erinnert er sich ganz genau, 1997 war das. „Da waren 28 Kinder in der Klasse, Zweitklässler. Ich habe sie Kühe malen lassen. Fünf Kinder malten lilafarbene Kühe.“ Darüber kann Schreyer, der Falkner, Jäger und Fischer ist, nur den Kopf schütteln. „Da dachte ich mir: Wenn wir das Wissen nicht weitergeben, wer denn dann?“, erzählt er. Und hat kurze Zeit später aus seinem Traum einen Vollzeit-Job gemacht. Seine Tochter, Sandra, 25 Jahre alt, unterstützt ihn. Ein Umstand, den Schorsche mit Argusaugen registriert.

Hanni Kinadeter

Das Waldfest

Der Perlacher Forstverein lädt am Samstag, 22. Juni, ab 15 Uhr auf die Wiese neben dem Münchner Kindlheim, Oberbiberger Straße 45. Programm: Greifvogelshow, Geschichten von der „Dummen Augustine“, Spiele für Kinder, die „Unterbiberger Hofmusik“, Grillen und Schmankerl.

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