Öko-Weltreise

Zehn Länder, drei Tage, ein Tandem - und trotzdem München

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Tommy Schmidt (2.v.l.) tourt mit dem Spezialrad durch München – zu Ägyptern, Japanern und vielen mehr.

Eine Öko-Weltreise: Wie man emissionsfrei um den Globus reist, zeigt Künstler Tommy Schmidt mit seinem „speziellen“ Tandem.

Giesing – Vier Kontinente, in drei Tagen, mit dem Fahrrad, ohne CO2-Emissionen – das verspricht Aktionskünstler Tommy Schmidt. „Man muss gar nicht weit wegfliegen“, sagt er. „München ist so multikulti, hier gibt es alle Nationalitäten.“

Deswegen hat er ein Tandem für zehn Mitfahrer bei den Pedalhelden angeheuert und ist quasi um die Welt geradelt – zu Isländern, Neuseeländern und Nepalesen, allesamt Menschen, die in München leben, aber ihre Kultur und Brauchtümer weiter zelebrieren. Die Idee ist dem Giesinger ganz spontan gekommen. Nachdem ein Nachbar, der aus Russland stammt, ihn zu sich nach Hause eingeladen hatte.

Impressionen der Radl-Tour

 © hki
Ägyptische Spezialitäten © hki
Alter Koffer aus Paraguay © hki
Besteck für Matetee © hki
Bild von Patricia Wich - Bayerin mit Mate © hki
Bild von Patricia Wich - Traditionelles Paraguaygewand © hki
Ehemann von Rasha Ragab mit einer traditionellen Wasserpfeiffe © hki
Gemälde von Patricia Wich © hki
Typischer Maiskuchen aus Paraguay © hki
Toshio Kusaba als DJ © hki
Traditionelle Bluse aus Paraguay © hki
Verschiedene Sorte Mate-Tee aus Paraguay © hki
Traditionelle Wasserpfeiffe © hki

Mit ihm hat er nicht nur Wodka gebechert, sondern auch den Klängen des Rote-Armee-Chors gelauscht, russische Gerichte gekostet und allerhand über Kultur, Politik und Geschichte des Landes erfahren. „Sicher mehr als Pauschal-Touristen“, meint Schmidt. Mit seiner Weltreise auf dem Rad will er vor allem inspirieren. „So eine Reise kann ja jeder machen.“ hki

Auf einen Mate-Tee nach Paraguay

Paraguay liegt im Werksviertel – und zwar im Atelier der Künstlerin Patricia Wich. Vögel zwitschern, Palmblätter rauschen im Wind, Insekten surren – die drückende, tropische Hitze ist nahezu spürbar. Im Hintergrund läuft ein Kunstfilm, den die 40-Jährige im Garten der Eltern in Paraguay drehte.

Die Künstlerin Patricia Wich

Zu sehen: Eine Hochzeitstorte, an der über vier Wochen hinweg Kolibris, Bienen und Käfern so lange knabbern, bis das Innere der Torte zum Vorschein kommt. Nämlich Styropor. „Typisch für unsere Gesellschaft“, kritisiert Wich. Um Eindruck zu schinden, gibt es auf Festen etwa pompöses Backwerk im Übermaß – nur, dass man es nicht essen kann. „Alles nur Schein.“ Was hingegen echt ist: der Mate-Tee. „Er fehlt mir hier, deswegen lasse ich ihn mir immer schicken.“

Trance und Pfeife in Ägypten

Tamburin, laute Trommeln, Gesang und das Klirren von Schellen – so klingt die ägyptische Zar-Musik, die einst „erfunden“ wurde, um Frauen von Depressionen zu heilen. Sie tanzen sich solange in Trance, bis sie umkippen. Das, so zumindest der Brauch, soll Linderung verschaffen. Für die Weltreise-Gruppe blieb es aber beim Zuhören.

Rasha Ragab, war Kuratorin des Ägyptischen Museums in Kairo.

Statt zu tanzen serviert Rasha Ragab (48) – die in einer Schwabinger Dachgeschosswohnung lebt und bis vor wenigen Jahren Kuratorin des Ägyptischen Museums in Kairo war – einheimische Spezialitäten und Hibiskustee, im Hintergrund blubbert eine Wasserpfeife. Und sie berichtet aus ihrer Heimat: von Korruption, vom arabischen Frühling und davon, wie schlecht Frauen in dort gestellt sind.

Japan: Ein Dorf ohne Müll

Seit 37 Jahren lebt Toshio Kusaba (63), der auf der japanischen Insel Kyushu geboren wurde, in Deutschland. Das passt, denn bereits während des Kunststudiums stellte er fest: „Japan ist stark von Deutschland und Europa beeinflusst.“

Toshio Kusaba: DJ, Musiker, Gastronom und Künstler.

Die japanische Nationalhymne hat ein Deutscher komponiert und auch in der Kunst sind die Einflüsse zu spüren. In Sachen Recycling könnten die Japaner aber etwas von den Münchnern lernen, findet der DJ, Musiker, Gastronom und Künstler. Richtig stolz berichtet er allerdings von dem Dorf Kamikazu: Hier wird alles, wirklich alles, wieder verwertet – ein Dorf ohne Müll.

Lesen Sie hier die News au Münchens Vierteln

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