Hat es sich ausgeblüht?

Das große Blumensterben – Warum immer mehr Münchner Floristen schließen

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„Der Laden war mein Baby“, sagt die Floristin Petra Schuhbeck. Nun muss sie nach 60 Jahren schließen.

Ausgeblüht? Wieso ständig Floristen in der Stadt dicht machen und wie sich die Viertel dadurch verändern. Hallo weiß die Hintergründe...

München – Ein trauriger Moment für Petra Schuhbeck. „Der Laden war mein Baby“, sagt die Floristin. Pflanzen, Töpfe, Kartons und Ordner stehen querbeet im Raum, es sieht aus wie im Schlussverkauf. 

Aber hier ist wirklich Schluss: Nach mehr als 60 Jahren schließt der „Blütenduft“ in Haidhausen nach dem 1. Advent für immer seine Pforten. Stattdessen eröffnet dort ein Handyladen. 

„Der Vermieter wollte keinen Floristen mehr“, erzählt die 61-Jährige. Schuhbeck ist nicht die einzige. Ein paar Meter weiter, in Obergiesing, stehen gleich drei Blumenläden leer. 

Die Konkurrenz durch große Konzerne sei zu groß. Oder die Mieten zu teuer. Neubauer muss ihren Blumenladen nach 60 Jahren schließen.

Einer gegenüber des Ostfriedhofs – der Betreiber fand keine Mitarbeiter, heißt es – ein anderer in der Tegernseer Landstraße und ein dritter Geisterladen in der Deisenhofer Straße. „Das sind keine Einzelfälle“, sagt Bernd Ohlmann vom Bayerischen Einzelhandelsverband. 

„Viele familiengeführte Traditionsbetriebe in der Stadt müssen schließen.“ Den einen fehle der Nachwuchs – die Zahl der Azubis sinkt seit Jahren. Die Konkurrenz durch große Konzerne sei zu groß. Oder die Mieten zu teuer. 

Die Traditionsgeschäfte gehören eigentlich zum Stadtteilbild

„Für einen alteingesessenen Stadtteil wie Giesing ist das natürlich schade“, findet Ohlmann. „Die kleinen Traditionsgeschäfte gehören eigentlich zum Stadtteilbild, oft kennt man sich über Jahre.“ Davon kann auch Schuhbeck berichten. 

„Der Blumenladen war hier in Haidhausen schon eine Institution, bevor ich ihn vor 22 Jahren übernommen habe“, sagt sie. „Viele Kunden erzählen mir, dass der Laden für sie oft ein fixer Treffpunkt ist, von dem aus sie dann gemeinsam spazieren oder einkaufen gehen.“ 

Doch die Blütezeit der Branche scheint vorüber zu sein: Personal ist echte Mangelware. Haben 2009 noch knapp 70 Lehrlinge ihre Ausbildung zum Floristen beendet, waren es im Vorjahr gerade mal 42, teilt die IHK auf Hallo-Anfrage mit. 

Petra Schuhbeck schließt demnächst – 60 Jahre lang war der Laden eine Institution im Viertel.

Ähnliches wird möglicherweise auch Anneliese Schmidl blühen. Erst musste sie ihren Laden in Sendling schließen, weil der Vermieter die Räume nicht länger an einen Floristen verpachten wollte. 

Nun eröffnet sie nach monatelanger Pause einen neuen Laden in Giesing. Aber: „Meine Tochter hat mir jetzt schon gesagt, dass sie den Laden nicht betreiben will“, berichtet die 52-jährige Blumenhändlerin. 

Viele Floristen gehen in zehn, 15 Jahren in Rente.

Wenn es nach dem Fachverband der Floristen geht, ist Schmidl ein typisches Beispiel. „Viele Floristen gehen in zehn, 15 Jahren in Rente – und wenn nicht gerade eigene Kinder das Geschäft übernehmen, machen sie zu“, sagt Roland Maierhofer vom bayerischen Floristenfachverband. 

„Vielen jungen Menschen ist das Gehalt in der Branche zu schlecht.“ Die Groß- und Supermärkte führten zu Preisdumping. Und: „Wenn es den Menschen schlecht geht, sparen sie natürlich eher bei den Blumen als bei Lebensmitteln“, erklärt Maierhofer. 

Stattdessen müssten Blumenhändler ihr Geschäft verlagern und sich etwa auf Trauerfeiern oder Hochzeiten spezialisieren – da sei die Nachfrage stabiler.

Hanni Kinadeter

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