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Alles rund um den Ausbau des Grünwalder Stadions

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Das Grünwalder Stadion bewegt die Gemüter.

Wie geht es mit dem Grünwalder Stadion weiter? Die Sorgen der Anwohner, der Plan zum Ausbau und Patzer bei der Infoveranstaltung – Hallo informiert über den derzeitigen Stand.

Die Sorgen und Nöte der Anwohner zum geplanten Stadion-Ausbau

Untergiesing – In der Nachbarschaft ist es ein echtes Aufregerthema: Der Ausbau des Grünwalder Stadions auf 18 060 Plätze. Schon jetzt, mit 15 000 Zuschauern, haben einige Anwohner es nämlich satt. Von ihrer Seite hagelte es nur so von Kritik an dem Infoabend in der Turnhalle in der Säbener Straße. „Die Fans bieseln auf den Kinderspielplatz“, schimpfte einer. „Mit dem lauten Getrommel muss ich alle Fenster schließen“, klagte ein anderer. Und Falschparker und Absperrungen hielten sie davon ab, ihre Einkäufe und ähnliches zu erledigen. 

Nur die vorderen Reihen der Turnhalle in der Säbener Straße waren gefüllt. Die meisten Plätze blieben leer. Den Grund dafür sehen manche in der miesen „Informationspolitik der Stadt“. 

Es kommt noch schlimmer: Bei einem Anwohner sollen sogar Bierbecher durchs Fenster geflogen sein. Ein ganz anderes Bild zeichnete jedoch Harald Schertler von der Giesinger Polizeiinspektion. „Man muss die Fans loben“, sagte er. Denn: „Es gibt keine großen Sicherheitsstörungen, keine Provokationen oder Schlägereien. Wären die Fans nicht so anständig, wäre die Situation viel schlimmer.“ Für die Anwohner glich das einer „Beschönigung“, wie einer schimpfte. Er erhielt Unterstützung von einem weiteren Nachbarn, der meinte, man müsse „gerichtlich prüfen lassen“, ob die Trommeln als „mechanisch betriebenes“ Instrument nicht ohnehin verboten seien. 

Ein Trommelverbot ist für Michael Scharold, Geschäftsführer beim TSV 1860, indes unvorstellbar. „Ich kann Ihnen nicht versprechen, dass wir das Trommeln abschaffen – das ist unrealistisch. Ich kenne kein Fußball ohne Trommeln.“ Vielmehr ginge es ihm zufolge doch um die Frage: „Ob wir eine Gemeinschaft oder ein Gemeinschaftsgefühl schaffen wollen.“ 

Michael Scharold, Geschäftsführer des TSV 1860 München.

Ihm zu Hilfe kam eine andere Anwohnerin aus der ­Waldeckstraße – ein bekennender Fußballfan – die sich zur Wort meldete. „Beim Fußball kommen Menschen aus allen Schichten zusammen“, sagte sie. „Deswegen würde ich die Anwohner um mehr Toleranz bitten und darum, eigene Wünsche auch mal hinten anzustellen.“ Ein Schlagabtausch, bei dem mehrere Perspektiven aufgezeigt wurden. Nun können Anwohner ihre Anregungen und Einwände beim weiteren Beteiligungsverfahren einbringen. 

Die Affäre „Geheimhaltung“

Giesing – Ist die Infoveranstaltung mit Absicht geheim gehalten worden? Das munkelten Kritiker schon im Vorfeld. Denn offenbar waren etliche Einladungen gar nicht bei den Nachbarn angekommen. Kein Wunder also, dass von den 970 Plätzen in der Turnhalle an der Säbener Straße gerademal 100 bis 110 belegt waren und die hinteren Reihen alle leer geblieben waren. Diese Zahl bestätigte ein Mitarbeiter der Sicherheitsdienstes gegenüber Hallo.

Gleich mehrere Anwohner taten ihren Ärger darüber kund, dass sie nur über Nachbarn davon erfahren hatten und absichtlich nicht eingeladen worden waren. Ein Umstand, den Sportreferentin Beatrix Zurek, entschieden zurückwies. „Ich möchte diese Behauptung ein für alle mal ausräumen“, sagte sie. Das Referat für Sport und Bildung (RBS) hat demnach 9000 Einladungen versandt. Dass diese nicht angekommen seien, läge an der Zustellerfirma, wie Zurek betonte. Wer die Zustellerfirma ist, gab sie aber nicht bekannt. 

Sportreferentin Beatrix Zurek.

„Dann muss man diese Firma vielleicht mal überprüfen“, kritisierte Viertelpolitikerin Melly Kieweg vom BA 18. Sie hatte schon im Vorfeld Alarm geschlagen. Denn: „Ich habe einige Tage vorher nur erfahren, dass es eine interne Veranstaltung ist. Keiner von uns aus dem BA ist offiziell eingeladen worden. Das geht so nicht.“ Auch BA-Kollege Andreas Babor (CSU) stimmte ihr zu: „Es drängt sich der Verdacht auf, als hätte das Referat kein Interesse gehabt, möglichst viele Bürger zu erreichen.“ 

Der Plan zu Stadionausbau

Giesing – Matthias Schöner vom Architekturbüro „Albert Speer und Partner“ ist der Mann, der die Pläne zum Ausbau federführend erstellt hat. Der Projektleiter ist selbst bekennender Fußballfan und hat schon mehrere Stadionausbauten begleitet – etwa in Krefeld oder Regensburg. 

Matthias Schöner vom Architekturbüro „Albert Speer und Partner“

„Das Projekt macht mir sehr viel Spaß“, sagte er zu Hallo und bedauerte: „Schade, dass nicht so viele Menschen zur Veranstaltung in der Säbener Straße gekommen sind.“ Sein Plan für den Ausbau sieht so aus: „Die größte Änderung ist die Überdachung“, sagte Schöner. Mit einem Dach will er einerseits erreichen, dass das Stadion fit für die zweite Liga wird. Andererseits soll es die Anwohner vor dem Lärm schützen. „Die Schallsituation verbessert sich, obwohl 3000 Zuschauer mehr im Stadion sitzen“, sagte Schöner in seinem Vortrag in der Säbener Straße

Eine Überdachung der Ost- und Westseite, neue Zugänge und andere Platzverteilungen sind geplant. 

Die Ostseite soll künftig also überdacht werden und einen Oberrang erhalten. „Damit kann man die Tiefe voll ausnutzen“, so der Projektleiter. Außerdem seien die klassischen Logen in jedem modernen Stadion gang und gäbe – mit dem Oberrang könne auch das Grünwalder Stadion wieder mit den Standards mithalten. 

Auch die Westseite soll den Plänen zufolge überdacht werden. Außerdem soll es nach einem möglichen Umbau weniger Stehplätze in der Westkurve geben: Statt bislang 8800 nur noch 7700. „Aktuell ist die Zahl an Stehplätzen relativ hoch“, sagte er. In der Ostkurve hingegen wird sich die Zahl der Stehplätze nahezu verdoppeln: von mehr als 1500 auf gut 2970. An der Südseite des Stadions sind ebenfalls große Änderungen geplant: „Die Fassade soll geschlossen werden“, berichtete Schöner. Damit entstehe ein Schallschutz, das Dach schütze die Besucher vor Regen. 

Nicht nur das – auch die Zugänge an der Südseite sollen verändert werden. Statt Eingängen für Zuschauer soll es hier nur noch Eingänge für Spieler, Offizielle und Medienvertreter geben. „Damit wird die Volckmerstraße deutlich entlastet“, betonte Schöner. Denn den Berechnungen zufolge nutzen dann etwa 1200 Zuschauer weniger als bislang die Eingänge an der Südseite.

 Auch die Haupttribüne soll eine Frischekur erhalten. An der Nordseite will Schöner mehr Platz für „Hospitality“-Bereiche schaffen, sprich für Standl mit Essen und Getränken. Zwar hatte der Auftrag gelautet, einen Ausbau für 18 060 Zuschauer zu prüfen, doch das Architekturbüro hat als Grundlage die Zahl der absoluten Obergrenze genommen: 18 105. „Kapazität für mehr Zuschauer gibt das Stadion nicht her“, sagte Schöner. 

So Sieht der Plan von Matthias Schöner für das Grünwalder Stadion aus.

Das hatte man früher offenbar anders gesehen: Wie ein Vortrag über die Historie des Stadions am Abend zeigte, hat das Stadion an der Grünwalder Straße 1925 etwa 20 000 Zuschauerplätze geboten. Der absolute Zuschauerrekord lag 1949 bei 58 200 Menschen. Zwar soll sich die Lärmsituation künftig für die Anwohner „deutlich bessern“, wie Schöner betonte. Jedoch stellte er auch klar: „Dass der Lärm komplett im Stadion bleibt, das wird nie gelingen.“ 

Beteiligungsverfahren, Stadtrat: So geht es weiter

Wie die Verwaltung betonte, gehe es derzeit nicht um einen Antrag, sondern um einen Vorbescheid. Dieser soll im zweiten Quartal an den Stadtrat gehen, damit er darüber entscheiden kann. Wer von dem Ausbau betroffen ist, kann zwischen Freitag, 24. Januar, und Montag, 24. Februar, die Pläne in der LBK, Blumenstraße 19, Zimmer 438, einsehen und Einwände schriftlich einreichen.

Hanni Kinadeter

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