Entwürfe ausgestellt

SEM: Streit um Bebauung spitzt sich zu – Bündnisse sind uneins wie nie

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Hans Oberfranz bei seinen Äckern, auf denen gebaut werden soll. Einen Konsens unter den Akteuren gibt es nicht.

Wohnraum oder landwirtschaftliche Nutzfläche? Die hitzigen Debatten um die SEM halten München seit langem in Atem. Nun werden zehn Entwürfe für Baumaßnahmen vorgestellt – Streit ist vorprogrammiert.

Daglfing – So könnte das neue Viertel aussehen: Zehn Entwürfe werden am Freitag, 19. Juli, für die Grundstückseigentümer ausgestellt, am Samstag für die Bürger. Eigentlich, um die Bürger und die Öffentlichkeit so gut wie möglich zu beteiligen (Hallo berichtete) – doch statt zu schlichten, bewirkt die Ausstellung gerade vor allem eins: Ärger. 

„Ich verstehe nicht, warum nicht in unserem Viertel ausgestellt wird“, kritisiert Daniela Vogt vom Bündnis Nordost, einem Zusammenschluss von 1800 Bürgern aus dem 13. und 24. Stadtbezirk (Hallo berichtete). Die Einladungen seien viel zu kurzfristig rausgegangen, klagt sie. „Das muss man doch planen können.“

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SEM längst Wahlkampfthema

Auch in Politik und Verwaltung brodelt’s. Die Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) ist längst Wahlkampfthema: Während Robert Brannekämper (CSU) schon jetzt mindestens sechs Verstöße im Wettbewerbsverfahren entdeckt haben will, wettert die SPD dagegen, dass er Bürgerbeteiligung erschwere. Das Bündnis Nordost hingegen schießt gegen die Grünen, die sie für den Erhalt der Grünflächen zur Verantwortung ziehen will.

Für Hans Oberfranz, dessen Familie seit Jahrzehnten in Daglfing Landwirtschaft betreibt ist das mehr als ein Wahlkampfthema: Wo heute seine Gerste wächst und seine Pferde grasen, soll eines Tages gebaggert und gebaut werden. Ab 2030 entstehen im Münchner Osten immerhin Wohnungen für mehr als ­­30­­­ 000 Menschen sowie 10 000 Arbeitsplätze. Er fürchtet das Aus seines Betriebs. 

„Wir bleiben dran“, sagt Oberfranz, der sich für das Bündnis Heimatboden engagiert. „Aber ich fürchte, es ist zu spät.“ Im Norden hatte Heimatboden dazu beigetragen, dass die Pläne gekippt wurden (Hallo berichtete).

Daglfing habe andere Voraussetzungen als SEM Nord

Dieses Gebiet ist betroffen.

In Daglfing scheint es anders: „Dort gibt es viel weniger Landwirte“, sagt Christian Stupka, Mitinitiator des Bündnisses ProSEM. Und für ihn ist außerdem klar: „Die Politik muss endlich vernüftig mit den Eigentümern reden und Klarheit schaffen. Sie sollen entweder eine Ausgleichssumme oder Grundstücke an einem anderen Ort bekommen.“ 

Als Vorbild für die Umsetzung einer SEM sieht er Freiburg. Deswegen hat Stupka einen Referenten geladen, der nun vorstellte, wie man dort die SEM umsetzte – und zwar offenbar zur Zufriedenheit der Bürger. Trotz der vielen Zerwürfnisse ist Stupka nämlich der Meinung: „Wir wollen in vielen Punkten genau das Gleiche wie die SEM-Gegner.“ Sprich, den Erhalt von möglichst viel Grün, bezahlbaren Wohnraum und ein attraktives Viertel. „Das kann das Quartier beleben“, ist er überzeugt. 

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SEM Gegner sehen Handlung „gegen den Willen der Bürger“

Was die Gegner betrifft, muss aber wohl noch einiges mehr an Überzeugungsarbeit geleistet werden. „München wirbt auf allen Immobilien-Messen, dass man hier gewinnbringend investieren kann“, ärgert sich etwa Oberfranz. „Da braucht man sich nicht wundern, dass alles so teuer ist. Ich glaube auch nicht, dass hier bezahlbarer Wohnraum entsteht.“ Für ihn steht fest: „Aus der Sache wird ein juristischer Streit.“ 

Die Daglfingerin Daniela Vogt ist ebenfalls hörbar genervt: „Es macht mich sprachlos, dass gegen den Willen der Bürger gehandelt wird – abgesehen davon, dass wir überhaupt keine Verkehrs-Infrastruktur für so etwas haben. Bauen, bauen, bauen – das kann doch so nicht weitergehen.“

Hanni Kinadeter

Die Ausstellung

Wer die Entwürfe sehen will: Ausstellung am Samstag, 20. Juli, 10 bis 14 Uhr im Isarforum des Deutschen Museums, Museumsinsel 1. Fotos und Videos verboten, Anmeldung unter dialog@dragomir.de ist erforderlich.

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