Viertel-Mutter mit Mumm hört auf

40 Jahren Lokalpolitik – Jetzt dankt Haidhausens BA-Chefin ab

Adelheid Dietz-Will – als Frischling im BA 1982 (o.) und heute. Neu im BA setzte sie sich für eine Verkehrsberuhigung des Wiener Platzes ein, den früher drei Straßen querten.

Seit 20 Jahren leitet Adelheid Dietz das Gremium, zuvor war sie Stadträtin. Damit ist jetzt Schluss. Die SPDlerin will nächstes Jahr nicht mehr kandidieren. Warum ihr das gar nicht schwer fällt, welche Kämpfe sie austrug und was politische Gegner sagen...

Au-Haidhausen – Ordner, stapelweise Ordner. Und Kisten auf denen steht: Maximiliansanlagen, Prinze oder Paulaner – einen ganzen Raum füllen die Unterlagen, die Adelheid Dietz-Will in den vergangenen 40 Jahren angesammelt hat. 

Chronologisch geordnet stehen die Ordner im Regal, andere sind schon in Kisten verpackt. Denn Adelheid Dietz-Wills Tage im Direktorium sind gezählt. Nach 40 Jahren Engagement im Viertel lässt sich die Sozialdemokratin nicht mehr für den Bezirksausschuss aufstellen. 

Für die Viertelpolitikerin, die auch im Stadtrat war, ist das eine einfache Entscheidung. „Ich brauche auch ein Leben für mich und meine Familie“, sagt sie. Um jede freie Minuten für gemeinsame Zeit musste sie stets Ringen. 

Als Adelheid Dietz-Will Mitglied im Bezirks­ausschuss wurde, war die Au noch nicht einmal Teil des fünften Bezirks – das war 1981.

„Jeden Freitag sind wir aufs Landgefahren – egal, wie spät es war“, erzählt Dietz-Will. „Und wenn es zwei Uhr nachts war und unser Kind schon schlief – wir sind gefahren.“ Ähnlich konsequent war sie im Bezirksausschuss – den sie 20 Jahre leitete. 

„Dietz-Will ist wirklich zäh und hat einen eigenen Kopf“, sagt etwa Herbert Liebhart, der selbst bereits seit 34 Jahren in dem Gremium sitzt und lange mit der Sozialdemokratin zusammengearbeitet hat. 

„Früher war unsere Zusammenarbeit eher holprig, wie das so bei politischen Gegner eben ist“, sagt der CSUler und erinnert sich an so manchen Streit. „Aber man kann ihr nicht absprechen, dass sie sehr viel für den Stadtteil erreicht hat.“ Etwa, dass am Wiener Platz keine Autos mehr fahren. 

Das war in den 80er Jahren anders: 

„Der Platz hatte drei Zufahrten, ständig fuhren Busse darüber – und die Emissionen waren grauenhaft“, sagt sie. Zudem hätten die Standl abgerissen werden sollen – wenn nicht Dietz-Will mit ihren BA-Kollegen und Anwohnern Alarm geschlagen hätte. 

Das ist es auch, was für Dietz-Will Erfolg bedeutet: „Wenn die Bevölkerung mitmacht und sich beteiligt.“ Die zentralen Themen ihrer Gremiumsarbeit: Verkehr und Sanierung. Zum einen waren da die vielen Autos, Parkplätze und der Durchgangsverkehr. 

„Mit der Fußgängerzone am Weißenburger Platz, mehreren Einbahn- und Fahrradstraßen und dem Umstand, dass wir Grünanlagen wie am Johannisplatz erhalten konnten, haben wir im Viertel eine Verkehrberuhigung erreicht“, sagt sie. 

Verliert das Viertel seinen Kampfgeist?

Auch die Sanierungen haben sie bis heute begleitet – zuletzt mit dem großen Bauprojekt am ehemaligen Paulaner-Gelände. „Nur durch unser Aufbegehren konnten Hochhäuser an der Hangkante verhindert werden“, berichtet die Viertelpolitikerin. 

Gleichwohl sieht sie den Bau der luxuriösen, hochpreisigen Immobilien ziemich kritisch. „An Wohnraum für Normalverdiener ist in unserem Viertel sehr viel verloren gegangen“, bedauert Dietz-Will. Überhaupt sei die Bevölkerung im Viertel heute eine ganz andere. 

Auch die Zukunft betrachtet sie mir Sorge: „Wir konnten verhindern, dass die Maximiliansanlagen mit Gastro zugebaut werden. Aber das Thema kommt wieder“, ist sie überzeugt. Nur dann ohne die zähe Sozialdemokratin. 

Hanni Kinadeter

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