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Um die 130 Wohnungen sollen entstehen, darunter viele Kurzzeit-Apartments – BA lehnt Letzteres ab 

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Von: Katrin Hildebrand

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Das Haus an der Gallmayer­straße soll abgerissen werden, ebenso die Werkshalle am Preysingplatz. Geplant ist neuer Wohnraum. BA-Mitglied Nikolaus Haeusgen kritisiert, dass ein Teil davon an Kurzzeit-Mieter gehen soll.
Das Haus an der Gallmayer­straße soll abgerissen werden, ebenso die Werkshalle am Preysingplatz. Geplant ist neuer Wohnraum. BA-Mitglied Nikolaus Haeusgen kritisiert, dass ein Teil davon an Kurzzeit-Mieter gehen soll. © Katrin Hildebrand

Der BA in Haidhausen spricht sich gleich an mehreren Orten gegen die Vermietung von Neubauten als Boardinghäuser aus. Warum der BA die Nutzung kritisch sieht...

Haidhausen An zwei Orten im Viertel soll groß gebaut werden: Dem BA Au-Haidhausen liegen Vorbescheide für den Preysingplatz und die Gallmayerstraße vor. Etwa 130 neue Wohnungen sollen entstehen. Doch bei beiden Projekten ist auch die Rede von einer „Boardingnutzung“. Das lehnt die Viertelpolitik ebenso strikt ab wie das massive Volumen der Neubauten. Darüber hinaus befürchtet sie steigende Mieten.

„In Boardinghäusern sind die Apartments nur ein paar Monate vermietet“, erklärt Nikolaus Haeusgen (CSU), Mitglied des Unterausschusses Planung, gegenüber Hallo. „Das ist tödlich fürs bürgerschaftliche Leben im Viertel. Kein Kurzzeit-Bewohner engagiert sich für den Stadtteil.“ Zudem falle bei befristetem und möbliertem Wohnen der Mieterschutz weg.

BA gegen Boardinghäuser in Haidhausen: Steigende Mietpreise als Gegenargument

Am Preysingplatz 3–7 sollen hinter den fünf Bestandsbauten zwei neue Mietwohnhäuser entstehen. Für eines davon ist Boardingnutzung beantragt. Um die Neubauten errichten zu können, müssten allerdings eine Werkshalle im Hof und ein Keller abgebrochen werden. Letzterer steht laut Denkmalliste als „Teil der ehemaligen Kellerstadt der Brauereien“ unter Schutz. Den Abriss des Kellers lehnt der BA genau deswegen strikt ab.

Die Bauherren erklären gegenüber Hallo: „Die Substanz des Bierkellers ist in einem schlechten Bauzustand, er ist zudem keiner zeitgemäßen Nachnutzung zuzuführen.“ Mietwohnungen und Kfz-Stellplätze in München zu schaffen, sei zweckdienlicher als der Erhalt eines nicht mehr verwendbaren Kellers. Zum Boardinghaus sagen sie, dass das Abfragen einer solchen Nutzungsart bei der Stadt, nicht bedeute, dass diese auch komme. Dennoch sehen sie „an diesem Standort eine Nachfrage dafür“.

Der BA fürchtet am Preysingplatz zudem steigende Preise für die Mieter. Durch die Anbauten würden einige Bestandswohnungen vergrößert. Laut Eigentümern bestehe die Gefahr einer Teuerung jedoch kaum. Es gebe mehrere Möglichkeiten. Eine „adäquate „Anpassung“ der Miete den finanziellen Möglichkeiten entsprechend sei nur eine von mehreren Optionen für die Bewohner. Mieter sollen nicht vertrieben werden.

BA gegen Boardinghäuser in Haidhausen: Bebauung an Gallmayerstraße laut BA zu massiv

Die Eigentümer wollen auch an der Gallmayerstraße 9 bauen – dort ist aktuell ein Hinterhof mit Schuppen und einem Häuschen, das laut Sozialreferat „unbewohnbar und nicht mehr erhaltenswert ist“. Geplant ist eine Wohnanlage mit fünf Obergeschossen, Dachgeschoss und Galerie. Auch dort ist auf zwei Stockwerken Boarding-Nutzung angedacht. Heinz-Peter Meyer (SPD), Vorsitzender des Unterausschusses Planung, schätzt die Gesamtzahl der Wohnungen auf 60. Auch sollen vier Untergeschosse gebaut werden, laut Meyer für etwa 83 Stellplätze. Durch Gewerbenutzung könnten noch mehr dazukommen.

Abgesehen davon, dass bei der aktuellen Planung die Abstandsflächen zu einem Nachbarhaus überschritten würden, hält der BA die Bebauung für zu massiv – und lehnt sie ab. Die Stadt solle prüfen, ob die Infrastruktur ein derartiges Bauvolumen überhaupt verkrafte.

Platz eins bei Serviced Apartments

Laut Bayerischem Gaststättenverband Dehoga wenden sich Boardinghäuser, auch Serviced Apartments genannt, an Langzeitnutzer in städtischer Umgebung. Die Zimmer sind an privaten Wohnungen ausgerichtet. Der Service reicht von sehr geringem Angebot bis hin zu hotelähnlichen Dienstleistungen. Aktuellen Zahlen zufolge belege München bei den Serviced Apartments mit 5800 Einheiten den ersten Platz in Deutschland, es folgen Frankfurt und Berlin, so die Dehoga. 

Geschichte des „Kathreiner“-Hauses

Früher gehörten die Bauten am Preysingplatz der Firma „Franz Kathreiners Nachfolger“. Diese saß am Ostbahnhof, hatte dort einen Gleisanschluss. Die Wohnungen wurden an Mitarbeiter vermietet. In der Hinterhof-Halle befand sich eine Auto-Werkstatt. Der Bierkeller stammt aus dem 19. Jahrhundert, er weist ein vierschiffiges Tonnengewölbe aus Ziegel auf. Früher befanden sich am Isarhochufer viele Keller, in denen traditionell das Märzenbier gelagert wurde.

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