München: Kritik an möglicher Verschärfung der Stadion-Regeln

Sicherheitswahn oder Hochrisiko?

Bei Risikospielen gibt es ein großes Polizei-Aufgebot - wie hier beim kleinen Derby im August 2016.
+
Bei Risikospielen gibt es ein großes Polizei-Aufgebot - wie hier beim kleinen Derby im August 2016.

München: Anwohner, Fanszene und Politiker schlagen Alarm und warnen vor einer grundsätzlichen Risiko-Einstufung. Sie fürchten Verkehrschaos und ärgern sich über "Generalverdacht".

  • KVR schlägt Einstufung aller Spiele im Grünwalder Stadion als Risikospiele ein
  • Fanszene schlägt Alarm
  • BA fordert Mitspracherecht

München-Giesing - Pyrotechnik, Bierflaschen, die durch die Luft geschleudert werden oder gewaltbereite Fans – das Kreisverwaltungsreferat hat im Kreisverwaltungsausschuss (KVA) einen Beschluss vorgestellt, laut dem künftig jedes Spiel von Herrenmannschaften im Grünwalder Stadion als „Risikospiel“ eingestuft werden soll.

München, Giesing: Aufschrei in der TSV1860-Szene

Unter anderem, weil seit der jüngsten Erweiterung mehr Zuschauer im Stadion Platz haben. Das sorgte für einen Aufschrei in der Fanszene, aber auch bei Viertelpolitikern und Anwohnern. Denn: Bei Risikospielen, bei denen die Polizei Ausschreitungen erwartet und zu welchen normalerweise etwa Derbys zählen, gibt es höherere Sicherheitsmaßnahmen.

 Konkret bedeutet das, dass mehr Polizisten im Einsatz sind und zwar für einen längere Zeit – in der Vorlage ist von einer zusätzlichen Stunde die Rede. Aber auch die Straßensperrungen könnten damit länger andauern und erweitert werden, da auch eine striktere Trennung der gegnerischen Fangruppen anvisiert ist. 

TSV 1860-Fans: "Wir stehen unter Generalverdacht"

Das dürfte vor allem die Anwohner, die ohnehin über Lärm und Park- wie Zufahrtsprobleme an Spieltagen klagen, ärgern. Die Fanszene hingegen stört etwas anderes. „Wir werden hier unter Generalverdacht gestellt“, ärgert sich ein Vertreter von „Löwen gegen rechts“, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Er plädiert für eine Einzelfallprüfung. 

In einem Schreiben an den Stadtrat fordert die Fangruppe, den Beschluss abzulehnen. „Bei der überwiegenden Zahl der Partien kam es weder auf Seiten der Heim- noch der Gästefans zu ernstnehmenden Problemen“, heißt es darin. Dass derStadtrat diesem Wunsch nachkommt, gilt als wahrscheinlich. 

Stadtrat: Beschluss wohl vertagt

So ist es internen Informationen zufolge geplant, den Beschluss zu überarbeiten und zu vertagen – dann käme der Beschluss nicht an diesem Mittwoch in der Vollversammlung auf den Tisch. 

BA fordert Mitsprache

Ob sich der KVA am Dienstag tatsächlich darauf verständigt hat, war bis Redaktionsschluss unklar. Kritik äußerte auch der Bezirks­ausschuss: „Man sollte uns in solche Entscheidungen miteinbeziehen“, forderte etwa Michael Sporrer (SPD), der dazu am Dienstagabend einen Dringlichkeitsantrag im BA 18 einbrachte. 

Grünwalder Stadion: Kritik von Anwohnern

Das sieht Hartmut Müller (Name geändert), der am Grünwalder Stadion wohnt, ganz genau so. „Die Stadt lässt uns Anwohner außen vor, wir brauchen einen gemeinsamen runden Tisch.“ Ihn treibt vor allem um: Bei der nächstenInfoveranstaltung zum Ausbau dürfen „nur Anwohner, die Einspruch eingelegt haben“ teilnehmen. Diese findet am Donnerstag, 18. Juni, statt.

Auch interessant:

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Bogenhausen: Bund möchte ebenerdigen Gleisausbau – Stadt München müsste die weitere Planung für den Tunnel zahlen
Bogenhausen: Bund möchte ebenerdigen Gleisausbau – Stadt München müsste die weitere Planung für den Tunnel zahlen
Streit um Zigaretten eskaliert: Jugendliche verprügeln drei Münchner - auch am Boden hagelt es noch Tritte und Schläge
Streit um Zigaretten eskaliert: Jugendliche verprügeln drei Münchner - auch am Boden hagelt es noch Tritte und Schläge
Wo sollen die Kinder künftig kicken?
Wo sollen die Kinder künftig kicken?
Mann in München abgestochen? – Hilferufe bei Polizei gemeldet 
Mann in München abgestochen? – Hilferufe bei Polizei gemeldet 

Kommentare