Sommer in München

Treffen im Freien ohne Konsumzwang ‒ in München entstehen diesen Sommer zum ersten Mal „Stadtterrassen“

Breisässer Platz
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So gemütlich wie am Breisässer Platz könnte es an vielen Orten in der Stadt zugehen.
  • vonKatrin Hildebrand
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In München kommen diesen Sommer zum ersten Mal Stadtterrassen, also kleine Aufenthaltsorte im Freien ohne Konsumzwang. Als Vorbild dient der Breisässer Platz.

  • Ein Stadtratsantrag vom Mai fordert mehr Möglichkeiten zum Treffen im Freien.
  • Jetzt sollen die sogenannten Stadtterrassen für den Sommer zugelassen werden.
  • Am Breisässer Platz errichteten Anwohner 2020 auf eigene Faust eine Sitzgruppe, die als Vorbild der Idee dient.

Update: 04. Juni 2021

In München wird es diesen Sommer zum ersten Mal dezentrale Stadtterrassen geben. Wie die Stadtratsfraktion SPD/Volt mitteilt, wird der Kreisverwaltungsausschuss am kommenden Dienstag dem Antrag zustimmen.

Dann können sich Münchner*innen auf bisher nicht ganz so attraktiven und wenig genutzten Plätzen in ihrer eigenen Nachbarschaft kleine Aufenthaltsorte ohne Konsumzwang schaffen.

Treffen im Freien sind in der Corona-Pandemie zu einer beliebten und sicheren Alternative geworden. Doch nicht jeder hat einen eigenen Balkon oder kann sich den Besuch in der Außengastronomie leisten. Die Stadtterrassen sind zunächst befristen bis Oktober 2021 und dienen auch eine Entzerrung der stark frequentierten „Party-Hotspots“ in München, etwa des Gärtner- oder des Wedekindplatzes.

Stadtterrassen in München

Die Flächen können zwischen sechs und 75 Quadratmeter groß sein. Als Standorte kommen Plätze in Frage, die aufgestellten Möbel müssen wetterfest sein. Damit sich dort tatsächlich Orte ohne gewerbliche Nutzung entwickeln können, müssen die Stadtterrassen mindestens 50 Meter von Freischankflächen entfernt sein. Für jede Terrasse wird es Verantwortliche geben, die sich um Sauberkeit und Sicherheit kümmern. Wer Lust auf ein solches Projekt hat, kann bei dem jeweils zuständigen Bezirksausschuss das OK einholen und einen Antrag beim Kreisverwaltungsreferat stellen. Das Aufstellen ist kostenlos, es wird lediglich eine Verwaltungsgebühr von 50 Euro erhoben.

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Draußen Sitzen ohne Konsumzwang - in München könnten „Bürgerterrassen“ entstehen

Erstmeldung: 03. Juni 2021

Der Breisässer Platz zählt zu den Pionieren der Idee. Dort konnten Bürger 2021 auf selbstgebauten Möbeln sitzen, sich treffen und mitgebrachte Speisen konsumieren. Solche Stadtterrassen zum draußen Sitzen ohne Konsumzwang wird es bald vielleicht in ganz München geben.

Die Möbel am Breisässer Platz sind auch heuer wieder aufgebaut. Die verkehrsberuhigte Fläche in Haidhausen hat offiziell keinen Namen, liegt aber an der Schnittstelle von Breisacher und Elsässer Straße. Zwei junge Frauen aus der Nachbarschaft hängten eines Tages das Schild „Breisässer Platz“ an einen Baum – und errichteten 2020 eine Sitzgruppe. Diese wurde von den Nachbarn gern angenommen.

Die Idee, an geeigneten Münchner Orten Tische und Stühle aufzubauen, damit Anwohner zusammenkommen können, haben die BA Au-Haidhausen und Neuhausen-Nymphenburg nun mit großer Mehrheit begrüßt. „Wir wollen, dass Menschen den öffentlichen Raum ohne Konsumzwang nutzen können“, sagt Nina Reitz, SPD-Fraktionssprecherin in Au-Haidhausen.

Grundlage der BA-Entscheide war ein Stadtratsantrag von Grünen/Rosa Liste sowie SPD/Volt zum Thema Stadtterrassen von Anfang Mai. Gerade für den anstehenden Corona-Sommer sei es wichtig, Möglichkeiten zu schaffen, „sich infektionsschutzkonform an der frischen Luft zu treffen“, heißt es da.

SPD-Fraktionssprecherin Nina Reitz setzt sich für mehr Bürgerterrassen wie am Breisässer Platz ein.

Bürgerterrassen ohne Konsumzwang in München - Kreisverwaltungsreferat muss Sondernutzung erlauben

Um die von Anwohnern selbst gebauten Sitzgruppen zu realisieren, müsste das Kreisverwaltungsreferat mitspielen. „2020 hat das KVR beim Breisässer Platz ein Auge zugedrückt. Aber eigentlich gibt es in der Sondernutzungssatzung keine Grundlage für eine Erlaubnis“, erklärt Reitz. Die Genehmigung wünschen sich die Antragsteller nun ähnlich unbürokratisch wie jene zu den kommerziell genutzten Schanigärten oder den auf Parkplätzen errichteten, nicht-kommerziellen Aufenthaltsbereichen, den Parklets, wie es sie etwa in den Sommerstraßen gibt.

Das KVR erarbeite gerade mit anderen Behörden eine Beschlussvorlage und werde diese voraussichtlich am 8. Juni dem Kreisverwaltungsausschuss im Stadtrat vorlegen, wie KVR-Sprecher Johannes Mayer sagt. Lena Odell (SPD), die den Antrag für den Stadtrat erarbeitete, meint: „Als selbsternannte nördlichste Stadt Italiens sollte München bei der kreativen und schönen Nutzung des öffentlichen Raums vorn mit dabei sein.“

Die Haidhauser würden neben dem Breisässer auch gerne den Preysingplatz, die Drächsl- und die Hochstraße bespielen und Bürger, die Treffpunkte aufbauen wollen, finanziell unterstützen. Es gibt jedoch auch Skeptiker. Andreas Miksch (CSU) meint: „Es könnten versicherungsrechtliche Probleme auftauchen.“

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