Sebastian Peters forscht

Doktorarbeit über Heinrich Hoffmann - Hitlers Leibfotograf

Sebastian Peters steht in der Schellingstraße 50, wo Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann einst sein Atelier hatte.
+
Sebastian Peters forscht seit drei Jahren über Heinrich Hoffmann, den Leibfotografen von Adolf Hitler.

Für seine Doktorarbeit forscht Sebastian Peters Hitlers Fotografen: Heinrich Hoffmann lichtete den Führer ab und kaufte eine Bogenhauser Villa für dessen Geliebte.

Niemand stand Hitler so lange Zeit so nahe wie Heinrich Hoffmann, ein Münchner Fotograf mit eigenem Studio in der Schellingstraße. Er wurde später zu Hitlers Leibfotograf, jahrelang inszenierte er den Nazi-Diktator und trieb so dessen politische Karriere entscheidend an.

Sebastian Peters forscht seit mehr als drei Jahren über diesen Fotografen. 2021 will er seine Doktorarbeit über Heinrich Hoffmann fertigstellen und veröffentlichen. Denn obwohl Hoffmann mit seiner Propaganda einen derart großen Einfluss ausübte, wurde er bislang von Forschung und Öffentlichkeit nur wenig beachtet.

Heinrich Hoffmann - Hitlers Leibfotograf und enger Vertrauter

„Er war der Mensch, der Hitler am längsten begleitete“, erzählt der 29-jährige Wissenschaftler. 1920 haben sich Hoffmann und Hitler demnach kennengelernt. „Bis 1945 hat sich nichts geändert, Hoffmann gehört zum Kreis der engsten Vertrauten.“

Kein Fotograf sonst kam dem Nazi-Diktator so nahe. Für Bildbände, die zu Propagandazwecken veröffentlicht wurden, setzte Hoffmann Adolf Hitler mal mit Schäferhund, mal mit blondem, lachenden Mädchen in Szene. „Damals war es revolutionär, einen politischen Anführer als Mensch außerhalb seiner Funktion abzubilden“, erklärt Peters.

„Hitler wirkte dadurch nahbarer. Hoffmann fotografierte ihn in der Natur und zeigte ihn als kunst­interessierten Menschen und Musikliebhaber.“ Die Aufgabe dieser Bilder sei es gewesen, das Gesamtbild zu verdecken – stattdessen sollten sie gezielt eine verzerrte Wahrnehmung bewirken und als wohl kalkulierte Propaganda nachwirken.

„Besonders abstrus: Es stellte sich heraus, dass die Oma des blonden Mädchens, mit dem Hitler sich ablichten ließ, Jüdin war. Nach einer Weile wurden die Bilder einfach still und heimlich aus dem Verkehr gezogen“, berichtet der Historiker. Neben seiner einflussreichen Position als Leibfotofgraf und enger Vertrauter des Führers, hatte Hoffmann noch eine ganz andere Funktion: „Er war gewissermaßen Treuhänder der Beziehung, die Hitler mit Eva Braun führte.“

Hoffman machte Hitler und Braun bekannt und besorgte ihr eine Villa in München

Hoffmann hat die beiden nicht nur miteinander bekannt gemacht – er hatte Eva Braun in seinem Fotoladen in der Schellingstraße 50 eingestellt. Kurz darauf zog er mit seinem Fotostudio um in das Gebäude an der Ecke Amalien- und Theresienstraße. Sondern er war es auch, der in Hitlers Auftrag eine Villa für Eva Braun in Altbogenhausen kaufte.

Denn lange Zeit war es demnach Kalkül der Nazis gewesen, Hitler in der Öffentlichkeit gezielt als Single darzustellen. „Das sollte weibliche Wählerstimmen einbringen“, sagt Peters. „Hitler sagte Sätze wie: Deutschland ist meine Braut.

Zum Kriegsende hatten die Alliierten Hoffmann festgenommen, sein Millionen-Vermögen, das er während der NS-Diktatur angehäuft hatte, wurde ihm entzogen, er zu zehn Jahren Haft verurteilt. Nach drei Jahren wurde er 1950 vorzeitig entlassen. Sieben Jahre später starb er. „Seine Bedeutung ist bis heute verkannt“, sagt Peters.

Auch interessant:

Meistgelesen

Kommentare