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Ende einer Friseurlegende: Der Weißbierglasfriseur Schmidlkofer hört auf - Laden schließt nach 90 Jahren

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Von: Katrin Hildebrand

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Peter Schmidlkofer muss Abschied von seinem Friseurladen nehmen.
Peter Schmidlkofer muss Abschied von seinem Friseurladen nehmen. © Katrin Hildebrand

Berühmt für seine Sammlung an Weißbiergläsern: Nach 90 Jahren schließt der Friseurladen an der Deisenhofener Straße in Obergiesing seine Türen.

Obergiesing - Peter Schmidlkofer muss aufhören. Ende der Woche macht „Der Herrenfrisör“ an der Deisenhofener Straße 44 zu. Der Vermieter möchte Wohnraum aus dem Geschäft machen. Die beiden haben sich gütlich geeinigt. Schmidlkofer, eigentlich Dachauer, liebt das Viertel, will beruflich auf jeden Fall in Obergiesing bleiben und ist schon auf der Suche nach einer Anstellung. Mit seinem Friseurladen geht eine Ära zu Ende. Den Betrieb gibt es seit 1932. Lange Zeit erhielten Kunden dort nicht nur einen neuen Schnitt oder eine Rasur, sondern auch ein Weißbier.

Nach 90 Jahren: Der Weißbierglasfriseur in Obergiesing schließt

„Ich bin klassischer Herrenfriseur“, erklärt Schmidlkofer gegenüber Hallo. „Ich würde nicht mal die Haare meiner Frau oder Tochter anfassen.“ Dafür beherrscht er das Nassrasieren und jedwede Männerfrisur. „Egal ob Side- oder Undercut, Façonschnitt, seriös oder nach dem Vorbild irgendeines Fußballers“, sagt er. Seit 1999 arbeitet er vor Ort. Damals gehörte das Geschäft noch seinem Vorgänger Fritz Gabler. Auch der war reiner Herrenfriseur – und bekannt für sein Können als Barbier. Viele Männer mit prämierten Bärten waren Kunden. Als der Laden 1932 gegründet wurde, konnten sich allerdings auch noch Frauen frisieren lassen. Es waren Gablers Eltern, die damals eine lange Tradition in Gang setzten.

München: Ende einer Ära - Schmidklkofer macht nach Schluss in Obergiesing

Richtig kultig allerdings wurde das Geschäft erst 1982, als Fritz und seine Frau Renate übernahmen. Von da an ging die Arbeitsteilung so: Fritz schnitt und rasierte die Männer, Renate wusch ihnen die Haare und übernahm das Organisatorische. Irgendwann kamen die beiden dann auf die Idee mit dem Weißbier: „Es war damals groß in Mode“, erklärt Renate Gabler. Fritz Gabler ergänzt: „Wir hatten den ganzen Laden voller Männer, und die hatten Durst.“ Also konnten die Kunden fortan vor Ort ein Bier genießen – direkt an der Kasse, die zugleich als Tresen diente.

Früher frisierte Peter Schmidlkofer unter Weißbiergläsern. Das Bier wurde von den Gablers am Tresen ausgeschenkt. Heute sind die beiden im Ruhestand.
Früher frisierte Peter Schmidlkofer unter Weißbiergläsern. Das Bier wurde von den Gablers am Tresen ausgeschenkt. Heute sind die beiden im Ruhestand. © privat

Schließlich begann Renate Gabler sogar, die Ladenwände mit Weißbiergläsern zu dekorieren. „Ich bin grundsätzlich eine große Sammlerin“, berichtet sie. Als die Kunden die Gläser sahen, sammelten sie mit. Sie brachten welche aus Bayern und Europa, ein Pilot steuerte Exemplare aus aller Welt bei. Zum Schluss standen mehrere Hundert Stück auf den Regalen im Laden. „Insgesamt, mit den Gläsern im Lager und daheim, hatten wir mal um die 1600“, sagt Fritz Gabler.

Im Laden heute stehen nur noch ein paar herum. Quasi als Erinnerung an eine ganze Ära. Der Großteil der ursprünglichen Gläser ist mittlerweile in einem Hundertwasserturm untergebracht, der zu einer Brauerei in Abensberg gehört. So bleibt wenigstens dort ein Stück Obergiesinger Geschichte erhalten.

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